Die Tücken des Web 2.0-Wahlkampfes

Carolin Buchheim

Die Wahl des nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten steht erst im Herbst 2008 an, aber dank des Vorwahl-Systems der Parteien hat der Wahlkampf bereits begonnen. Alle Kandidaten bemühen sich, das Web 2.0, also Blogs, YouTube, MySpace und Co. für ihre Kampagnen zu benutzen, und manchmal geht das ein bisschen daneben. So wie beim republikanischen Kandidaten John McCain, auf dessen MySpace-Seite gestern zu lesen war, er habe seine Meinung geändert und unterstütze jetzt die Schwulen-Ehe 'ganz besonders zwischen leidenschaftlichen Frauen'.



Wie war das passiert?

Zur Erstellung des offiziellenJohn McCain-Profilsbei MySpace hatten Mitarbeiter des Senators aus Arizona eine MySpace-Profil-Vorlage des Newsvine-Machers Mike Davidson benutzt. Und dabei nicht nur vergessen, Davidson als Layout-Autor zu nennen, sondern auch, die Beispiel-Grafik hinter den Kontakt-Buttons mit einer eigenen Grafik zu ersetzen.


John McCains-MySpace-Profil verlinkte also direkt auf eine Grafik, die auf Mike Davidsons Server lag; jeder Page Load von McCains Profil brauchte Davidsons Bandwith auf.

So etwas, die unerlaubte Nutzung von fremd gehosteten Dateien wie zum Beispiel Grafiken, nennt man Hotlinking  oder Traffic-Diebstahlund ist unter Webmastern als extrem schlechtes Online-Benehmen verpönt.
Unterhaltsamerweise war die Grafik für John McCains MySpace-Seite ohnehin ziemlich unsinnig, denn neben dem 'Contact Me'-Button stand groß 'No requests for Design Help please', eine Bitte, die bei Vorlagen-Designer Mike Davidson durchaus Sinn macht. Bei Senator McCain wohl eher nicht.



Offensichtlich sehr aufmerksam und MySpace-versiert, die Mitarbeiter von Senator McCain!

Mike Davidson tat, was fast alle Webmaster tun, wenn sie entdecken, dass ihre Bilder unerlaubt fremdverwendet werden: Er löschte die Bild-Datei und ersetzte sie mit einer anderen, gleichnamigen Bild-Datei; Der 'neuen' Aussage John McCains zur Ehe unter Homosexuellen im Allgemeinen und leidenschaftlichen Frauen im Besonderen.

McCains Mitarbeiter entdeckten Mike Davidsons neue Grafik mit der seltsamen Aussage ihres Chefs innerhalb einiger Stunden und ersetzten sie mit einer anderen Grafik, die prompt auch noch einen Rechtschreibfehlerenthielt.



Mike Davidson sieht seine kleine Aktion ürbigens weniger als politische Aussage sondern vielmehr als Streich und als Kritik an der Verwendung  von Web 2.0-Tools wie MySpace durch Politiker. MySpace hat letzte Woche den ImpactChannel gestartet, auf dem sich US-Präsidenschaftskandidaten mit ihren Profilen vorstellen.

Mehr dazu:

[via Kottke; Screenshots von Mike Davidson]