"Die Pille danach bekommen Sie hier nicht": Wie es war, in einem Krankenhaus abgewiesen zu werden

fudder-Redaktion

Eigentlich sollte es ein super Partywochenende in Berlin werden. Doch dann hatte unsere Autorin Sex, ohne zu verhüten, stand in der Notaufnahme eines Krankenhauses - und bekam die Pille danach nicht. Wie es ihr ergangen ist:



„Die Pille danach bekommen Sie hier nicht.“
Ohne eine Reaktion abzuwarten, senkt die Ärztin den Blick wieder in ihre Akten. Ich bin fassungslos. „Was?“ Dieses Wort sage ich sehr laut. Nicht nur, weil ich geschockt bin, sondern, weil ich so die Aufmerksamkeit zurückgewinnen will. Genervt hebt die Ärztin am Tisch wieder ihren Kopf: „Wir sind ein katholisches Krankenhaus. Wir dürfen die Pille danach nicht verschreiben. Sie müssen nach Neukölln ins Klinikum.“ Sie schaut wieder in ihre Akten.


Ich drehe mich um und stolpere wie in Trance aus dem kargen Behandlungszimmer. Es ist Samstagnachmittag, und in der Empfangshalle des St. Joseph-Krankenhauses in Berlin-Tempelhof herrscht der alltägliche Krankenhausbetrieb. Ich stehe zwischen geschäftigen Krankenschwestern, vorbeieilenden Ärzten und schlendernden alten Männern in Pyjamas, und ich weiß nicht, wohin.

Inmitten dieses Treibens habe ich das Gefühl, unsichtbar zu sein. "Bleib ganz ruhig", sage ich mir. Ich merke, wie ich, ohne es zu wollen, meine geballten Fäuste zusammendrücke. Meine Fingernägel drücken sich in meine Handinnenflächen. Ich komme nicht aus Berlin. Ich wohne in Freiburg. Ich weiß nicht, wie man am schnellsten von Tempelhof nach Neukölln fährt. Ich weiß noch nicht mal, wo Neukölln liegt.

Wenn ich doch nur die Zeit zurückdrehen und die letzten paar Stunden ungeschehen machen könnte. Szenen meines gestrigen Abends tauchen wie Fotos vor meinem inneren Auge auf. Tom und ich kommen lachend am Berliner Hauptbahnhof an - Klick! Tom und ich in einer Bar - Klick! Tom und ich total betrunken morgens vor einem Club - Klick! Tom und ich haben Sex - Klick! Ohne Kondom - Klick! Obwohl wir beide wissen, dass ich die Pille nicht nehme.

Ich haue mir selbst mit der flachen Hand auf die Stirn, um mich für meine Dummheit zu bestrafen. Tom und ich haben uns erst vor knapp einem Monat beim Schnapstrinken in einem Freiburger Club kennengelernt. Die Idee, nach Berlin zu fahren und zwei Nächte Hauptstadteskalation zu erleben, hat mich gereizt.

Oh, mein Gott. Ich merke, wie mein Puls in die Höhe schnellt. Ich kann mit Anfang 20 noch kein Baby bekommen. Ich habe kaum Geld, und mit seinem Hiwi-Job könnte Tom wohl kein Kind finanzieren. Ich müsste mein Studium abbrechen, wieder bei meinen Eltern einziehen und dick werden. Warum können diese kitteltragenden Idioten mir nicht einfach die Pille danach geben? Ich bin katholisch getauft und trotzdem werde ich hier einfach so stehen gelassen.



Wer weiß, ob die heilige Jungfrau Maria nicht auch diese medizinische Hilfestellung in Anspruch genommen hätte - Krippenplätze waren ja damals schon Mangelware. Nun ja, sie würde jetzt wenigstens in einem katholischen Krankenhaus die Pille danach erhalten, denn so weit ich weiß, war die Empfängnis durch den Heiligen Geist nicht einvernehmlich. Oh, Gott! Reiß dich zusammen und konzentrier dich auf die wirklich wichtigen Dinge!

Draußen vor dem Krankenhaus stehen Taxen. Ich lasse mich für 20 Euro nach Neukölln in das Vivantes Klinikum fahren. Nachdem ich hier einer Empfangsdame, einer Stationsschwester, einem weiteren Mitarbeiter, dessen Funktion ich nicht einordnen kann, einer Ärztin und zuguterletzt einer Apothekerin mein Problem geschildert habe, halte ich sie endlich in den Händen: die Pille danach.

Ich suche mein letztes Geld zusammen; da ich privatversichert bin, muss ich selbst zahlen. Mir fällt schlagartig ein, dass mein Vater meine Krankenhausrechnungen bezahlt.

Ich sollte mir eine gute Ausrede einfallen lassen, was da los war.

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