Die Teilnehmersongs des Eurovision Song Contest

Stefan Zimmermann und Robert Sandermann von der Rosa Hilfe verfolgen seit Jahren den Eurovision Song Contest, ihre alljährliche Party im Waldsee mit Käse-Igeln und Sektbowle ist gefragt – bei Schwulen, Lesben und Heteros gleichermaßen. Die beiden Freiburger, die bei der Aids-Hilfe arbeiten, haben sich die Teilnehmersongs angehört und eine Auswahl bewertet.



Der schwülstige Franzose

Amaury Vassili musste sich fürs Finale nicht qualifizieren, da Frankreich gesetzt ist. „Er singt wunderschön, aber er passt nicht zum Eurovision Song Contest“, findet Robert Sandermann. Der Song „Sognu“ des langhaarigen 21-jährigen Tenors klinge schwülstig, wie eine Filmhymne. „Von der Stimme her ist das für die Veranstaltung ein paar Nummern zu hoch“, sagt Stefan Zimmermann. „Leute im gesetzten Alter werden das mögen, aber werden die auch wählen?“ Sein Fazit: „Spießig, langweilig, pathetisch. Als würde man Lady Gaga in die Hitparade der Volksmusik stecken.“


Alter Schwede!

Der 20 jahre alte Schwede Eric Saade ist der große Favorit von Stefan Zimmermann und Robert Sandermann, darauf legten sich die gestern beiden fest, noch bevor er abends im Halbfinale angetreten war. Seine Show werde ein Highlight des Abends. Saades Tanzdarbietungen seien „ziemlich gut“, findet Zimmermann. „Er sieht auch gut aus, ein bisschen metrosexuell-angeschwult“ – ein paar Mal – geht das? – fassen sich der junge Schwede und seine Tänzer gar frivol in den Schritt. Sein Auftritt sei „gut durchgeplant“, am Ende lässt der Beau sogar Glasscheiben zerspringen.

Dänischer Pop-Rock mit Außenseiterchancen

„A Friend in London“ nennt sich die dänische Band, die mit dem Song „A New Tomorrow“ antritt. Für Robert Sandermann zählen sie zu den Favoriten, Stefan Zimmermann räumt ihnen eher Außenseiterchancen ein. Die vier Jungs aus Kopenhagen kommen mit ihrer rockigen Britpop-Nummer und Drei-Tage-Bärten ein bisschen härter rüber als der Schwede Saade (siehe links). „Die sind nicht so bubimäßig. Da ist eine größere Einheit zwischen Musik und Outfit“, findet  Sandermann. Die Typen an sich sind cool, die Melodie ist eingängig.

Ein rappender Grieche

Mit einer Bombast-Licht-Intro startet Loucas Yiorkas’ „Watch my dance“. „Das Lied ist mit seinen Rap-Einlagen nicht unbedingt typisch für den ESC. Sehr getragen, irgendwie ein Mischmasch. Das ist sehr speziell, aber nicht schlecht“ (Zimmermann). Zum Mischmasch passt, dass Yiorkas sowohl englisch als auch griechisch singt und den Rap nochmit traditionellen Sirtaki-Klängenmixt. „Der ganze Auftritt hat was ungeheuer Dramatisches“ (Sandermann). Ein großes Manko: „Die Bühnenshow ist sehr düster“ (Zimmermann).

Oh my God, Ireland!

Die eineiigen Zwillinge John und Edward Grimes alias Jedward aus Dublin gehören mit „Lipstick“ zum Favoritenkreis, auch bei Stefan Zimmermann und Robert Sandermann. Optisch sind die beiden „eine Mischung aus Justin Bieber und Tokio Hotel.“ Sehr schrill sind die beiden Brüder mit ihrem helmartigen Mega-Irokesen. „Die fallen komplett raus aus dem Teilnehmerfeld“, findet Zimmermann. Alleine, ohne das Outfit, wirke der Song gar nicht so. Fazit: Jedwards  Musik ist „sehr eingängiger Powerpop, wenn auch nicht sonderlich einfallsreich“ (Sandermann). Oh my God, Ireland!

Lena und das Raumschiff Orion

Die einen lieben Lenas „Taken by a stranger“, die anderen hassen den Elektropop-Song im Stil der frühen 80er. Stefan Zimmermann hat ihn ins Herz geschlossen – „das war schon beim Vorentscheid mein Favorit“. Auch Robert Sandermann findet, dass er Qualitäten hat – „ob er für den ESC geeignet ist, weiß ich nicht“. Lenas neuer Song sei nicht so eingängig wie das letztjährige Siegerlied „Satellite“, findet Sandermann. Äußerst schräg muten die „Raumschiff-Orion“-artigen Ganzkörperkostüme der Background-Tänzer an.

Buntes, poppiges Serbien

„Caroban“ heißt der Song der Wasserstoffblondine Nina aus Serbien. Das Bühnenbild hat ein knallbuntes 70er-Jahre-Design – vielleicht etwas überladen. Die schrillen Kostüme sind ebenso „super“wie die Tanzeinlagen „witzig und süß“ sind, findet Stefan Zimmermann. Insgesamt passe das retrolastige Design allerdings nicht zum zeitlosen Lied, auch wenn das „von der Qualität her nicht so schlecht ist“ (Robert Sandermann) – eingängig, vielleicht etwas belanglos. Sandermanns Fazit: Nina ist poppig und mit das Bunteste, was der ESC 2011 zu bieten hat.

ESC-Partys in Freiburg

Nach 28 Jahren findet er morgen Abend ab 21 Uhr endlich wieder mal in Deutschland statt, der Eurovision Song Contest (ESC). In Freiburg gibt’s zahlreiche Partys, auf denen die Show aus Düsseldorf auf Großbildleinwand übertragen wird: Die Rosa Hilfe lädt Schwule, Lesben und Heteros ins Waldsee ein (Eintritt 6 Euro inklusive Käse-Igel, Schnittchen und Bowle, dazu legt DJ Robert Sun auf). Feten finden in der Mensa Rempartstraße, im Tacheles an der Grünwälderstraße, der Mehlwaage (Eintritt jeweils frei) und in anderen Kneipen der Stadt statt.

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[Bild 1: Ingo Schneider/Badische Zeitung; Bilder 2-8: dpa, dapd, afp]