Interview

Die Schwarzwald-Kettensägen-Oper: Kein Blut, nur rote Farbe

Sédric Curic

"The Black Forest Chainsaw Opera" ist düster, laut und blutig. Wer die Arbeiten der Künstlergruppe Abattoir Fermé kennt, weiß, dass hier Theater für alle Sinne entsteht.

Sédric Curic traf Stef Lernous, der das Stück für das Theater Freiburg inszeniert.

Sie kommen aus Belgien und inszenieren die "Black Forest Chainsaw Opera" am Theater Freiburg. Was verbinden Sie mit der Stadt und dem Schwarzwald?

Lernous: Peter Carp, damals noch Intendant des Oberhausener Theaters, fragte mich, ob ich mir vorstellen könne, auch in Freiburg zu spielen. Natürlich! Als Kind bin ich mit der Familie oft nach Süddeutschland gefahren. Es hieß immer: "Wir fahren in den Schwarzwald". Dabei haben meine Eltern Uhren und Zigaretten gekauft, den Schwarzwald habe ich nur aus der Ferne gesehen. Er war immer die Vorstellung des ursprünglichsten dunklen Waldes: wo sich Märchen abspielen und das Okkulte im Dickicht lauert.


Mit Abattoir Fermé haben Sie bereits viele Stücke inszeniert. Wo liegt der Unterschied zwischen der Arbeit mit einer freien Schauspielgruppe und am Theater?

Lernous: Das Grundensemble von Abattoir Fermé besteht aus nur sieben Personen. Dadurch bin ich flexibel. Das geht hier am Theater nicht, da Regeln und Termine strikt eingehalten werden müssen, damit der Ablauf nicht gestört wird. Das ist eine Herausforderung für mich.

Musik spielte in Ihren früheren Inszenierungen eine wichtige Rolle. Hier auch?

Lernous: Absolut! Die "Black Forest Chainsaw Opera" ist ein Stück, das vollkommen ohne Text auskommt. Nur Lieder, Musik und Geräusche. Die Sänger bringen ihre Lieder selbst mit ein. Jef De Smet mischt die akustischen mit den elektronischen Geräuschen und ist maßgeblich für die Musik zuständig. Die Musik und die Szenerie zusammen bilden eine Komposition, die den Zuschauer in eine magische Welt entführen soll.

Ihre Werke sind modern und progressiv. Können Sie auch klassische Opern aufführen?

Lernous: Ja! Aber auf meine Art. Ich habe Wagners "Tristan und Isolde" inszeniert. Damit wollte ich vor allem dem jüngeren Publikum zeigen, dass eine fünfstündige Oper nicht langweilig sein muss. Ich denke, dass ich das geschafft habe. Die Wagner-Enthusiasten habe ich vor den Kopf gestoßen. Denen hat meine Inszenierung mit Sicherheit nicht gefallen (lacht).

Damit kommen wir zum Kern ihrer Inszenierung: Blut, Mord und Totschlag sind wiederkehrende Elemente. Warum?

Lernous: Ich liebe Horrorfilme und Musicals. Der Regisseur Jean-Luc Godard hat gesagt: "Das ist kein Blut, das ist nur rote Farbe". Alles, was ich zeige, ist Illusion. Diese Elemente ziehen den Zuschauer aus der realen in eine okkulte und damit magische Welt – das Reale soll vergessen werden. Ich benutze niemals nur Horroreffekte. Ich schmücke den Horror aus: mit Trauer und Humor. Zum ersten Mal werde ich trashige Elemente verwenden: etwa einen amputierter Arm, der billig aussieht und offensichtlich kein echter Arm ist. Daraus entwickelt sich etwas Traumähnliches. Wie eine Blume, die auf einem Kothaufen wächst.

Ihre Zuschauer sind überwiegend jung. Orientieren Sie sich an diesem Publikum?

Lernous: Mein Theater lebt vom Audiovisuellen. Es ist intelligent, aber nicht intellektuell. Ich möchte nicht, dass der Zuschauer Szenen interpretieren und analysieren muss. Das gehört nicht ins Theater und kommt beim jüngeren Publikum gut an. Ich hoffe, dass es vom Wort "Oper" im Titel nicht verschreckt wird.

Erzählen Sie etwas zur Handlung ihres Stücks.

Lernous: Kurz und knapp: Es geht um eine Gruppe von Menschen, denen der Schwarzwald etwas antut. Mehr möchte ich nicht verraten.
Exklusiver Besuch der Generalprobe: Mitglieder von fudders Club der Freunde können am Donnerstag, 3.Mai, mit zwei Begleitpersonen kostenlos die Generalprobe des Stücks "The Black Forest Chainsaw Opera" besuchen (Infos). Anschließend wird es einen Talk mit dem Produktionsteam im Theater Freiburg geben. Jetzt Mitglied werden bei fudder!

Was: Termine: "The Black Forest Chainsaw Opera"
Wann: Premiere: Sa, 5. Mai, 19.30 Uhr.
Wo: Freiburg, Theater, Großes Haus,

Info: theater.freiburg.de