Die Tüftler-AG: Junior-Ingenieur-Akademie am Goethe-Gymnasium

Okan Bellikli

Freitagnachmittag, kurz vor 14 Uhr: In einem Naturwissenschafts-Raum des Goethe-Gymnasiums sitzen um die 20 Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Klassen und arbeiten mit Lego-Bausteinen. Die Junior-Ingenieur-Akademie will ihnen Ingenieursberufe schmackhaft machen, und zwar nicht nur mit Lego, sondern auch mit Programmierkursen und Praktika. Okan war für fudder dabei:



Die Mädchen und Jungen aus den neunten und zehnten Klassen des Gymnasiums machen mit bei der Junior-Ingenieur-Akademie (JIA), die zu Beginn des vergangenen Schuljahres an der Schule eingerichtet wurde. Die JIA ist ein bundesweites Projekt der Telekom-Stiftung, für das Schulen mit Firmen, Unis und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen zusammenarbeiten. Damit soll dem vielbeschworenen Fachkräftemangel vorgebeugt werden.

In der JIA des Goethe-Gymnasiums geht es heute um Solartechnik. „Wir sollen einen Solar-Roboter aufbauen, der sich dann automatisch zur Sonne ausrichtet, damit er effizient ist und so viele Sonnenstrahlen wie möglich nutzen kann“, sagt Zehntklässler Sören, 15.

„Der Grundgedanke ist natürlich, dass ein Interesse für Ingenieursberufe geweckt wird. Und die Erfahrung zeigt, dass das Interesse in diesem Alter auch noch da ist oder verloren geht“, sagt
Marcel Lorenz, 43, Physik- und Mathelehrer am Goethe-Gymnasium. Er ist in der Klasse 10 verantwortlich für NWT und Technik und Leiter der JIA für den Bereich Energieversorgung. „Und so haben wir einen relativ angenehmen Rahmen, um bekannt zu machen, was es so für Möglichkeiten und Schwerpunkte gibt. Es geht ja nicht nur darum, stur mit Papier und Bleistift irgendwie etwas auszurechnen, sondern manchmal um ganz Praktisches.“

Die JIA dauert immer zwei Jahre und findet in den Klassen 9 und 10 statt. Dafür können sich die Schüler in der achten Klasse verbindlich anmelden. Die Akademie findet dann jeden Freitagnachmittag statt und hat vier Themenschwerpunkte: Sensorik, Formel 1, Medizintechnik und Energieversorgung.

Während Christopher und Sören an ihrem intelligenten Solar-Roboter werkeln, sind Alba und Carla, 16 und 15 und ebenfalls in der zehnten Klasse, mit Löten beschäftigt. „Wir hatten heute die Auswahl, ob wir etwas für den Solar-Roboter programmieren wollen oder Löten. Es geht um Solarzellen, die sich nach der Sonne ausrichten sollen“, sagt Carla. Im Gegensatz zum Solar-Roboter muss dafür allerdings nichts programmiert werden. Am Goethe-Gymnasium lernen die Schüler bereits in der achten Klasse ein wenig Programmiersprache. Wenn sie sich dann für die JIA entscheiden, dann gibt es nochmal einen Schwerpunkt Programmieren.

Im Rahmen der JIA kooperiert die Schule zudem mit verschiedenen Unternehmen und Forschungseinrichtungen in Freiburg und Umgebung. Dazu gehören auf Firmenseite die SICK AG,
die Zahoransky AG, Stryker Navigation und die Concentrix Solar GmbH
. Die Zusammenarbeit im wissenschaftlichen Bereich erfolgt mit den Instituten für Informatik und Mikrosystemtechnik der Uni Freiburg, der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Lörrach und dem Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme in Freiburg.

So absolvieren die Schüler dann auch mal ein Praktikum in einem Unternehmen oder sind zwei Nachmittage zur Vertiefung ihrer Programmierkenntnisse an der Uni. Von Zeit zu Zeit stehen auch Besuche in den Firmen an, so besuchten die Schüler beim Thema Medizintechnik etwa für ein mehrwöchiges Projekt die Firma Stryker, welche Prothesen und Schrauben für den medizinischen Gebrauch herstellt.

Sören hat nicht nur heute viel Spaß in der JIA: "Ich bastel schon gerne mit Elektronik und sowas, seit ich jung bin. Das habe ich wohl von meinem Vater."



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