Die Mitbewohner des Papstes

Manuel Lorenz

Collegium Borromaeum? Noch nie gehört? Dann wird's Zeit: Im Priesterseminar hinter dem Münster schläft und speist Benedikt XVI. am Wochenende nämlich. Ob die Seminaristen schon nervös sind? Manuel hat zwei von ihnen gefragt.

Frederik Reith aus Rheinmünster, 23 Jahre:



"Als ich gehört hab, dass der Papst nach Freiburg kommt, war ich zuerst überrascht, dann hab ich mich gefreut, und irgendwann, als die konkreten Vorbereitungen losgingen, habe ich realisiert, dass er tatsächlich kommt. Und dass ich zu jenem Zeitpunkt zufällig Seminarist am Collegium Borromaeum bin, wo er ja essen und schlafen wird.


Live gesehen hab ich ihn schon zweimal: 2006 und 2010 bei den Ministrantenwallfahrten nach Rom. Mit dem Papstkult kann ich allerdings nichts anfangen. Ich habe mehr Respekt vor dem Amt als vor der Person.

Am Sonntagmittag essen der Papst und die Deutsche Bischofskonferenz im Priesterseminar. Gemeinsam mit 19 anderen Seminaristen werde ich die geistlichen Würdenträger bedienen. Und werde dabei genauso höflich sein, wie sonst auch. Klar: Man will keine Fehler begehen, und der Papst ist ein besonders hoher Gast. Aber er sitzt da als Mensch, der etwas zum Essen will. Deshalb hab ich mich auch ums Bedienen beworben: Ich sehe darin eine einzigartige Möglichkeit, dem Papst nahe zu kommen und ihn als Mensch zu erleben.

Als Papst erleb ich ihn dann gemeinsam mit den anderen Seminaristen in der Seminarskirche. Das wird schon ein ganz anderes Feeling sein. Auf seinen eigenen Wunsch hin wird er dort eine kleine Ansprache an uns richten. Wir sitzen ein paar Meter von ihm entfernt, und am Schluss lässt er sich noch mit uns fotografieren.

Am liebsten würde ich ihm persönlich ein paar Fragen stellen. Aber das wird nicht möglich sein. Allerdings haben wir Seminaristen ihm im Vorfeld einen Brief geschrieben, in dem wir auch kritische Fragen gestellt haben. Zum Beispiel: Wie schaffen wir es, dass die Menschen in der Kirche wieder für den Glauben brennen? Ich hoffe, der Papst beantwortet unsere Fragen in seiner Ansprache."

Jan Lipinski aus Gaggenau, 24 Jahre:



"Eigentlich hätte ich schon längst aus dem Collegium Borromaeum ausziehen müssen. Ich absolviere nämlich ein Auslandsjahr in Innsbruck – im Priesterseminar sagen wir 'Externitas' dazu. Ich hab mir’s aber extra so eingerichtet, dass ich zum Papstbesuch in Freiburg noch da bin.

Benedikt XVI. hab ich 2005 beim Weltjugendtag in Köln schon mal live gesehen. Und dann noch mal 2006 in Regensburg. Ich finde, er hat eine gewisse Ausstrahlung, und er hat der Kirche und der Welt etwas zu sagen. Das zeigt ja auch die große, positive Resonanz des diesjährigen Weltjugendtags in Madrid.

Vier andere Priesterseminaristen und ich ministrieren bei der Messe am Sonntag auf dem Flugplatz. Das wird zwar an sich ein ganz normaler Gottesdienst sein, aber eben mit dem Papst. Und dem werde ich wahrscheinlich nie mehr so nahe kommen. Es geht eine große Faszination von ihm aus. Ich kann mir noch gar nicht vorstellen, was für ein Gefühl das sein wird, am Sonntag. So langsam steigt auch die Aufregung. Bei der Audienz mit uns Seminaristen am Samstag werde ich leider nicht dabei sein können: Freitag und Samstag proben wir für den Gottesdienst am Sonntag.

Im gleichen Gebäude zu schlafen wie der Papst, bedeutet mir nicht so viel. Ich finde, man sollte ihn nicht vergöttern. Wichtiger ist doch sein Besuch in Deutschland allgemein. Davon erhoffe ich mir eine Stärkung des Glaubens in Deutschland und für mich persönlich."

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