Die spinnen, die Katholen

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, wie der ehemalige Bischof Konrad von Konstanz zu seiner Heiligsprechung kam? Der Welf, der im 10 Jahrhundert über 40 Jahre auf dem Bischofsstuhl von Konstanz saß, ließ nicht nur das dortige Münster erbauen, sondern besorgte in Rom und Jerusalem auch diverse Reliquien für seine Residenzstadt.

Solche alte Knochen von Heiligen oder ebenso vermeintlich echte Andenken aus dem Leben Jesu waren im Europa des Mittelalters wahre Touristenmagneten. Nur nannte man die Touristen damals Pilger. So wurde unter Konrad die Stadt am Bodensee zu einer sehr wichtigen und auch einträglichen Station am Jakobsweg nach Santiago de Compostella.


Schon bald nach dem Tod Konrads begann in Konstanz eine Verehrung durch die  örtliche Bevölkerung. Doch erst 150 Jahre später regte sein Nachfolger Ulrich I. die Heiligsprechung seines wirkungsvollen Vorgängers an. Zweifellos hatte er sich für sie katholische Kirche und das Bistum Konstanz verdient gemacht, doch brauchte es schon damals überzeugender Wunder oder Heilungen, um einem Toten den Heiligenstatus zuerkennen zu können. Also wurde ein Mönch beauftragt, die Vita Konradi zu schreiben, die solche Wunder beinhalten sollte.

Eines davon war eine Begebenheit aus einem Gottesdienst: Bei der Wandlung war von der Kirchendecke eine giftige Kreuzspinne in den Weinkelch gefallen, der nach katholischer Definition das Blut Christi enthielt. Da die Spinne also mitgeweiht wurde, nahm Konrad todesmutig den Kelch und trank den Wein bzw. das Blut samt Spinne aus. Und, oh Wunder, er überlebte! Natürlich wurden Konrad noch mehr Wunderheilungen und -errettungen nachgewiesen, was ihm 1123 zwei neue Buchstaben vor dem Namen einbrachte. Doch bis heute wird St. Konrad mit einem Kelch und meist auch einer Kreuzspinne dargestellt.