Die Southside-Bilanz

Carolin Buchheim

"Und am Montag danach ist klar: nächste Jahr wieder" heißt es pathetisch im Southside-Festival-Planer-Heft. Ist das so? Caro zieht die Southside-Bilanz.



3 Tage Flugplatz Neuhausen ob Eck

+ 50.000 Besucher (Dresscode: Sonnenbrille mit farbigen Rahmen, Edding-Kritzeleien auf Armen und Beinen, Band-T-Shirt (Beatsteaks, Foo Fighters, Southside) mindestens ein goldrot gebranntes Körperteil, dünner Schal um die Schultern zu bedecken, Tetrapak-Tasche)

+ durchgehend gefühlte 35° C

- schlappmachender Lichtschutzfaktor 35

+ 2 Bühnen

+ rund 1.000 Arbeiter und Helfer hinter der Bühne (Danke, liebe Johanniter!)

+ 500 durchweg nette Security-Menschen

+ 4 x 40.000 Watt Lautsprecherleistung (mit – für ein Festival – wirklich gutem Sound)

+ 450 Dixie-Klos (mehr als im vergangenen Jahr, aber trotzdem rund 110 Leute pro Klo)

- 10.000ende Zaun-Pisser an den rund 10 km Bauzäunen

+ lediglich 2 Körperverletzungsdelikte auf dem Gelände (schönes Argument für den akj eigentlich, was den Zusammenhang von Alkohol und Gewalt angeht. Vielleicht liegt es ja an der schlechten Musik im Bermudadreieck?)

+ 1 süßer Rhythmusstab bei Bat for Lashes

+ 1 Profi-Rotzer (Unsere Frage an Beatsteaks-Thorsten: Kühlt Rotze eigentlich in der Zeit zwischen In-die-Luft-spucken und dem Mit-dem Mund-wieder-auffangen bemerkenswert ab?)

- 1 leider nur halb gespieltes Cover der Beatsteaks von Run DMC’s "It's tricky“

- 1 Mal fehlende Zeitmanagement-Skills von Beatsteaks & Jan Delay (das mit dem Grüße-Rufen hat leider nicht funktioniert) + mehr als 1.000 gesammelte Pfandbecher für Viva con agua

- mehr als 1.000 gesammelte Pfandbecher, das sind nur ein Fünftel der Menge beim Schwestern-Festival Hurricane und überhaupt, bei 50.000 Leuten viel zu wenig

+ die wunderschönen Müll-Windhosen über dem Zeltplatz am Samstag (hat jemand ein Video gemacht?)

+ 1 sausexy Eis-am-Körper-Reibe-Aktion von Billy-Talent-Sänger Benjamin Kowalewicz + überhaupt, Eis, jede Menge Eis bei dem Wetter

- Null Eis mehr, für einige Stunden am Sonntagmittag

+ 1 Mal Thom Yorke mit unzugänglichem, herrlich verschrobenem Kopfschüttel-Falsett

+ 1 unzerstörbare Tolle auf dem Kopf von Billy-Talent-Gitarrist Ian D’Sa

+ 1 Flaggenmütze auf dem Kopf des British Sea Power-Gitarristen

+ 1 geklauter fudder-Fisch auf dem Zeltplatz

+ 1 auf drängendes Kreischen zweier Mädchen von Tocotronic-Gitarrist Jan Müller ins Publikum geworfene Flasche Wasser (sehr cool auf ziemlich uncoole „Jan, ich will ein Kind von Dir!“, „Jan, Du geile Sau“ und „Jan, gib uns Wasser“-Rufe so freundlich zu reagieren) + 2 Wasserschläuche zum die Menge Nassmachen

+ 1 Stunde entspanntes Rumhängen bei Calexico

+ 1 Kissenschlacht, 1 Schlauchboot, 1 Trampolin und 1 Aufblas-Palme bei Deichkind, deren Abgeh-Show mittlerweile beinahe so perfekt wie die von Scooter ist

+ bis zu 3 über dem Festival kreisende Rotmilane

+ ein halbes Dutzend Paraglider

- 4 Piercings im Gesicht von Jennifer Rostock (Nicht, dass man da so oft hinguckt, wenn sie Shorts anhat, die an ihrem Körper weniger Platz wegnehmen als ihr Gürtel)

+ 1 supercooler, weil textsicherer Bühnengast bei Turbostaat (und überhaupt, Turbostaat, wenn das so weitergeht, werden sie die nächsten Beatsteaks)

+ 5 toll rockende, super sympathische Jungs von Foals („It took us three days to get here, we’re so glad you came to see us!“)

+ 1 Paar schönste Turnschuhe des Festivals an den Füßen von Jaguar Love -Frontman Johnny Whitney (Jaguar Love: Eine Band, die man sich merken sollte)

+ 1 stuntreifer Sturz der Johnny Foreigner-Bassistin (nächstes Jahr gibt es diese Band sicher auf einer größeren Bühne)

+ 1 Mal Crowd-Kuscheln der Kaiser Chiefs

+ geschätzte 10 Mal die Ermahnung „Wir sind doch nicht DJ Ötzi!“ durch die Herren Kettcar

+ 1 fast komplett tanzender Flugplatz bei Madsen

+ 1 wie immer toller „Mathelehrer from Hell“-Auftritt von Maximo Parks Paul Smith

+ 2 beste Witze von NOFX „Wir kommen jetzt seit 1988 nach Deutschland. Ihr Deutschen mögt einfach jüdische Punk-Bands“ und „Hey, Du da! Du da am Bungee-Seil! Du bist ein Arschloch! Du bist so dumm, das zu machen!“

+ ungezählte grüne NOFX-Augen-T-Shirts

+ 1 Mal Mädchen-Hysterie bei Operator Please

+ 3 tolle Sonnenuntergänge

+ 1 toller Bühnenaufbau aus Leuchtstäben bei Radiohead

+ 1 Mal Dauerhüpfen mit dem Bucovina-Club

- 1 Mal völlig ungewohnt ziemlich gelangweilte Blackmail

+ 1 allerbeste Stunde Hüpfen mit den Wombats (die auch das netteste Band-T-Shirt hatten, einen Wombat mit bunter Hipster-Plastik-Sonnenbrille)

+ 1 Mal Shy Guy at the Show, die sich weder von der frühen Stunde, noch von der großen Bühne unterkriegen ließen und ein tolles Set spielten

+ 1 ½ Stunden Tränen aus den Augen wischen bei Sigur Rós

+ 4 tolle Samtanzüge der Herren der (International) Noise Conspiracy

+ 2 Chemical Brothers mit wahnsinnigen Visuals

+ 3 Nächte in der Zeltplatz-Disko (eigentlich ein riesengroßes El.Pi)

+ Dutzende glücklich mitgröhlende Jungs bei The Enemy

+ mindestens ein halbes Dutzend ganz alter Songs im Notwist-Set

= ein tolles Southside. Und ja: Nächstes Jahr wieder.

Mehr dazu:


fudder-Southside 2008-Coverage


Foto-Galerie: Carolin Buchheim

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