Die Renaissance des Schrebergartens

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Immer mehr junge Menschen stehen auf und in Schrebergärten. Das war früher anders. Die Gartenanlagen galten als Inbegriff deutscher Spießigkeit, bestenfalls noch als behäbige Flucht vor Alltagshektik. Über eine Million dieser bis zu 400 qm großen Parzellen existieren in Deutschland und seit wenigen Tagen sind ein befreundetes Paar, mein Freund und ich ebenfalls stolze Pächter eines Schrebergartens.



In meiner Kindheit bin ich zwar oft in diversen Gärten herumgetollt, sammelte stundenlang Kartoffelkäfer von empfindlichen Pflänzchen ab und fand Komposthaufen absolut faszinierend; während meiner Teenagerzeit und den darauf folgenden Jahren jedoch interessierten mich Gärten und die gesamte Thematik recht wenig.


Die Idee, einen Kleingarten zu pachten, wurde bei einem gemütlichen Abend mit Freunden geboren, vielleicht aus einer tief verwurzelten Sehnsucht nach Abwechslung, Produktivität und Aufenthalten an der frischen Luft heraus, vielleicht aber auch, weil zwei von uns Vegetarier sind und wir aus diesem Grund einen erhöhten Gemüse- und Obstbedarf haben.

Fest standen von Anfang an eigentlich nur zwei Dinge: die Ablöse für die Gartenhütte musste noch einigermaßen bezahlbar sein und unser Stück kleines Glück sollte sich in der näheren Umgebung unserer jeweiligen Wohnungen befinden.



Da wir in unmittelbarer Nähe zahlreicher Kleingärten leben, die von den Gartenfreunden Süd e.V. verwaltet werden, beschlossen wir, dort vorstellig zu werden. Nach einem Telefonat mit einem freundlichen Herrn, der sich bei mir meldete, obwohl ich meine Telefonnummer fälschlicherweise auf dem Anrufbeantworter der Gaststätte hinterließ, bekamen Sabrina, Jochen, Victor und ich einen Besichtigungstermin. Das Vereinsbüro hat feste Öffnungszeiten, jeden Mittwoch und Freitag von 17 bis 19 Uhr. Es befindet sich direkt neben dem Herzstück der gesamten Gartenanlage, der Gaststätte.

Bei unserem Vor-Ort-Termin erklärte man uns kurz die übliche Vorgehensweise bei einer Gartenanmietung.

Der Pächter zahlt eine Ablöse für Gartenhütte und Pflanzen auf dem zwischen 200 qm bis 300 qm großen Grundstück. Die Summe liegt zwischen 2000 und 6000 Euro, je nach Zustand des Kleingartens, den ein unabhängiger Gutachter bewertet. Die jährliche Pacht beträgt etwa 120 Euro. Verbrauchtes Wasser wird extra berechnet. Einen Stromanschluss gibt es nicht, allerdings darf man Solarzellen auf dem Gartenhüttendach anbringen. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs waren von den insgesamt 720 Gärten, die der Verein verwaltet, lediglich vier frei.



Nach der Besichtigung hatten wir uns schnell auf einen Garten eingeschossen, da dieser sehr ruhig lag, die Ablöse mit 2165,40 Euro bezahlbar war und uns die vorhandene Vegetation jubilieren ließ: unter anderem Stachelbeere, Kiwi, zumindest vermute ich das, Himbeersträucher, Clemantis, Lavendel, diverse Apfelbäume, zwei Birnbäume, Schattenmorelle und ein Pfirsichbaum.

Natürlich sieht man dem Gärtchen an, dass es ein halbes Jahr ohne Pflege auskommen musste. Aber wir sind guter Dinge, diesen Rückstand aufzuholen und uns ein kleines Paradies zu zaubern, obwohl nur rudimentäre Kenntnisse über Bäume, Pflanzen und Gartenhütten vorhanden sind.

Unsere angepeilten Ziele für die Saison 2007 lauten: Massig Erdbeeren ernten, Kräutergarten anlegen, eine "Rekordernte" von Gurken, Zucchini und Kürbissen einfahren, Blumen für jeden Anlass haben, die geernteten Äpfel zu Apfelsaft verarbeiten lassen, den Williams-Christ-Birnen eine Zukunft als Schnaps bescheren und die Gartenhütte plus Zubehör im neuem Glanz erstrahlen lassen.

Die Vertragsunterzeichnung verlief völlig unspektakulär. Nur eine Person, in diesem Fall ich, musste den Pachtvertrag unterzeichnen, da der Gartenverein sich einen konkreten Ansprechpartner wünscht. Dann überreichte man uns mehrere Schlüssel: einen für das Zugangstor und zwei für die Hütte; außerdem eine Wasseruhr, die Ende des Jahres wieder abgegeben werden muss. Danach wurde uns erklärt, wo wir die Wasseruhr anschließen sollten. Sie diese später dennoch für etwas Verwirrung. Ansonsten bekam jeder eine Kleingartenordnung zum Lesen und eine Broschüre mit Tipps auf den Weg.



Den auf mich ausgestellten und nicht übertragbaren Mitgliedsausweis kann ich im Bauhaus oder im Raiffeisenmarkt vorzeigen und bekomme so bei jedem Einkauf 10 % Ermäßigung. Bei unserer ersten Invasion im Baumarkt am Samstag kauften wir die Grundausrüstung (Spaten, Rechen, Harken, Sämereien, Gartenhandschuhe, Gummistiefel, Gartenhandbuch) und sparten dadurch immerhin 15 Euro.

Am Wochenende haben wir nun Unkraut gejätet, umgegraben, gedüngt, Trampelpfade und Beete angelegt und einen Nachbarn kennen gelernt, der ungefähr 30 bis 35 Jahre alt sein dürfte und seinen Garten eher als eine Art zweites Wohnzimmer nutzt, inklusive Tischtennisplatte, Rasen und Hausbar. Mit Fragen dürfen wir uns jederzeit an ihn wenden. Außerdem hat er uns kurz über die Nachbarn informiert, die anscheinend alle deutlich älter sind, so ab 60 aufwärts.

Aufgrund des Wetterumschwungs müssen wir eine kleine Zwangspause einlegen und harren nun voller Erwartung der Dinge, die da kommen.