Die Stille nach der Predigt

Jan Wittenbrink

Ins Freiburger Dreisamstadion passen 24.000 Menschen. Die Menschenmenge, die heute in Freiburg mit Papst Benedikt die Heilige Messe gefeiert hat, hätte vier Dreisamstadien füllen können. Fast 100.000 Gläubige hatten sich auf den Weg zum Flugplatz gemacht. Jan war für fudder bei der Massen-Messe dabei. Welcher Moment ihn am meisten beeindruckt hat:



11 Uhr, Flugplatz. So still können 100.000 Menschen sein. Sie sitzen auf Holzbänken, lehnen an Absperrgittern, Kinder, Jugendliche, Senioren. Niemand sagt ein Wort. Selbst das Klicken des Fotoapparates wäre jetzt zu viel, man schweigt und denkt nach. Über die Worte des Papstes, der soeben seine Predigt beendet hat.

Es ist eine gigantisch große Veranstaltung, die größte, die es in Freiburg je gab, und doch ist alles anders als bei anderen Großveranstaltungen. Friedlicher, gesitteter, festlicher. Zwei Stunden vor Beginn der Messe zieht der Besucherstrom vom Bahnhof zum Flugplatz. Viele haben die Festtagsgarderobe aus dem Schrank geholt, aus einem Lautsprecher am Bahnhof tönt sakrale Musik.

Am Gelände angekommen, wird die Dimension des Ereignisses deutlich. Lange Schlangen vor den Toiletten, Papstmerchandise. Helfer teilen die Menschen in die verschiedenen Sektoren ein, die Sonne steigt langsam höher, Picknick-Atmosphäre macht sich breit. Im Hintergrund läuft der Song zum Papstbesuch: "Wo Gott ist, da ist Zukunft". Viele reservieren sich ihren Platz auf einer der Bänke mit einer Decke und machen sich auf den Weg zur Absperrung: Hier soll der Papst vorbeifahren, gerade ist es angekündigt worden.

Auf der Videoleinwand ist er schon zu sehen, am Absperrgitter wird gerätselt, wie weit er noch entfernt ist. Dann ein langgezogenes "Oooh!". Die Leinwand überträgt, wie ein Baby ins Papamobil gereicht wird, Benedikt segnet es, und dann biegt er auch schon um die Ecke. Jubel bricht los.



Der Papst betritt die imposante weiße Bühne, die im strahlenden Sonnenschein wirklich ein wenig wie das Tor zum Himmel wirkt, die Stimmung wird nun bedächtig. Die Musik unterstreicht die festliche Atmosphäre, irgendwie ist es auch ein großes Sonntagmorgen-Klassikkonzert. Zwei junge Frauen folgen dem etwas brüchigen Singsang des Papstes im Gras liegend. Gehörlose Teilnehmer sitzen in einem speziellen Bereich, für sie wird jedes Wort von einer Gebärdendolmetscherin übersetzt. Eines der häufigsten Wörter: Hallelujah. Das geht so: Arme in die Luft und hin und her schwenken.

Die Predigt ist beendet, zögerlicher Applaus kommt auf, eigentlich war dazu aufgerufen worden, während des Gottesdienstes nicht zu klatschen. Dann der Aufruf, vor der Fortsetzung der Messe ein paar Augenblicke in Ruhe über die Worte Benedikts nachzudenken. Was folgt, ist Stille. Hunderttausendfach.



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[Foto 1 & 3: Janos Ruf, Foto 2: dpa]

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