Die UB Freiburg führt die Pausenuhr ein

Marius Buhl

Weil Studenten Plätze blockieren wie Mallorcatouristen die Badeliegen, führt die UB Freiburg knallrote Pausenuhren ein. Wie (und ob) das neue System funktioniert:



Die UB hat am heutigen Mittwoch sogenannte Pausenuhren eingeführt. Mit den Uhren, die an gewöhnliche Parkscheiben erinnern, soll verhindert werden, dass Studenten Plätze blockieren. Verlässt ein Student von nun an seinen Tisch, soll er die Uhr auslegen und die exakte Zeit seines Weggangs einstellen - eine Stunde später muss er zurück sein. Ist er das nicht, können andere Studenten Bücher und Stifte einfach zur Seite schieben.


Die Praxis der Platzreservierung war zuvor häufig kritisiert worden. Gerade zu Prüfungszeiten seien findige Studenten bereits um sieben Uhr morgens in Jogginghose gekommen, hätten Bücher ausgelegt und seien dann fürs Frühstück nach Hause gegangen, sagt Jura-Studentin Rafaela Schindler*.

Die Pausenuhren dürften kaum die Platzprobleme lösen

Zunächst soll es die neuen Uhren nur zur Prüfungszeit geben, weil dort die Platzprobleme am größten sind. Ob sie auch danach zum Einsatz kommen, will das zuständige Dezernat um Dr. Ralf Ohlhoff anhand der Erfahrungen entscheiden. Dass die Pausenuhr die Lösung der Überlastungsproblematik ist, dürfte aber unwahrscheinlich sein - allzu leicht lässt sich die Uhr so verstellen, dass ein längeres Fortbleiben möglich ist. Zudem dürfte fraglich sein, ob Studierende tatsächlich belegte Plätze freiräumen.

Judith Grober, Germanistik-Studentin, hält wenig vom neuen System: "Ich glaube nicht, dass Studenten sich daran halten werden. Es braucht mehr Plätze, keine Pausenuhren!" Der Bitte der Studenten, mehr Arbeitsplätze zu schaffen, war die UB-Leitung zuletzt mit 100 zusätzlichen Stühlen nachgekommen.  Diese Lösung gilt jedoch als unpraktisch, weil so sechs Stühle an einem Tisch mit fünf Lampen und Steckdosen standen. Rafaela Schindler beklagte sich deshalb bereits bei der UB-Leitung und forderte mehr Tische. Die Antwort, die sie bekam: Das gehe wegen Brandschutzvorschriften nicht.

In Bremen gibt es die Uhren schon länger

Voerst sollen daher die Pausenuhren zur Problemlösung beitragen. An der Universität Bremen testet man diese schon seit längerer Zeit. "Das Problem des zu geringen Arbeitsplatzangebotes können wir damit leider nicht lösen", heißt es auf der Homepage der Bremer Bibliothek.

In der UB Freiburg waren am Mittwochnachmittag nahezu alle Arbeitsplätz belegt. An gerade einmal vier Tischen lag eine der neuen Uhren aus - alle waren seit mehr als zwei Stunden abgelaufen.

Immerhin: Geklaut werden können die Uhren nur schwer: Wer beim Verlassen der UB eine Pausenuhr mit sich führt, löst den Alarm aus. Ein junger Mann machte diese Erfahrung bereits.



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*Rafaela Schindler heißt eigentlich anders, möchte ihren Namen aber nicht im Internet lesen. [Foto: Marius Buhl]