"Die Partys waren wild und lang": Wie Freiburger DJs sich an ihre Zeit im ArTik erinnern

Bernhard Amelung

Das ArTik schließt, es lebe das Artik: An diesem Samstag findet die letzte Party unter dem Siegesdenkmal statt. Die dreieinhalb Jahre Jugend- und Clubkultur dieses Ortes werden jedoch fortleben, in zahlreichen Erzählungen und Anekdoten. Wie sich Freiburger Discjockeys, die zur Closing-Party auflegen, an ihre Zeit im ArTik erinnern:



Telmo Mazurek

"Ich habe sehr viele Erinnerungen an das ArTik. Wir hatten dort eine große Party, und ich sollte von 3 Uhr bis Ende auflegen. Ich spielte meinen letzten Track und war schon auf dem Weg zur Bar, doch ich wurde fast schon gewaltsam ans DJ-Pult gezogen und gebeten, weiter zu spielen. Das Licht ging wieder aus, die Türen fielen ins Schloss, und ich habe auf einer der schönsten Partys auflegen dürfen.


Ich bekam in den Räumen erstmalig die Möglichkeit, Equipment zu nutzen und lernte von Oli (DJ Van Goetz, die Red.), wie man Musik mischt. Die Partys waren wild und lang, das Publikum stets gemischt. Dazu die gute Musik. So hat es einfach Spaß gemacht, in diesem Laden zu arbeiten. Es gab viele Parties, die meinen Musikgeschmack bis heute beeinflusst haben, ganz besonders die "untitled" Parties.

Gerade deswegen freue ich mich so auf Samstag und bin auch tatsächlich ein wenig aufgeregt. Ich spiele auf einer Party mit demjenigen der mir auflegen beigebracht hat, bis hinzu den Leuten, die mich musikalisch beeinflusst haben, in einem Laden, der in den letzten drei Jahren ein Teil meines Lebens war. Viele Tränen, viel Lachen - so wird mein letzter Abend im ArTik."  

Schaukelkinder

"Wir als Schaukelkinder verdanken dem ArTik den Einstieg in das Veranstaltungsleben. Durch das ArTik konnten wir unsere Erfahrungen mit Auflegen vertiefen und verbessern. Vor allem, als wir noch kein eigenes DJ-Equipment hatten, konnten wir im ArTik regelmäßig üben. Zudem konnten wir dadurch auch viele Kontakte im Freiburger Nachtleben knüpfen.

In den letzten drei Jahren hatten wir im ArTik viele schöne und teilweise skurrile Erlebnisse. Unvergesslich: ein Abend, an dem wir einen neuen kleinen Floor eröffneten, den Ort verraten wir nicht - die sogenannte Einhornbar. Die Kombination aus Musik, Deko, Ambiente und vor allem den Hartgesottenen, die den Weg dorthin fanden, werden wir nie vergessen.

Im ArTik gab es allerdings, wie überall, nicht nur gute Erlebnisse. Wir wurden auch schon gefragt ob wir nicht Happy Birthday spielen können. Wir freuen uns darüber, gefragt worden zu sein, an der letzten Party aufzulegen und an dem würdigen Abschlusses von 15 Jahre Kultur in der Unterführung teilzuhaben."

 

SUBJKTS

"Das ArTik macht dicht. Schade. Ich erinnere mich an wirklich viele Abende - lustige, stressige, volle, aber auch leere. Doch wie soll ich das alles in 1000 Zeichen fassen? Ich glaube das ist unmöglich und würde der ganzen Sache nicht im Ansatz gerecht werden. Deshalb möchte ich die Gelegenheit nutzen, um ein paar Leuten zu danken, ohne die das ArTik für mich nicht das Selbe wäre.

Danke Lena, danke Joe, danke Manuel, danke Konstantin, danke Chris, danke Maria, danke Oli, danke Tschortsch, danke Monsi, danke Mirjam und danke an alle die ich jetzt vergessen habe und trotzdem immer ehrenamtlich da waren, sobald wir eure Hilfe benötigten. Ohne euch hätten Dominik und ich vermutlich keine Partys mehr veranstaltet, und ohne euch wäre es vermutlich nur halb so lustig gewesen.

Ich hoffe wenn am Sonntagmorgen das Licht angeht, es noch genau so voll ist wie damals im Juli 2012. J. Phlip aus San Francisco war zu Besuch, und damals war um fünf Uhr morgens der Grand Palais immer noch voll. Als letztes Lied spielten wir Wu-Tang Clan - Gravel Pit.  Schon über drei Jahre her, doch die Reaktionen werde ich wirklich nie vergessen." (Fabian)

"Für Chez (Partyreihe von Dominik und Fabian, die Red.) war das ArTik sicherlich die bedeutendste Station in ihrem Lebenszyklus, denn hier konnten wir ungebremst unsere Ideen kreativ ausleben. Für wirklich alles, was wir vor hatten, wurde uns hier die geeignete Plattform geboten, waren es nun interessante Bookings wie The Phantom aus Polen, die LOL Boys aus den USA oder aber auch komplette Konzepte wie die Eintritt-Frei-Reihe "Untitled".

Gerade letztere hat sicherlich nicht nur für mich persönlich einen sehr hohen Stellenwert. Einmal im Monat konnten wir hier unabhängig von schwierigen Kostenkalkulationen oder gierigen Clubbesitzern genau das erleben, was eine gute Party ausmacht: den Abend mit seinen besten Freunden verbringen und seine Lieblingsmusik, egal wie experimentell sie war, endlich laut auf einer Club PA anstatt nur auf den PC Boxen im WG-Zimmer hören zu können. Alles war erlaubt und jede Nacht war auf seine ganz besondere Art und Weise einzigartig. Vielen Dank hierfür, liebes ArTik! Ohne euch, meinen Mitstreitern und eifrigen Helfern hätten all diese tollen Erinnerungen an unsere vergangene, aktive Clubzeit nicht entstehen können." (Dominik)

 

Canvas

"Für mich gibt es eigentlich keinen definitiven besten Moment im ArTik. Jeder Abend war auf seine Weise unvergesslich. Ob mit oder ohne Gäste. Am unergesslichsten sind auf jeden Fall die Erinnerungen an die morgendlichen After-Partys. Vier Leute, die, nicht mehr ganz nüchtern, Musik durcheinander mischen. Morgens um sieben." (Max)

"Irgendwann an einem Samstag im Sommer 2012: wir sitzen in Dominiks Garten und grillen. J.Phlip, unser heutiger Gast aus den Staaten komme auch gleich. Ich gebe zu lange nicht gewusst zu haben dass "J." für Jessica steht. Niko hat ein Dirtybird-Shirt an, das Label für das sie produziert, ich beneide ihn heimlich. Um elf beginne ich das Warm-Up im ArTik zu spielen. Um halb zwölf kommt J.Phlip nach und gesellt sich auf die Tanzfläche.

Ich bin noch nervöser als zuvor und finde im Dunklen kaum die Platten in der Plattentasche. Ich spiele einen meiner neuen Tracks von Alfie, J.Phlip beschwert sich halb lachend, halb schmollend dass sie den auch hätte spielen wollen. Hinter den Decks wird die zurückhaltend-sympathische Frau zum Badass und rockt den Laden. Ich habe im Artik Musik aufgelegt, getanzt, Drinks an der Bar ausgeschenkt und nicht wenige davon getrunken. Manche davon habe ich am nächsten Tag bereut, aber sicher keine der vielen Stunden dort unten. Ich freue mich auf die letzte Party in diesen Räumen!" (Martin)

Oliver Götz

"Für mich gab es soviele ArTik-Momente, da mich dieser Laden eigentlich die ganze Zeit, seit dem ich in Freiburg wohne, begleitet hat. Von der Renovierung über viele, viele Nächte die ich dort arbeitend verbracht habe - bis jetzt zur Standortsuche. Die Musik hat für mich eine große Rolle gespielt. Wir hatten echt einige Highlights, die mich auch musikalisch geprägt haben.

Besonders erwähnenswert für mich ist die Chéz-Reihe, die dieses Jahr leider die letzte Ausgabe in der Passage hatte. Daher ist es keine Überaschung, dass die Jungs auch bei der letzten Party dabei sind. Die Unterfürung an sich ist eine einzigartige Location und ein echter Verlust für Freiburg. Aber das Ende war absehbar. Die Vielfalt an Veranstaltungen die dort stattgefunden haben, ist einfach einzigarTik. Man kann das ArTik keiner festen Szene zuordnen. Es waren einfach alle mal da. Ich möchte mich bei allen Veranstaltern, DJs, beim gesammten ArTik, bei fudder und allen Gästen die diesen Laden so besonders gemacht haben, bedanken. Danke Aron. Danke Elmexx. See you soon."

Mehr dazu:

Was: Schicht im Schacht w/ Canvas, Subjkts, Schaukelkinder, Telmo Mazurek
Wann: Samstag, 19. Dezember 2015, 23 Uhr
Wo: ArtTik
Das ArTik auf fudder

  Besuche des Nightlife-Gurus im ArTik

Foto-Galerien aus dem ArTik


Playlist Previews der ArTik-DJs