Die Podcast-Uni: Uni Freiburg startet Kooperation mit iTunes U

Carolin Buchheim

Als eine von vier deutschen Hochschulen ist die Albert-Ludwigs-Universität seit heute auf der Podcast-Plattform iTunes U von Apple vertreten. Heute Vormittag wurde der Start der Kooperation im KG II gefeiert. Caro war dabei und hat sich das Podcast-Angebot angeguckt.



Er ist drei Meter fünfzig groß, leuchtend grün und zu seiner Enthüllung gab es einen Countdown auf der Fassade des KG II: heute Vormittag wurde im Foyer des KG II das Modell eines Riesen-iPod enthüllt. Als eine von vier deutschen Hochschulen nimmt die Albert-Ludwigs-Universität seit heute an der Podcast-Plattform iTunes U teil.


iTunes U ist ein Unterbereich des iTunes-Music-Store von Apple. Dort können Hochschulen ihre Multimedia-Angebote publizieren. Bisher war der Dienst nur in den USA, Kanada und England erhältlich.



Zunächst 500 Mitschnitte von Vorlesungen, Vorträgen und Konzerten sowie Beiträge von Uni-TV und Uni-Radio sind jetzt als Videos, Skripte und Audiodateien über den iTunes-Musik-Store ohne Zugangsbeschränkung kostenlos erhältlich.

Eine Revolution des universitären eLearning-Angebots ist iTunes U nicht, denn die Uni hält bereits jetzt rund 3.500 Podcasts, Videomitschnitte und Skripten selbst zum Download bereit; allerdings auf vielen zum Teil nicht sonderlich benutzerfreundlich gestalteten Websites. Durch iTunes U soll das vielfältige Podcast-Angebot der Uni nun gebündelt und einem größeren Nutzerkreis zugänglich werden.



Professor Dr. Heiner Schranz, der Prorektor für Lehre, sieht gleich mehrere Zielgruppen für das neue Angebot: Studierende, die nun Vorträge und Vorlesungen räumlich und zeitlich unbegrenzt nutzen können, Schüler, die sich auf ein Studium vorbereiten und Alumni, die Kontakt zu ihrer Alma Mater behalten wollen. Nicht zuletzt sei das Podcast-Angebot der Uni natürlich auch eine Weiterbildungsmöglichkeit für die Allgemeinheit, "ohne Studiengebühren und barrierefrei".

Tatsächlich barrierefrei ist das Angebot bei genauem Hinsehen natürlich nicht: zwar können die Pod- und Videocasts per RSS mit jedem Feedreader abonniert, heruntergeladen und mit diversen Mediaplayern abgespielt werden, die vollständige Übersicht über das Medienangebot ist jedoch einigermaßen komfortabel nämlich nur innerhalb des iTunes-Music-Store möglich. Und der ist nicht Web-basiert, sondern kann erst nach dem Download und der Installation von iTunes genutzt werden kann.



Es bleibt anzuwarten, ob das Medienangebot der Uni auf iTunes U letztendlich nicht vor allem als Showcase der Multimedia- und Exzellenz-Aktivitäten der Uni dienen wird.

An den Bedürfnissen von Studierenden orientiert sich das bisherige Angebot ganz klar noch nicht. Zurzeit stehen lediglich sechs reguläre Vorlesungen in iTunes U zur Verfügung – aus der Mikrosystemtechnik und der Informatik. Für Studierende nicht nur dieser sondern natürlich auch aller anderen Fächer dürften da die bereits vorhandenen Downloadangebote von Fakultäten, Instituten und Dozenten und das eLecture-Portal weitaus mehr hergeben.

Anstatt regulärer Vorlesungen gibt es Ringvorlesungen, Veranstaltungen des vergangenen Jubiläumsjahres und bereits vorhandene Podcast-Reihen wie die "Reden des Monats" zum Download. Darunter sind allerdings Glanzstücke wie die Reihe "Historischen Reden" in der Philosophie, unter denen sich auch der Vortrag "Der Satz und die Identität" von Martin Heidegger aus dem Jahr 1957 findet. Auch die Gastvorträge im Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS) dürften interessant sein, wenn man verfolgen möchte, wer unter dem Exzellenz-Banner am FRIAS forscht.



Ein Showcase-Charakter von iTunes U wäre letztendlich weitaus besser als eine komplette Anbindung des Podcast-Angebots der Uni an iTunes, ein kommerzielles Angebot eines Privatunternehmens, die für die Studierenden mit dem Zwang zum Download eines nur auf zwei Betriebssystemen funktionierenden Programms verbunden wäre.

Es bleibt zu wünschen, dass die Uni ihr engagiertes und erst im vergangenen Jahr vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgezeichnetes Pod- und Videocastangebot unabhängig von iTunes U weiter ausbaut und schließlich auf einer eigenen Plattform für Studierende bündelt. Bis das gelingt, sollten außerdem die Webseiten der Institute mit multimedialen Inhalten übersichtlicher und benutzerfreundlicher gestaltet werden.

Neben der Albert-Ludwigs-Uni Freiburg sind seit heute übrigens auch die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Rheinisch Westfälische Technische Hochschule Aachen und das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam an iTunes U beteiligt.