Die Ohrwurm-Suchmaschinen

Philip Hehn

Im Radio, als Klingelton, in der Disco, ständig begegnet uns im Alltag Musik. Wenn einem ein Lied gefällt, ist es dank des Internet eine Sache von Sekunden, es zu besitzen. Der Haken an der Sache: man muss den Titel wissen. Wie kommt man also an Titel und Interpreten des Lieds? Bisher war die einzige Möglichkeit, es genervten Freunden und Kollegen vorzusingen, ohne große Aussicht auf Erfolg. Jetzt gibt es im Internet Alternativen.

  Musipedia punktet mit ausgefeilter Suche. Nachdem man seine Melodie mehr oder weniger richtig ins Mikro gesummt hat, bekommt man sie grafisch angezeigt und kann krumme Noten verschieben oder löschen. Wer mag, kann seine Melodie über ein virtuelles Keyboard eingeben, den „Parsons-Code“ eingeben oder einen Rhythmus in die Tastatur tippen. Als Suchergebnisse werden aber überwiegend Titel angezeigt, die älter als 80 Jahre sind. Die Seite erkennt partout keine Populärmusik der letzten 40 Jahre, also eher was für Klassikliebhaber.


Name my tune ist dagegen unterhaltsam, aber nicht allzu nützlich. Man summt, pfeift oder singt seine Melodie ins Mikrofon, gibt eine E-Mailadresse an und wartet darauf, dass ein anderer Nutzer die Melodie identifiziert. Das Ergebnis kommt per Mail. Das kann natürlich dauern und ist nichts für Ungeduldige. Witzig wird es, wenn man im Gegenzug versucht, anderen Nutzern zu helfen. Hunderte zehnsekündige Soundsamples können, geordnet nach Jahrzehnt und Genre, angehört werden, eines schiefer als das nächste. Als Party-Ratespiel herrlich.

Einzig Midomi kann alltagstaugliche Ergebnisse liefern. Lily Allen erkennt das Programm anhand eines fünfzehn Sekunden langen gepfiffenen Melodiestücks sofort, „Yellow Submarine“ und „Total Eclipse of the Heart“ erst, wenn man ein Stück Text singt. Das ist weniger nützlich: Denn wenn man ein Stück Text kennt, kann man meist nach dem Song googeln. Die Ergebnisse sind natürlich besser, je populärer das Lied ist, Midomi ist aber erstaunlich tolerant – ein schlecht gerappter kurzer Brocken von „Lose yourself“ wird erkannt, auch wenn man nach fünf Sekunden den Text vergisst und nur noch den Rhythmus summt. Nicht perfekt, aber schon sehr brauchbar.

Die Melodiesuche im Internet steckt sicher noch in den Kinderschuhen, kann darin aber schon beeindruckende Schritte machen. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Technik direkt in die Online-Musikshops integriert wird. Bis dahin kann man mit den bestehenden Angeboten nicht nur drängende Fragen beantwortet bekommen, sondern auch Spaß haben.

Mehr dazu:

[Bild: Silke Kohlmann]