Die Südbadenerin Carolin Zisgen hat ein Modelabel gegründet - mit Kuhfell-Taschen

Lucas Dueck

"Vaca Vaca" heißt das Modelabel, unter dem die südbadische Designerin ihre Taschen aus echtem Kuhfell verkauft. Herstellen lässt Zisgen in Istanbul, die Idee hat sie aus Argentinien mitgebracht:



Die Idee für ihre Taschen aus Kuhfell brachte Carolin Zisgen von Südamerika nach Süddeutschland. An der alten Brauerei in Riegel hat sie den Showroom ihres Startup-Unternehmens.


Vor einigen Jahren war die Marketing-Managerin in Argentinien und brachte eine Kuhfelltasche im Boho-Stil mit, auf die sie in Deutschland immer wieder angesprochen wurde. Als sie dann in Istanbul zufällig einen Lieferanten traf, der mit Kuhfell handelt, folgte sie diesem "Wink des Schicksals" und entwarf ihre eigene Kuhfell-Kollektion. "Meine Taschen erzählen eine Geschichte", sagte sie.

Das besondere sei vor allem, dass es keine Tasche zweimal gibt, da jede Kuh ein anderes Fell habe. "Es gibt ja nicht nur braun-weiß gefleckte Kühe, sondern auch welche mit kleinen Sprenkeln, einfarbige, getigerte, langhaarige oder kurzhaarige. Und je nachdem wie man das Fell kombiniert, ist es ganz individuell." Eigentlich ist das Designen Neuland für Carolin Zisgen. Nach ihrem BWL-Studium war sie viele Jahre im Bereich der solaren Montagesysteme tätig.

"Das war mir dann aber zu unglamourös und unkreativ." Wenn sie sich nochmal entscheiden könnte, würde sie gerne etwas Künstlerisches studieren. Als bekennendes Fashion-Victim habe sie sich aber schnell in die Materie eingearbeitet und was ihr an Know-How fehle, könne sie sich auch einkaufen. "Ich habe mir mittlerweile ein gutes Netzwerk aufgebaut."

Produziert werden die Taschen in Istanbul, wo die Lederindustrie gerade boomt. In Zusammenarbeit mit ihrem Lieferanten und einer Mitarbeiterin entwirft Carolin Zisgen die Taschen. Der Stil bewegt sich zwischen Edelhippie auf Mallorca und moderner Geschäftsfrau in New York. "Ein bisschen verspielt und mit individueller Note."

Gerade in Freiburg kann Kleidung aus Fell oder Pelz ein Reizthema sein. "Ich hatte schon befürchtet, dass ich irgendwelche Anfeindungen bekomme oder von Tierschützern mit Farbpatronen beworfen werde." Aber bisher habe es keine solchen Vorfälle gegeben. "Nicht einmal anonyme Hass-Mails habe ich bekommen."

Produktion in Istanbul

Es finde gerade sowieso ein Umbruch statt – hin zum Fell. Fashion-Blogger und große Designer aus Berlin hätten das Material schon längst neu entdeckt. "Da bin ich wohl gerade zur richtigen Zeit am richtigen Ort." Ihre Kunden wollten aber schon wissen, woher die Kuh stammt und ob sie nur für das Fell gestorben ist. "Nein. Ist sie natürlich nicht." Die Häute seien Abfallprodukte aus der Fleischindustrie.

Von daher sei es eigentlich etwas Gutes, das Tier wenigstens vollständig zu verwerten. "Wenn du Fleisch kaufst – vielleicht sogar das aus der Plastikverpackung im Supermarkt – dann darfst du auch Leder oder Kuhfell tragen!" Wichtig ist ihr, dass die Produktion unter fairen Bedingungen stattfindet und das Leder pflanzlich gegerbt wurde.

Das stellt sie auf ihren regelmäßigen Besuchen in Istanbul sicher. Alle vier Wochen besucht sie die Produktionsstätte und hat sich mittlerweile auch einen Freundeskreis in der Türkei aufgebaut. "Meine Mitarbeiterin ist im selben Alter wie ich und wir verstehen uns sehr gut. Da ging das ziemlich schnell." Ihr Appartement liegt natürlich im hippsten Viertel Istanbuls. Schließlich gibt es da die neuesten Trends.