Die Stadtfotografin

Anezka Albrechtova

Nein, eine Freiburgerin ist Astis Krause nicht: die 29 Jahre alte Fotografie-Studentin lebt in Hannover. Mit Blick von außen war sie im Auftrag der Freiburger Bürgerstiftung im Frühjahr als Stadtfotografin unterwegs und fotografierte das Arbeitsleben der Freiburger. Jetzt kann man ihre Fotos im Wentzingerhaus anschauen. Zusammen mit fudder-Mitarbeiterin Anezka ist Astis Krause durch ihre Ausstellung gelaufen. Sie erzählt von ihrer Art zu fotografieren und dem ungewöhnlichen Job als Stadtfotografin.



"Dieses Bild mag ich eigentlich am liebsten", sagt Astis Krause. "Es ist emotionaler, irgendwie näher dran und das Menschliche kommt stark zum Ausdruck.“ Die Fotografin steht vor ihrem Porträt der Schusterin Maria Beate Schend. Nah dran, das sind eigentlich alle Bilder ihrer Ausstellung "Arbeiten in Freiburg"; Momentaufnahmen aus dem Berufsalltag von Freiburgern.




Astis Krause porträtiert Menschen auf eine Art und Weise, die viel über ihren Charakter und den Bezug zu ihrer Arbeit aussagt. Die Fotos von Maria Beate Schend und 22 weiteren Freibugern sind somit viel mehr als eine reine Dokumentation der Freiburger Berufswelt; bei einigen Bildern bekommt man nach längerem Betrachten sogar den Eindruck, als würde man die Menschen schon persönlich kennen. Die Bilder sind authentisch – „Manchmal habe ich etwas gesagt wie "Das war eine gute  Aktion, können sie das noch mal machen?, aber inszeniert ist nichts", erklärt Astis.

Die Motive für ihr Projekt hat sich die Fotografin selbst ausgesucht. „Es was überhaupt auch meine Idee, so viele verschiedene Menschen zu fotografieren. Nachdem ich von der Bürgerstiftung angesprochen wurde, habe ich mich mit diesem Konzept beworben. Daran habe ich dann während meiner Arbeit auch einige Male gezweifelt“, sagt sie. Und lacht.



Astis Idee war es, einen Querschnitt der Stadt darzustellen. "Mit all dem was in eine Stadt gehört: Pflege, Handwerk, Medizin.“ So hat sie mit ihrer Kamera zum Beispiel den Alltag in der Freiburger Uni-Klinik und im Altenheim begleitet. Aber auch die Besonderheiten Freiburgs hat sie auf ihren Bildern eingefangen: „Ich wollte unbedingt was mit Solar- oder Windenergie dabeihaben“. Auch die Gastronomie ist vertreten: „Essen und Trinken ist hier in der Gegend ja auch ein zentrales Thema", sagt sie.

Ursprünglich war das Projekt auf sechs Wochen ausgelegt. „Aber das, was ich mir vorgenommen hatte, war dann zuviel für die kurze Zeit“, sagt sie. Also verlängerte Astis ihren Aufenthalt in Freiburg kurzerhand auf zwei Monate. Und sie scheint Freiburg während ihrer Zeit hier liebgewonnen zu haben. Die Bürgerstiftung hatte ihr für das Projekt – typisch Freiburg! – ein Fahrrad zur Verfügung gestellt, so dass die Fotografin bei Wind und Wetter auf Abwegen und Umwegen unterwegs war.

„Einerseits war es natürlich nervig, wenn es geregnet hat. Wenn ich dann einen Termin hatte, war ich klatschnass, wenn ich da ankam, aber andererseits lernt man eine Stadt so auf eine besondere Art und Weise kennen.“



Das war bei Astis wohl ohnehin der Fall – denn welcher Besucher verirrt sich schon in den Waldkindergarten im Rieselfeld oder zur Schuster-Werkstatt im Milchhäusle am alten Wiehre-Bahnhof?

Dabei gibt es gerade abseits des Tumultes oft am meisten zu sehen, wie Astis' Bilder beweisen. „Gerade wenn man zum Studieren in eine neue Stadt kommt, legt man meistens jeden Tag die gleiche Strecke zurück, zumindest am Anfang. Bei mir war das von Anfang an immer unterschiedlich. Das ist für mich das, was diesen Beruf ausmacht: Dass man überall reinriechen und neugierig sein kann.“

Dass sie Fotografin werden wollte, war für die jetzt 29-jährige eigentlich schon vor dem Abi klar. Deshalb absolvierte sie auch gleich mehrere Praktika und machte dann eine Berufsausbildung. Auf die Frage, weshalb sie sich nach jahrelanger Praxis doch noch einmal für ein Studium entschieden habe, antwortet sie: „Das mit dem Studium war eigentlich auch von Anfang an klar. Ich wollte nur erst das Handwerk lernen und die technischen Grundlagen, deshalb habe ich die Ausbildung gemacht.“



Eine Zeitlang war Astis auch selbstständig als Porträtfotografin tätig, aber am meisten Spaß macht ihr das nicht inszenierte Fotografieren und die Arbeit im Austausch mit anderen. Genau diese Aspekte konnte sie bei ihrem Freiburger Projekt umsetzen.

Astis, die unter anderem fünf Jahre in Berlin gelebt hat, war vor allem von der schönen Umgebung Freiburgs angetan. Da ihr während ihres Projektes wenig Zeit für andere Dinge als das Fotografieren blieb, hat sie ihrem Besuch zur Ausstellungseröffnung am vergangene Wochenende noch schnell genutzt, um auf den Freiburger Hausberg zu wandern.

Nur auf den Münsterturm hat es Astis trotzdem noch nicht geschafft. Vielleicht klappt das ja das nächste Mal, wenn sie kommt, um uns Freiburgern wieder neue Seiten unserer Stadt zu zeigen, die wir noch nicht kennen.



Mehr dazu:

Web: Freiburger Bürgerstiftung

Was:
Astis Krause – Arbeiten in Freiburg
Wann:
bis zum 9. November, täglich von 10–17 Uhr
Wo: Wentzingerhaus am Münsterplatz (Münsterplatz 30)

Die Ausstellung wird außerdem vom 13. bis 15. November 2008 im Rahmen der Messe Marktplatz: Arbeit Südbaden zu sehen sein. Außerdem sind im Karstadt im Dachgeschoss noch bis zum 18. November die Bilder der ersten Freiburger Stadtfotografin Silke Goes ausgestellt. Sie hat Freiburger in ihren Küchen und Wohnzimmern fotografiert.