Die Root Factory unterstützt Geflüchtete dabei, ihr eigenes Unternehmen zu gründen

Gina Kutkat

Ein syrisches Restaurant eröffnen, Haushaltswaren verkaufen oder Filme produzieren: Das Förderprogramm Root Factory aus Freiburg hilft Geflüchteten auf dem Weg in die Selbstständigkeit.

Endlich ankommen. Seinen Weg finden. Wurzeln schlagen. Am regionalen Arbeitsmarkt teilnehmen. Das ist ein Wunsch, den viele geflüchtete Menschen in Deutschland teilen. Um sie bei diesem Ziel zu unterstützen und der Integration ein Stückchen näher zu kommen, hat der Grünhof Freiburg im August 2016 das Programm Root Factory entwickelt. Es handelt sich dabei um das erste Förderprogramm Baden-Württembergs, das Menschen mit Fluchterfahrung dabei hilft, erfolgreiche Unternehmen zu gründen.


"Wenn alles ideal läuft, stehen am Ende des Programms zehn Teams da, die eine ausgefeilte Gründungsidee ausgearbeitet haben und eventuell schon eine Zusage für eine Finanzierung, mit der sie in die nächste praktische Phase übergehen können", sagt Sophia Maier, Projektleiterin der Root Factory. Gemeinsam mit Jonathan Niessen aus dem Grünhof-Team kümmert sich die studierte Islamwissenschaftlerin in den kommenden neun Monaten um die Gründerteams, die es in das Programm geschafft haben.

Die meisten Ideen kommen aus dem Gastro-Bereich

22 Bewerbungen sind im Grünhof eingetroffen, zwölf Vorschläge stammen von Geflüchteten, die in Freiburg leben. Am 18. August wird eine Jury darüber entscheiden, welche zehn Ideen ein Stipendium bekommen. "Die meisten Geschäftsvorhaben kommen aus dem Gastro-Bereich", sagt Sophia Maier. Die Beobachtung deckt sich mit der Statistik für MigrantInnenunternehmen in Deutschland, die einen Schwerpunkt in den Bereichen Handel und Gastronomie bei Gründungen von Geflüchteten sieht. So möchte eine Familie ein Falafel-Restaurant eröffnen, drei junge Syrer planen, 3- und-4D-Filme in zerstörten syrischen Städten zu drehen und einem Bewerber schwebt ein günstiger Haushaltswarenladen vor. Ein Kriterium bei der Auswahl wird sein, ob die Startups das Potential haben, die Region um Freiburg zu stärken.

"Es geht dann darum, an den Ideen zu feilen und das Geschäftsmodell so auszuarbeiten, dass man es potentiellen Geldgebern vorlegen kann", so Maier. Denn eine der größten Hürden, die Geflüchtete auf dem Weg in die Selbstständigkeit haben, ist die Finanzierung. Weil bei Geflüchteten die Möglichkeit besteht, dass sie in ihre Heimat zurückgehen, ist es schwierig, an langfristige Kredite zu kommen. "Sie sind ein wackliges Klientel", so Maier. Auch sprachliche Defizite und eine fehlende Marktkenntnis erschweren eine Gründung. Der Grünhof will deshalb versuchen, einen Mikroförderfonds für die Anschubfinanzierung der Root-Factory-Stipentiaten aufzubauen.

Unterschiedliche Bedürfnisse sind Herausforderung

Was die Projektkoordinatoren vor eine Herausforderung stellt, sind die unterschiedlichen Bedürfnisse der Bewerber: Einige bringen meist langjährige Berufserfahrungen mit und waren in ihrer Heimat bereits selbstständig, andere stehen noch ganz am Anfang. "Die meisten Bewerber kommen aus Syrien", sagt Sophia Maier. Sie treten meist in Teams an: "Wir haben viele Ehepartner dabei, die Altersspanne reicht von 24 bis 47 Jahre."

Wer es in die Endauswahl der Root Factory schafft, darf ein neunmonatiges Programm durchlaufen, das sich aus sechs Modulen zusammensetzt: Mit Schulungen, Coachings und der Bereitstellung von Räumlichkeiten und Arbeitsplätzen werden die Geflüchteten auf ihrem Weg zur Gründung begleitet. Externe Experten werden mit den Teilnehmern ehrenamtlich Schwerpunkte wie Unternehmensberatung, Marketing oder Finanzierung durchgehen. Startup-Beratung gibt es vom Grünhof. Wer noch keinen Sprachkurs absolviert, erhält pro Woche fünf Stunden Unterricht. Finanziert wird das Ganze durch die Spenden mehrerer Stiftungen.

Sophia Maier sieht die Selbstständigkeit als einen von vielen wichtigen Schritten Richtung Integration: "Die Geflüchteten können das machen, worin sie gut sind und werden dadurch selbstbestimmter. Ein weiterer Faktor ist die positive Darstellung innerhalb der Gesellschaft – und natürlich das eigene Einkommen."
Nach den Ökonauten, einem Förderprogramm für grüne Startups und dem laufenden Förderprogramm Sozionauten für soziale Nachhaltigkeit, startet der Grünhof nun das Pilotprojekt Root Factory. Zielgruppe sind Menschen mit Fluchterfahrung, die sich selbstständig machen möchten. Das Programm wird durch verschiedene Stiftungen finanziert. Hauptsponsor ist die Schöpflin Stiftung aus Lörrach. Zehn Teams werden neun Monate lang einmal im Monat zwei Tage lang gecoacht, außerdem wird für Kinderbetreuung und Sprachkurse gesorgt. Mentoren übernehmen den Hauptteil der Beratungen – für einige Bereiche werden noch Experten gesucht. Wer die zehn finalen Teams sind, entscheidet eine unabhängige Jury am 18. August in einem nicht-öffentlichen Pitch, um die Nervosität der Kandidaten nicht noch zu steigern.