Die Liebespärchen-Typologie

Linda Tuttmann

"Auf jeden Topf passt ein Deckel" hat meine Oma immer gesagt. Auch wenn ich es in Teenagerzeiten nicht glauben wollte – es stimmt. Doch Beziehung ist nicht gleich Beziehung. Eine Typologie.



1. Die Frischverliebten

Nervig, wenn man selber gerade frisch getrennt ist. Schön, wenn der Neue das gebrochene Herz der Freundin heilt. Ganz klar – an diesem Paar scheiden sich die Geister. Dauergrinsend und knutschend sind sie nicht schwer auszumachen. Immer im Doppelpack versteht sich. Gelingt ein Treffen ohne ihre bessere Hälfte, hast du das Gefühl, innerhalb einer halben Stunde ihren Liebsten und seine Vorzüge besser zu kennen als die deines eigenen Bruders.

Du verzweifelst an deiner Hausarbeit und brauchst Hilfe? Versuch nicht, die beste Freundin in alter Tradition anzurufen. Tust du es doch, hilft dir vielleicht „Schatzi“ weiter. Der ist nämlich am Telefon, weil deine Freundin gerade auf dem Klo ist. Der bessere Ansprechpartner für deine Layout-Probleme ist er aber bestimmt. Mit der besten Freundin der Angebeteten sollte man es sich schließlich nicht verscherzen.



2. Die besten Freunde

„Nein, wir sind nur gut befreundet“, beteuern beide. Könnte man auch glauben, wären da nicht die Blicke und zufälligen Berührungen, die mehr sagen als tausend Worte. Er hilft ihr beim Umzug, geht mit ihr Shoppen und auf den 80. Geburtstag ihrer Oma. „Das ist ganz normal, schließlich ist er mein bester Freund“, ist ihre Erklärung. Während du dich fragst, ob mit deiner eigenen Beziehung etwas nicht stimmt, weil dein Freund sich weigert, den H&M zu betreten und auf nervige Verwandten-Besuche keine Lust hat, hilft sie seiner kleinen Schwester bei den Schulaufgaben. Du willst das Rätsel lösen? Engagiere einen charmanten Kumpel, der deine Freundin anmacht. In der Gegenwart ihres besten Freundes versteht sich. Ein bisschen Alkohol wird das übrige tun. Und er wird handeln. Seine Traumfrau lässt er sich nicht vor der Nase wegschnappen.

3. Der Schwiegersohn und die Prinzessin

Ein Gentleman der alten Schule ist er. Und erobert damit im Sturm die Herzen deiner Eltern. Deine Mutter ist entzückt von dem Blumenstrauß, den er ihr beim ersten Treffen überreicht. Mit ihren Lieblingsblumen, natürlich. Hatte er sich doch vorher von dir „briefen“ lassen. Deine Oma hat eine Schwäche für Marzipan? Ganz bestimmt hat er bei jedem Treffen eine Packung Niederegger dabei.

Auch dein sonst so kritischer Vater merkt bald, dass du bei deinem Neuen in guten Händen bist. Mit Prädikatsexamen ist jedenfalls für deine finanzielle Zukunft gesorgt. Und du? Wie eine Prinzessin fühlst du dich in den ersten drei Wochen: Dir wird in den Mantel geholfen, er bringt dir das Frühstück ans Bett und telefoniert einmal die Woche mit deiner Mutter. Willst du dein Leben lang Prinzessin sein, bleib. Wenn nicht, such schnellstmöglich das Weite, bevor deine Eltern ihn adoptieren.

4. Die Kletten

Du hast aufgehört zu zählen, wie oft die beiden schon getrennt waren. So regelmäßig wie deine Periode klingelt das Telefon. „Es ist für immer“ beteuert sie jedes Mal unter Tränen. Um Dramatik und Endgültigkeit zu unterstreichen, schiebt sie schluchzend ein „wirklich“ hinterher. Du tröstest, lieferst Tempos und Schoki, schleppst sie auf Partys und stellst sie deinen best-aussehendsten Freunden vor. Du glaubst, sie sei über den Berg? Fehlanzeige. Spätestens beim ersten Date mit einem deiner Freunde kommt zufällig der Ex vorbei. Show must go on.

5. Das Ehepaar

20 Monate Beziehung sind dein Rekord. Darauf bist du stolz – aber weit entfernt von den sieben Jahren Zweisamkeit deiner Freundin. Was heißt deine Freundin? Selbstverständlich gehört auch er mittlerweile zu deinem engsten Freundeskreis. Notgedrungen, schließlich nimmt er an jedem euerer Frauen-Koch-Abende teil. Geht auch nicht anders, schließlich kocht ihr auch in seiner Küche. „Ich bin auch gleich weg“, sagt er jedes Mal. Und bleibt. Das Essen ist gut und der Wein auch. Intime Frauengespräche sind jetzt fehl am Platz. Stattdessen werden Fotos vom gemeinsamen Urlaub gezeigt. „Ja, Mallorca hat auch sehr schöne Ecken.“ Bevorzugte Erzählperspektive: Erste Person Plural. Beim Fachsimpeln über die neue Einbauküche steht für dich fest: Es ist Zeit für einen echten Frauenabend. Und zwar bei dir.

6. Die Coolen

Freiheit ist das höchste Gut. Auch in einer Beziehung. Mit anderen flirten, knutschen und mehr – kein Problem für beide. Sagen sie jedenfalls. Eine Beziehung ist schließlich kein Gefängnis und man selber keine 50. Selbstfindung, Experimentieren, das alles muss doch möglich sein. Auch in einer Beziehung. Der Mensch sei für eine Monogamie nicht geschaffen, dies wäre auch biologisch erwiesen, so die pseudo- wissenschaftliche Argumentation. Spießig und kleinkariert fühlst du dich. Aber nur für einen Moment. Bis zum abendlichen Einschlafen mit deinem Liebsten. Denn du weißt relativ sicher: du bist die Einzige.