"Die Strecke? Lohnt nicht!" Darf ein Taxifahrer einen Fahrgast einfach stehen lassen?

Corinna Mühlbeyer

Die letzte Bahn in Freiburg fährt gegen halb eins. Wer später nach Hause will, ist auf Fahrrad oder Taxi angewiesen. Eine 21-jährige Studentin, die in der Gastronomie arbeitet, hat fudder berichtet, dass mehrere Freiburger Taxifahrer ihr die Heimfahrt verweigert hätten. Die Begründung: Die Strecke von drei Kilometern sei zu kurz. Was die Freiburger Taxizentrale 55.55.55 dazu sagt und wie die rechtliche Lage aussieht:



Nadja P. (Name von fudder geändert) jobbt neben ihrem VWL-Studium in einer Kneipe in der Freiburger Innenstadt. „Ich arbeite bis spät in die Nacht und bin deshalb auf ein Taxi angewiesen. Um nach Hause zu laufen, bräuchte ich 30 Minuten“, sagt die 21-Jährige. Am 28. September 2013 gegen 3 Uhr hätten gleich mehrere Taxifahrer sich geweigert, die junge Frau von ihrem Arbeitsplatz nach Hause zu fahren. Die Studentin wohnt in der Eichstetterstraße in der Beurbarung. Die Entfernung von der Humboldtstraße dorthin: rund drei Kilometer.


"Einer schaute mich an, als wäre ich verrückt, tippte sich an die Stirn und fuhr einfach weiter", sagt Nadja P. über die Reaktion des Taxifahrers. Nach der Verweigerung eines zweiten Taxifahrers habe sie schließlich mitten in der Nacht ihr Freund abgeholt.

Laut Nadja P. war der Vorfall Ende September nicht ihr erstes Negativ-Erlebnis mit Freiburger Taxifahrern. „Es kam auch schon vor, dass ich beschimpft und als faul bezeichnet wurde“, sagt P. Dies sei zum Beispiel wenige Tage später in der Nacht vom 3. Oktober 2013 der Fall gewesen, als sie zusammen mit ihrem Freund Franco N. (Name von fudder geändert) vom Konzerthaus mit dem Taxi in die Eichstetterstraße fahren wollte. "Der Taxifahrer hat da die Fahrt mit der Begründung verweigert, dass sie sich für ihn nicht lohnen würde", sagt N. Die Strecke Konzerthaus - Eichstetterstraße ist rund zwei Kilometer lang.

Die gesetzliche Verpflichtung für Taxifahrer

Gesetzlich gilt für Taxi-Unternehmen in Deutschland die "Verordnung über den Betrieb von Kraftfahrunternehmen im Personenverkehr" (BOKraft). Nach §13 sind Taxifahrer grundsätzlich dazu verpflichtet, Personen zu befördern.

Ausnahmen von dieser Regelung gibt es aber auch:

„Taxifahrer [...] können die Beförderung ablehnen, wenn [...] die zu befördernde Person eine Gefahr für die Sicherheit und Ordnung des Betriebs oder für die Fahrgäste darstellt.“

Nadja P. sagt: "Ich war nüchtern und wollte nach der Arbeit einfach nur sicher nach Hause gefahren werden."

Das Unternehmen Taxi Freiburg 55.55.55 GmbH ist ein Gemeinschaftsunternehmen 29 regionaler Taxi-Unternehmen. Eine der beiden Taxen, die Nadja P. Ende September ablehnten, gehörten ihren Angaben nach zu diesem Unternehmen. Werner Weeck, Geschäftsführer von Taxi Freiburg 55.55.55, hält Nadja P.s Vorfall für "eine merkwürdige Geschichte".

„Ökonomisch gesehen ist die Strecke Humboldstraße - Eichstetterstraße eine ganz gewöhnliche und attraktive Fahrt, die nicht abgelehnt wird. Sollte diese Strecke einmal abgelehnt worden sein, ist das eine Skurrilität. Wenn so etwas angeblich mehrfach bei verschiedenen Personen vorgekommen ist, glaube ich das nicht“, sagt er. Dabei schließt Weeck nicht grundsätzlich aus, dass Taxifahrer schon einmal Fahrten ablehnen würden, etwa, wenn die Strecke nur wenige hundert Meter lang sei. „Das Ablehnen von Fahrten ist ein Ärgernis, aber 3-Kilometer-Fahrten sind davon sicher nicht betroffen“, sagt er. "Ebenso nicht Fahrten vom Konzerthaus in die Eichstetterstraße."

Gründe im Einzelfall Personen abzulehnen, würden die Taxifahrer im Rahmen der gesetzlichen Regelung selbst bestimmen. „Bedrohliche, stark verwahrloste und alkoholisierte Personen oder verschmutzte Hunde werden abgelehnt. Bei einer Beförderung dieser drei Gruppen ist das Taxi danach nicht mehr für andere Kunden zu nutzen“, sagt Werner Weeck.

Weeck weist darauf hin, dass es eine Erklärung für Nadja P.s Erzählung geben könnte. „Es kann schon mal vorkommen, dass ein Fahrer bereits unterwegs zu einem Kunden ist und dann jemanden an der Straße ablehnt."

Wird man von einem Taxifahrer wegen einer angeblich zu kurzen Strecke abgelehnt, rät Werner Weeck Kunden, sich an das entsprechende Unternehmen zu wenden. Mit Kennzeichen, Datum und Uhrzeit könne man schnell herausfinden, wer der Fahrer gewesen sei. In seinem Unternehmen sei es üblich, im Falle einer Beschwerde den Fahrer zu befragen und ihn bei Regelbruch zu ermahnen. „Wenn ein Fahrer dies notorisch tut, wird er nicht mehr beschäftigt“, sagt Weeck.

Nadja P.s Freund Franco N. möchte nun gegen das Fehlverhalten der Taxifahrer aktiv werden. „Ich werde einen schriftlichen Bericht an das Amt für öffentliche Ordnung schicken", sagt er. Eingehende Beschwerden werden vom Amt für öffentliche Ordnung überprüft und das Taxi-Unternehmen damit konfrontiert. In gravierenden Fällen kann auch ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet werden. Das ist nach Angaben der Stadt bisher allerdings noch nie vorgekommen.

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