Die Papstrede im Priesterseminar: "Zuerst war's wie Kino"

Manuel Lorenz

Das Freiburger Priesterseminar ist zur Zeit das Hauptquartier des Papstes. Samstagnacht wird er dort schlafen, Sonntagmittag wird er dort essen. Am frühen Samstagabend sprach er dort zu rund 50 angehenden Priestern. Unter ihnen auch Frederik Reith, 23, der uns erzählt hat, was in der Seminarskirche passiert ist.



Frederik fühlt sich auf seinem Weg zum Priestertum gestärkt. „In vielen Dingen ist mir der Papst ein großes Vorbild: Ein 84-jähriger Mann, der vor 60 Jahren Priester wurde und das immer noch verkörpert.“ Aber das ist nur die Schnellanalyse des Seminaristen. „Bis ich für mich so richtig verstanden habe, was da heute passiert ist, wird’s wohl noch ’ne Weile brauchen.“ Was da heute passiert ist? Folgendes:


Um kurz nach 17:30 Uhr betritt Papst Benedikt XVI. die Kirche des Freiburger Priesterseminars. Mit dabei: Freiburgs Erzbischof Zollitsch, Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone und Privatsekretär Georg Gänswein. Der Papst hält vor dem Allerheiligsten kurz inne und spricht ein leises Gebet – sein ganz persönliches Gebet, das er immer betet, wenn er einen Kirchenraum betritt. Dann setzt er sich auf einen großen Stuhl in der Mitte vor dem Altar.



Anwesend: fast alle Priesterseminaristen, Angestellte des Priesterseminars und Vertreter anderer katholischer Ausbildungseinrichtungen – insgesamt rund 70 Personen. Frederik sitzt in der dritten Reihe, nur wenige Meter vom Papst entfernt. „Als der Papst reinkam, war das zuerst wie Kino“, sagt der Seminarist später. „Ich dachte, ich sitze vor einer Leinwand.“ Denn: Von nahem hat Frederik den Papst bisher nur in den Medien gesehen. Jetzt, live, bemerkt er, von welch kleinem Körperbau der Papst ist. „Er sah müde aus, war aber geistig voll da“, sagt Frederik hinterher.

Zuerst übergibt der Haussprecher des Priesterseminars dem Papst zwei Geschenke: ein Foto der Priesterseminaristen mit deren Unterschriften und das Buch „Mein Name für die Zukunft“ – ein Buch, in dem die angehenden Priester ein halbes Jahr lang circa 2000 Namen von Menschen gesammelt haben, die sich der Kirche besonders verbunden fühlen und die für den Papst beten. Der Papst freut sich und sagt: „Ich werde diese Namen mit in mein Gebet nehmen.“

Dann hält er – frei, ohne Manuskript – eine Ansprache. Der Papst sagt, das Priesterseminar sei für die Seminaristen eine Zeit der Einübung. Die Apostel waren einerseits bei Christus, andererseits in der Welt. So verhält es sich auch mit den Priestern: Einerseits leben sie in der Gemeinschaft ihrer Mitbrüder und mit Christus, andererseits müssen auch sie sich hinaus in die Welt begeben – weil sonst all ihr Tun nichts nützt.



Beim anderen Gedanken, den der Papst äußert, kommt der Professor durch: Die Seminaristen sollen das Studium nicht als Hindernis auf dem Weg zum Priestertum verstehen. Sie sollen es ernst nehmen. Denn: Gerade heute, wo alles mit den Naturwissenschaften erklärt wird, sollten sie in der Lage sein, ihren Glauben intellektuell zu erklären. „Die Ansprache war tiefgründig und zwischendurch sogar richtig amüsant“, sagt Seminarist Frederik danach.

Langer Applaus. Eine halbe Stunde ist vergangen, seit der Papst die Seminarskirche betreten hat. Er steht auf und betet gemeinsam mit den Anwesenden das Vaterunser. Er segnet sie. Dann überreicht Privatsekretär Gänswein dem Priesterseminar im Namen des Papstes einen Messkelch. Und am Schluss setzt sich Benedikt XVI. in den Mittelgang zwischen die Bänke und lässt sich mit den Versammelten fotografieren. "Gruppenbild mit Bene", quasi.

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  [Bilder: dpa]