Die perfekte Frau: 4 Fragen zu einem wütenden Liederabend

Christine Duttlinger

Femme Fatale, Powerfrau oder doch lieber Prinzessin? Wer ist denn nun die perfekte Frau? Stefanie Mrachacz singt sich am Theater Freiburg durch die Musikgeschichte und die entsprechenden Frauenbilder. Und dabei kann sie auch ganz schön sauer werden:



Zusammen mit dem Musiker Tom Schneider veranstaltest Du den Liederabend „Die perfekte Frau“. Worum geht’s genau?

Stefanie Mrachacz: Es geht um die Überforderung, die heutzutage Frau sein mit sich bringt  - und dem verbreiteten Narrativ doch die perfekte Frau sein zu können, wenn man nur die richtigen Entscheidungen trifft. Oder die perfekte Frau zu finden.

Heutzutage haben Frauen viel mehr Freiheiten und Wahlmöglichkeiten, was und wie sie „Frau“ sein wollen. Frau-Sein heißt ja zwischen verschiedenen Inszenierungsstrategien, aber auch verschiedenen Lebenskonzepten wählen zu können – aber auch zu müssen.

Ich habe gemerkt, dass mich dieses Thema auch musikalisch reizt, weil Frau oder die perfekte Frau ganz unterschiedlich klingen kann und je nach Geschmack auch zu klingen hat. Songs wie die von Tina Turner und Courtney Love bringen spannende Perspektiven ein.

Im Programmheft bezeichnet ihr die Aufführung als „wütenden Liederabend“. Was macht Dich wütend?

Frau-Sein ist eine Überforderung durch Möglichkeiten, aber ohne die Möglichkeit alle Anforderungen ansatzweise wirklich erfüllen zu können. Mein Körper ist letztlich der, der ein Kind kriegen kann und stillt und vielleicht verzichten muss auf andere, eigene Bedürfnisse.

Frau-Sein bedeutet aber neben dem Fruchtbarkeits-Mutter-Dienstleistungskörpersein vor allem, das Produkt eines Körperdiskurses zu sein: Schönheit und das äußere Erscheinungsbild wiegen mehr als Charakter - die Frau als Werbemittel, Objekt und Produkt.

Das kulturgeschichtliche Bild der Frau hat sich zeichnen lassen, über sehr viele Jahrhunderte, in eben diesem Konstrukt. Das ist mir zu eng!

In den ganzen Feminismusdebatten hört man immer wieder: Es gibt nicht den einen Feminismus. Was für eine Art von Feministin bist Du?

Ich merke immer wieder, dass ich mit so verstaubten Zuschreibungen gar nicht so viel zu tun haben will und mich da gar nicht so einordnen mag. Ich fühle mich in Kneipen, in denen Poster von Frauen aus chauvinistischer Perspektive hängen einfach unwohl und ich bin auch sehr gewillt, ein Umfeld zu haben, das einen Blick für solche Strukturen hat.

Strukturen, die oft reproduziert werden und unfair und respektlos sind. Ich habe auch keine wirklichen Vorbilder, das liegt an meinem Charakter, ich glaube, ich bin zu kritisch. Ich habe eher Antibilder.

Was ist Dein Lieblingsmoment in dem Stück?

Das ist das allerletzte Lied. Da werden alle Stimmungen nochmal eingefangen und ganz sanft und ohne Wut wird nochmal die Vielseitigkeit einer Frau erzählt. Liebevoll und zart.

Video: Trailer Die perfekte Frau



Zur Person:

Stefanie Mrachacz, 1985 in Berlin geboren, ist seit der Spielzeit 14/15 am Stadttheater Freiburg engagiert. Und zwar nicht nur als Schauspielerin, sondern auch als Performerin. Vor ihrem Schauspiel Master an der Zürcher Hochschule der Künste, hat sie ein Diplom in Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis in Hildesheim absolviert.

Mehr dazu:

Was: „Die perfekte Frau“- ein wütender Liederabend
Wann: 05.12.2015 / 11.12  2015/ 09.01. 2016 jeweils 20 Uhr
Wo: Kammerbühne, Stadttheater Freiburg [Foto: ZVG/privat]