Die Uni Freiburg will Flüchtlinge zu Gasthörern machen - noch kostet das 50 Euro

Kathrin Müller-Lancé

Gasthörerschaften, Sprachkurse mit angehenden Lehrern, Stipendien, mündliche Vorstellungsgespräche: An der Uni Freiburg hat man einige Ideen zur akademischen Integration von Flüchtlingen gesammelt. Reicht das?



"Wir versuchen alles, um Flüchtlingen den Start in Freiburg zu erleichtern", erklärt Prof. Dr. Juliane Besters-Dilger, Prorektorin für Studium und Lehre an der Uni Freiburg. Denn: Wer studiert, lernt nicht nur Stoff – sondern auch die Uni und Deutschland kennen. Ein Studium sei ein wichtiger Schritt zur Integration, so Besters-Dilger. Die Studierenden würden an das deutsches Hochschulsystem herangeführt und könnten Kontakt knüpfen zu Dozenten und Mitstudierenden.


Gasthörerstudium für Flüchtlinge

Flüchtlinge, die auf eine Asyl-Entscheidung warten, können ab kommendem Wintersemester an der Uni Freiburg Vorlesungen und Übungen besuchen. Die Hochschulgruppe "Uni für alle" will Flüchtlingen ein Gasthörerstudium ermöglichen. Auf ihrer Facebook-Seite mit dem Titelbild "Refugees welcome" postet sie dazu Informationen auf Deutsch, Englisch und Arabisch.

Noch kostet das Gasthören 50 Euro pro Semester – um die zu decken, sammelt die Gruppe fleißig Spenden. Außerdem organisiert sie ein Buddy-Programm zur Unterstützung der Flüchtlinge beim Gasthörerstudium. Die Uni Freiburg habe beim Land angefragt, ob man die Gebühren für ein Gasthörerstudium den Flüchtlingen in Zukunft nicht erlassen könne, so die Prorektorin. Eine Entscheidung stehe noch aus.

Stipendien für syrische Flüchtlinge

Syrische Flüchtlinge will das Land Baden-Württemberg speziell fördern. Dank eines Stipendiums sollen 50 junge Syrer an einer baden-württembergischen Universität oder Fachhochschule studieren können. Nach einer Ausschreibung des Landes wurden im Mai aus 280 die 50 Bewerber ausgewählt. Sie konnten angeben, an welcher Hochschule sie studieren möchten. Einige hätten sich auch für Freiburg entschieden, so Prof. Dr. Juliane Besters-Dilger.

Das alles klingt gut soweit. Doch die Integration der Flüchtlinge an die Uni ist auch eine Herausforderung. Probleme gibt es oft mit der Hochschulzugangsberechtigung. Die ist Voraussetzung für ein Studium an einer deutschen Hochschule. Aber: Wer von einem Tag auf den anderen aus seiner Heimat flieht, denkt nicht unbedingt an Zeugnisse und Diplome. Besters-Dilger bedauert: "Wir geben uns zwar schon mit einer geringeren Anzahl an Dokumenten zufrieden, so ganz ohne Unterlagen geht es aber leider nicht". Auch hier sei man mit dem Ministerium im Gespräch: Ein mündlicher Aufnahmetest zum Beispiel könnte in Zukunft fehlende Schulzeugnisse ausgleichen.

Kostenlose Sprachkurse

Eine andere Herausforderung sei nach wie vor die deutsche Sprache, stellt die Prorektorin der Uni Freiburg fest. Da fast alle Bachelor-Studiengänge auf Deutsch unterrichtet würden, seien gute Sprachkenntnisse unabdingbar für die Zulassung. Diese Barriere wollen nun die Sprachwissenschaftler der Uni abbauen. Anglisten und Germanisten wollen unter Leitung von zwei Professorinnen Englisch- und Deutschkurse für Flüchtlinge unter wissenschaftlicher Anleitung anbieten. Die angehenden Lehrer könnten so praktische Erfahrungen gewinnen - die Schüler vom kostenlosen Unterricht profitieren.

Neue Koordinationsstelle

Eine weitere Initiative steht noch aus: Zusammen mit der Pädagogischen Hochschule beantragt die Uni Freiburg eine Koordinationsstelle, die zwischen Hochschule und Flüchtlingen vermitteln soll. Eine solche Person könnte erster Ansprechpartner sein, persönlich beraten, Behördengänge begleiten und Informationen in verschiedenen Sprachen bereitstellen. Der Antrag ist schon lange raus, nun ist es am Ministerium, zu liefern. Die bis Ende Juli versprochene Antwort lässt immer noch auf sich warten.



Hilfe neben der Uni

Eigene Stipendien für Flüchtlinge, die studieren, bietet die Uni Freiburg nicht an. Finanzielle Unterstützung gibt es nur über andere Wege: Für Flüchtlinge aus Syrien stellt das Land Baden-Württemberg einen Notfonds bereit. Hilfe bietet auch das Studierendenwerk an: Über einen Härtefonds können Zuschüsse beantragt werden. Außerdem organisiert das Werk soziale, rechtliche und ärztliche Betreuung. Der Internationale Club organisiert Veranstaltungen, bei denen Studierende aus aller Welt sich austauschen können.

Mit ihren Angeboten für Flüchtlinge ist die Uni Freiburg nicht allein. Immer mehr Universitäten in Deutschland öffnen sich für Geflüchtete. Gasthören können Flüchtlinge unter anderem an den Unis in Lüneburg, Bremen, Greifswald und Bochum.

An der HU in Berlin will man Einzelfälle prüfen - und "in den meisten Fällen" die Gebühr einfach erlassen.

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[Foto: photocase/ .marqs]