Die Melodie geht nicht mehr raus!

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, woher Ohrwürmer kommen? Sobald morgens das Radio ausgemacht ist, ist er da und lässt sich nicht mehr bezwingen. Bei jeder Tätigkeit kommt er wieder hervor und die Melodie schwirrt durch den Kopf oder kommt gar über die Lippen. Dabei ist das meist ein Lied, das eigentlich peinlich ist, wie etwa der "Oops, I did it again" oder die Hasselhoff-Einheitshymne "Looking for Freedom". Wieso sind es gerade solche Motive?

Wie sich so ein Ohrwurm durch unseren Kopf bewegt, ist, wie so vieles in der Gehirnforschung, noch weitgehend unerforscht. Aber einige Teilaspekte und vor allem Auslöser sind schon bekannt. So sind etwa Frauen und – eigentlich wenig überraschend – Musiker deutlich anfälliger für dieses Phänomen. Das tritt, auch bei Profis, bei besonders eingängigen Tonfolgen auf.


Was eine eingängige Melodie aber ist, daran zerbrechen sich viele Musikschaffende die Geister. Nicht einmal Dieter Bohlen erschafft jedes Mal einen Welthit, obwohl bei seinem Œvre die prinzipiellen Strukturen sehr gut erkennbar sind: Die Harmonien hinter der Melodie sollten eine nicht zu umfangreiche Kadenz bilden und die Melodie selbst aus wenigen, dem Hörer geläufigenen Intervallen bestehen.

Dort hört allerdings das Erklärbare schon auf. Hat man aber erstmal eine solche Melodie, muss sie noch zum Ohrwurm werden. Am besten, das Lied gefällt: Dann behält man es gern im Kopf und singt es fröhlich vor sich hin. Doch es gibt auch noch die fiesen Melodien, die man bekämpfen will: Die kommen meistens daher, dass das Radio mitten im Lied ausgeschaltet wurde, weil man aus dem Haus zur Bahn oder aus dem Auto austeigen musste. Die akkustische Abteilung im Gehirn arbeitet weiter, bis die bekannte Melodie eben zu Ende „gedacht” ist – da ist der Ohrwurm in der Endlosschleife.

Aus dieser Erklärung kommt auch ein eventuell helfender Tipp zur Abhilfe: Das Lied, das unterbrochen wurde, einfach nochmal von Anfang bis Ende durchhören. Die akustische Wahrnehmung ist damit komplettiert und der Ohrwurm hoffentlich passé. Falls nicht, gibt es nur einen Weg, der den Ohwurm garantiert beseitigt: Ein noch schlimmerer Ohrwurm. Aber wer will schon mit „You're my heart, you're my soul” oder dem „Anton aus Tirol” auf den Lippen durch den Tag gehen?

Übrigens reicht es auch, wenn man nur von einem solch eingängigen Lied liest, um den Ohrwurm zu aktivieren...