Die Sex Jams aus Wien spielen am Donnerstag im Slow Club

Bernhard Amelung

Post Grunge oder Post Punk: Die österreichische Band Sex Jams steht für rohe, schmutzige Gitarrenmusik in bester DIY-Manier. Mit den Songs ihres aktuellen Albums "Catch" tritt das Quintett aus Wien am Donnerstag im Slow Club auf.

Auf Konfrontationskurs zu den Werten der Elterngeneration gehen. Das bestehende politische System ablehnen. Fuck Society. Sowieso. Was die Punk-Bewegung der Siebzigerjahre mit der Grunge-Bewegung der Neunzigerjahre verbindet, ist dieses Aufbegehren gegen eine Mainstream-Gesellschaft und einen kapitalistischen Kommerzialismus. Anarchie und "Do it yourself" als höchstes Gut.


Die Musik dieser Bewegungen sollte ein Gegenentwurf zum Pop in all seinen Erscheinungsformen sein. Songs von Bands wie den Sex Pistols oder den Dead Kennedys, den einstigen Grenzgängern, sind heute jedoch selbst Teil des Popkonsens. Provokation und Subversion sind bisweilen nur noch Bühnenaccessoire. Die Anti-Establishment-Attitüde gehört zu jeder Großstadtlyrik.

In Abhängigkeit dieser Parameter bewegt sich auch die österreichische Band Sex Jams, die am Donnerstag mit den Songs ihres aktuellen Albums "Catch" nach Freiburg kommt. Sex Jams, das sind in der Anfangsbesetzung von 2008 Peter T. (Bass), Katarina Trenk (Gesang), Lukas Bauer (Gitarre) und Rudi Braitenhaller (Schlagzeug). Seit 2011 gehört auch Wolfgang Möstl zur Formation. Als "No Rock" beschreibt das Quintett seinen Standort in der Genrelandschaft. Ablehnen und verweigern auch hier. Jede nachfolgende Einordnung ist wahrscheinlich eine Fehlanalyse.

"Catch", das dritte Album, ist keine Protestplatte im herkömmlichen Sinn. Die Band führt keinen Windmühlenkampf gegen "die da oben" oder "den Kapitalismus". Das wäre auch viel zu platt. Vielmehr beziehen sie in ihren Texten Stellung gegen das kleinbürgerliche Stammtisch-Idyll, mithin den Biedermann-Nachbarn von Nebenan. Sie konfrontieren ihre Hörer mit aktuellen Themen wie Homophobie und Sexismus, Rechtspopulismus und Rassismus. So zum Beispiel im Song "Zehn Schilling".

Potenzial zum radiotauglichen Post Grunge-Post Punk-Evergreen hat auf "Catch" allerhöchstens der Song "Goldie". Sonst aber klingt das Album - gerade auch im Vergleich zum gefälligeren Longplayer "Trouble, Honey" von 2013 zu roh. Katarina Trenk singt zu schroff und direkt, der Bass brummt zu dreckig, das Drumming ist zu krachig. Und live klingen Sex Jams eh zu laut, wenn man den Aussagen ihrer Fans Glauben schenken kann. Also gerade richtig für kleine, dunkle Spielstätten wie den Freiburger Slow Club.

Sex Jams - Sweet Advice

Quelle: YouTube


Sex Jams - WD Kharma

Quelle: YouTube


Mehr dazu:

Was: Konzert w/ Sex Jams
Wann: Donnerstag, 10. März 2016, 21 Uhr
Wo: Slow Club
[Foto: Sex Jams / Promo]