Die Sneak-Preview mit Anspruch

Christian Beller

Jeden zweiten Mittwoch versammeln sich Hunderte Filmfans vor dem Friedrichsbau-Kino in der Kaiser-Joseph-Straße, um Karten für Pay After zu ergattern: 270 Tickets sind zu vergeben und die sind meist schnell vergriffen, denn zum einen werden bei Pay After noch nie gezeigte, ausgewählte Filme vorgeführt, zum anderen entscheidet der Kinobesucher nach dem Film selbst über den Eintrittspreis. Christian berichtet über die Sneak-Preview Veranstaltung der anderen Art.



Als Gegengewicht zu den Sneak-Previews der Multiplexkinos, in denen größtenteils Hollywood-Mittelmaß die Leinwand regiert, wollte „Pay After“-Gründer und Friedrichsbauchef Michael Wiedemann 2001 eine „Preview mit Anspruch“ ins Leben rufen.


Angeregt durch einen Besuch im Museum of Modern Art in New York, bei dem man ebenfalls am Ende bezahlt hat, wurde das Konzept des „Pay After“ entwickelt und sieht nach einigen Änderungen inzwischen folgendermaßen aus: Alle zwei Wochen findet mittwochs um 22 Uhr im Friedrichsbau eine Vorpremiere statt.  Die Kinokasse öffnet um 21.30 Uhr, davor gibt es keine Tickets und auch keine Reservierungen mehr. Pro Person dürfen maximal zwei Karten inklusive Filmbewertungszettel abgeholt werden. Bezahlt wird nach dem Kinobesuch, und zwar je nachdem, wie gut einem der Film gefallen hat. Außerdem gibt es vor Filmbeginn eine kleine Einführung, bei der vor allem darauf eingegangen wird, wie gut der Film zwei Wochen zuvor abgeschnitten hat.

Die Filme werden mit Schulnoten bewertet, man soll angeben, was gefallen und was nicht gefallen hat, wie viel man dafür bezahlen will und ob man den Film noch einmal anschauen oder weiterempfehlen würde. Zudem werden Alter und Geschlecht erfasst. Das Ergebnis der ausgewerteten Fragebögen wird nicht nur beim folgenden „Pay After“ präsentiert, sondern auch an den entsprechenden Filmverleih weitergegeben.



Während die Besucher in den Anfangstagen des Pay After entsprechend der Bewertung bis zu 11 DM im Durchschnitt bezahlt haben, sind die Eintrittsgelder in den letzten Jahren leider deutlich gesunken und es werden Maximalwerte von gerade mal 3 € erreicht, obwohl man in vielen Kinos inzwischen bis zu 8 € für eine Vorstellung hinblättern muss; Oft werden beim Pay After durchschnittlich nicht einmal 2 € bezahlt.

Eine Erklärung dafür könnte die zunehmende Anzahl an Besuchern sein, die trotz vergebenen Bestnoten nur sehr wenig in die Kasse legen. Ebenfalls gesunken ist das Durchschnittsalter des Publikums: Viele Schüler oder Studenten nutzen das Angebot anscheinend nur um möglichst billig ins Kino zu kommen, wodurch das Pay After in diesem Frühjahr auch kurzzeitig vor dem Aus stand.

Gleich geblieben ist aber die hohe Qualität der Filme: Alle Filme werden im Vorfeld von den Kinobetreibern gesichtet und ausgesucht. So hatte man in der Vergangenheit die Gelegenheit, großartige Werke wie „City of God“, „21 Gramm“ oder „Pan’s Labyrinth“ lange vor dem Deutschlandstart im Kino zu sehen. Das Programm reicht von Dokumentationen wie „Bowling For Columbine“ oder „Full Metal Village“ über Publikumslieblinge wie „Whale Rider“ und „Little Miss Sunshine“ bis hin zu umstrittenen Werken wie jüngst „Schwarze Schafe“.

Dass gefällige Komödien und Gute-Laune-Filme wie „Saint Jaques“ beim Publikum immer besser abschneiden als anspruchsvollere Werke wie zum Beispiel Gus van Sants „Elephant“, ist zwar schade, aber nicht weiter verwunderlich und deshalb gehören auch „Ein Freund von mir“, „Emmas Glück“ oder „Der Schmetterling“ zu den am besten bewerteten Filmen der letzten Jahre.

Aber auch der lakonisch schwarze Humor von „Nói Albinói“, Salma Hayeks schauspielerische Leistung als „Frida“ oder die von Daniel Brühl in „Nichts bereuen“ kamen so gut beim Publikum an, dass sie mit sehr guten Noten beurteilt wurden.

Es bleibt zu hoffen, dass das Pay After-Konzept weiterhin erfolgreich ist und dem Freiburger Kinopublikum noch viele interessante Kinostunden beschert.



Mehr dazu:



Was:
Pay After
Wann: jeden zweiten Mittwoch, 22 Uhr; nächster Termin: 12. September 2007
Wo: Friedrichsbau