Die Studi-Theatergruppe Tapentenwechsel führt Arthur Schnitzlers "Der grüne Kakadu" auf

Lisa Göllert

Aus Spiel wird Ernst: Tapetenwechsel bringt den Vorabend der französischen Revolution auf die Bühne. Warum das Publikum am Ende seinen eigenen Sinnen nicht mehr trauen könnte, erzählt Regisseurin Katti Geighardt im Interview.

Katti, wenn Du nur drei Worte hättest, um das Stück "Der grüne Kakadu" zu beschreiben. Welche wären es?

Katti: Humorvoll. Erotisch. Revolutionär.

Um was geht’s genau?

Katti: Das Stück spielt am Vorabend der Französischen Revolution 1789 in Paris. Der grüne Kakadu ist eine Kneipe – in dem sich auch in dieser Nacht der französische Adel trifft. Für Nervenkitzel sorgen reisende Gaukler, auch Bouffons genannt.

Meist erzählen sie Kriminalgeschichten, prahlen von Gewalttaten, doch an diesem Abend kommt es anders. Sie spielen dem Adel vor, dass die Französische Revolution ausbreche – also ein Schauspiel im Spiel. Das Spannende und gleichzeitig Absurde geschieht: Fiktion wird Realität. Die Revolution bricht wirklich aus. Für den Adel beginnt ein Schreckensszenario, in dem die Grenze zwischen Wahrheit und Schauspiel immer mehr verschwimmt.

Als es dann noch zu einem Mordfall kommt, stellt sich jedem die Frage: Was wird gespielt und was ist real? Schließlich haben alle Angst ihre gesellschaftlichen Privilegien oder ihr Leben zu verlieren. Bei einigen löst das Spiel blanken Horror aus, andere glauben bis zur letzten Minute nicht daran, dass die Revolution wirklich stattfinde. Der Grüne Kakadu bietet also wirklich alles – von Komödie bis Tragödie.

Kannst Du noch einmal genauer erklären, wie sich das Publikum Bouffons auf der Bühne vorstellen kann?

Bouffon ist die französische Bezeichnung für Gaukler. Sie sind also eigentlich nichts anderes als groteske Clowns – mit viel schwarzem Humor. Als reisende Schauspieler sind Bouffons zur Zeit der französischen Revolution durch Frankreich gezogen und haben beispielsweise in Kneipen für Unterhaltung gesorgt.

Sie hatten kaum gesellschaftliches Ansehen und galten für den Adel eher als "Pöbel und Pack" genauso wie der Dritte Stand. Ihre Spielart ist sehr körperbetont und düster. Und um ehrlich zu sein, sind sie auch ziemlich hässlich bis grotesk. Durch Krankheit haben sie körperliche Deformationen und sind schäbig gekleidet.

Und natürlich nehmen die Bouffons in unserem Stück eine zentrale Rolle ein: Schließlich beginnen sie erst mit dem Verwirrspiel der Revolution. Ziel der Bouffons ist es, auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen. Also eine Form der Politsatire, die an Aktualität nichts eingebüßt hat.

Es gibt ja ganz schön viel Theaterkonkurrenz in Freiburg. Warum sollte man sich euer Stück ansehen?

Uns hat das Stück schon beim ersten Lesen fasziniert und ich hoffe, wir können diese Faszination auch auf unser Publikum übertragen. Der Grüne Kakadu hat nicht nur ziemlich viel Wortwitz, die Geschichte ist spannend und zugleich erschreckend.

Es lohnt sich, diese eher unbekannte Spielform der Bouffons kennenzulernen. Sie bringen erst das Anzügliche und auch das Derbe in die Geschichte. Nicht grundlos hat Schnitzlers Stück für viel Empörung im Publikum gesorgt.

Die Inszenierung geht nur knapp eine Stunde und das ist auch gut so. Denn die Geschichte nimmt so schnell an Fahrt auf, ein eindrückliches Bild folgt auf das nächste und die ganze Zeit stellt sich das Publikum die Frage: Kann ich meinen Sinnen überhaupt noch trauen? Was ist also real und was nur Schauspiel? Wir wollen Grenzen überschreiten und dem Publikum unseren Spaß am Spiel zeigen.
Wer: Studierendentheater "Tapetenwechsel"
Was: Arthur Schnitzlers "Der grüne Kakadu"
Wann: 21. und 22. April, 19.30 Uhr
Wo: Hörsaal Fahnenbergplatz
Eintritt: 6 Euro, 4 Euro ermäßigt

Karten sind in der Buchhandlung Ludwig oder an der Abendkasse erhältlich. Kartenvorreservierungen an: Tapetenwechsel.Reservierung@web.de.