Die Suche nach der Hebamme

Manuela Müller

Schon in einem Stadium der Schwangerschaft, in dem die Geburt noch relativ weit weg ist, sollte sich eine Schwangere nach einer Hebamme und einem Geburtsvorbereitungskurs umsehen.



All die klugen Ratgeber für Schwangere empfehlen, dass man sich etwa ab der 20. Schwangerschaftswoche zu einem Geburtsvorbereitungskurs anmelden soll. Denn wer spät dran ist, hat womöglich Pech und muss den Kurs bei einer Hebamme machen, die einem gar nicht passt, weil die anderen Kurse schon voll sind.


Also besuche ich etwas verspätet im Januar, im vollen Arbeitsstress eine Hebamme, die mir empfohlen wurde. Nennen wir sie mal Frau Meier. Zur Ausgangssituation solltest du, lieber Leser, bedenken, dass ich mich noch gerade daran gewöhne, dass mein Körper an Umfang zunimmt, dass ich nicht mehr so fit bin wie üblich und dass mein Hirn noch schwer daran zu arbeiten hat, sich das vorzustellen, dass wir bald zu dritt sind. Eine Woche vor dem Hebammentermin habe ich die ersten Bewegungen des Babys ganz leicht in meinem Bauch gespürt. Erst langsam wird das Ganze realer.

Frau Meier empfängt mich und stellt mir ein paar Fragen zum Verlauf der Schwangerschaft und zu meiner Person und der des Vaters. Dabei tätschelt sie mir ständig auf dem Knie herum, was ich ganz und gar nicht angebracht finde. Blöderweise komme ich auf die Idee, die Fachfrau zu fragen, wie lange es denn so üblich ist zu stillen.

Zwei Jahre empfiehlt mir die Hebamme, die mir schon jetzt recht suspekt wird. "Zwei Jahre??? Da haben die Kinder doch schon Zähne!", entfährt es mir ungläubig. Besänftigend erklärt mir Frau Meier, dass die süßen Kleinen ja nicht beißen, sondern nur saugen.... Ja, ja, da erinnere ich mich aber bei meinen kleinen Geschwistern an ganz andere Aussagen meiner Mutter.

Die Weltgesundheitsorganisation - das weiß ich heute - empfiehlt sechs Monate voll zu stillen. In meinem Freundeskreis schwankt die Stillzeit zwischen vier Monaten und einem Jahr. Meine Verwunderung über die zwei Jahre war also nicht ganz unangebracht.

Weil ich bei Frau Meier erwähne, dass ich ja außerdem keine zwei Jahre vom Job daheim bleiben kann, erzählt sie mir gleich vom Stillplan und rüstet mich mit Prospekten über Absaugpumpen aus. Außerdem spricht sie noch von Dammmassage und davon, dass mein Herzallerliebster am besten am kompletten Geburtsvorbereitungskurs teilnehmen sollte. Ich denke dabei nur daran, wie ungläubig der mich anschauen wird, wenn ich ihm davon erzähle, dass er beim Hüftenkreisen, Atmenüben und Brustvorbereiten dabei sein sollte.

Und zur Erinnerung: Es ist Januar und die Geburt meines Kindes ist in weiter Ferne. Noch ganze sechs Monate habe ich bis zum Geburtstermin. Da bin ich mit den Themen, die die Hebamme mir ans Herz legt, reichlich überfordert. Es mag ja Frauen geben, die vom ersten Tag ihrer Schwangerschaft an alles genau planen und wissen wollen. Ich gehöre definitiv nicht dazu. Und: Ich erwarte, dass eine Hebamme so viel Menschenkenntnis und Feingefühl hat, dass sie die unterschiedlichen Typen auch ganz grob erkennen kann.

Die Hebamme, bei der ich jetzt im Kurs bin, hat mir meine Frauenärztin mit den Worten "Die steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden!" empfohlen, nachdem ich meine Befürchtung geäußert hatte, dass wohl alle Hebammen recht esoterisch sind. Bisher bin ich mit meiner Wahl sehr zufrieden - aber davon und vom Geburtsvorbereitungskurs mehr in Kürze!