Die Ökodisko: Abtanzen für Strom

Joana Jäschke

In den Niederlanden öffnet im Herbst die erste ökologische Diskothek der Welt. Das klingt nach Jutebeutel, Birkenstock-Schlappen und selbstgestrickten Socken aus Wolle von glücklichen Schafen. Genau so muss umweltfreundliches Feiern aber eben nicht aussehen. Der Watt-Club in Rotterdam soll eine ganz normale Disko werden – die sich selbst mit Energie versorgen kann, sobald genug Feiernde die Tanzfläche entern.



Das Prinzip ist einfach: Menschen gehen aus, sie trinken und tanzen in Clubs. Dabei wird Energie frei. Und zwar nicht nur im übertragenen Sinne,  sondern auch physikalisch nutzbare, wenn die Tanzenden mit ihren Füßen auf dem Boden stampfen.


Zappeln für Strom – der wiederum Licht und Sound in Gang bringt. Die Partycrowd als Biomasse – diese Idee haben die Nichtregierungsorganisation Enviu, die sich für nachhaltige Entwicklung einsetzt, und das Architekturbüro Döll aus Rotterdam zusammen mit der Technischen Universität Eindhoven entwickelt. Das Konzept heißt „Sustainable Danceclub“ – nachhaltige Disko –  und wird ab September im Watt-Club in Rotterdam getestet.



Und so soll es funktionieren: Die Tanzfläche besteht aus einzelnen kleinen Platten. Die Bodenquadrate sind durchsichtig. Wenn man sich beim Tanzen darauf bewegt, werden sie ein wenig nach unten gedrückt. Das schafft Energie, die von einem Generator aufgefangen und in Strom umgewandelt wird.

Wie sehr sich die Tanzenden verausgaben, sehen sie nicht nur an eventuellen Schweißrändern unter den Armen, sondern auch an den Lichtern, die in die Tanzfläche integriert sind. Durch den frisch gewonnenen Ökostrom leuchten sie. Wer schneller tanzt oder höher springt, lässt die Lämpchen heller strahlen.



„Uns geht es darum, bei den Leuten ein Bewusstsein zu schaffen. Sie sollen sehen, wie viel Strom sie produzieren“, sagt  der Architekt Erwin Fraikin, der am Konzept des Sustainable Danceclub mitgearbeitet hat. „Gerade beim Feiern wird viel Energie verbraucht. Eine Disko, die an drei Nächten pro Woche aufhat, verbraucht jährlich 150 mal soviel Energie wie eine 6-köpfige Familie. Wir wollen den Clubbern zeigen, dass es auch anders geht, und man umweltfreundlich feiern kann.“ Insgesamt soll die "Ökodisko" gegenüber herkömmlichen Clubs 50 Prozent weniger Energie verbrauchen.

Die Tanzfläche ist nur eins von vielen Elementen, die dazu beitragen soll. Ein weiterer Ansatzpunkt ist das Wasser: Statt Trinkwaser  zu verschwenden, spülen die Gäste auf der  Toilette mit Regenwasser, das im diskoeigenen Garten aufgefangen wird. Eine Wand, in der das Regenwasser herunterläuft, soll dem Partyraum obendrein noch ein cooles Styling verpassen.

Ein persönlicher Getränkehalter zum Umschnallen soll die Gäste dazu bewegen, ihre Becher und Gläser mehrfach zu benutzen. Das spart Müll und Wasser.



„Wir wollen den Gästen zeigen, dass man schon mit kleinen Veränderungen etwas bewirken kann“, sagt Esther de Jong. Sie arbeitet für Enviu und zeigt Diskos und Bars, wie sie Energie sparen und nachhaltiger werden können.  „Allerdings wollen wir es auch nicht übertreiben. Die Leute kommen schließlich her, um Spaß zu haben und wollen hier keinen Vortrag über Umweltschutz bekommen.“

Deshalb legt das Sustainable-Danceclub-Team auch Wert darauf, dass der Watt-Club eine normale Disko werden soll. „Mit der Öko-Nummer können wir die Gäste nur am Anfang neugierig machen. Langfristig muss Watt durch gute Musik und ein cooles Ambiente überzeugen, so wie jede andere Location auch“, sagt de Jong.



Deshalb werden die Barkeeper auch nicht nur Bionade oder Bio-Bier ausschenken. Die Getränkekarte werde ähnlich aussehen, wie in jeder anderen Disko auch, betont Esther de Jong.

Wer sich im Watt-Club jedoch mit Wodka-Energy-Drinks in die richtige Partystimmung schießt, tut noch was Gutes für die Umwelt. So wie schon Günter Jauch mit jeder Kiste Krombacher ein Stückchen Regewald vor der Motorsäge gerettet hat, soll auch im Watt-Club für jeden verkauften Wodka-Energie-Drink ein Bäumchen gepflanzt werden.



[Bildmaterial: Frank Hanswijk/Architekturbüro Döll]

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