[Die Leute] - Total Echt

Carolin Buchheim

Im Keller der Realschule Bad Krozingen an einem Donnerstag Abend, irgendwann nach 21 Uhr, Bandprobe der Freiburger Band [Die Leute]: Drei Männer versuchen verzweifelt, aber lachend, synchron ihre Köpfe passend zu einem schönen, fetten Gitarrenriff zu schütteln. "Wir haben keine Wahl," erklärt Bassist Schnubie, einer der drei, später. "Wir können nun mal keine Musik machen, und das müssen wir mit Show und Proletereien ausgleichen."



Das ist natürlich Koketterie. [Die Leute] können nämlich Musik machen, und das wissen sie selbst auch ganz genau.


Sie sind keine Newcomer mehr, sie haben schon so einiges miteinander erlebt, die fünf Herren, die sich [Die Leute] nennen, denn diese ihre Band gibt es schon seit sechs Jahren.
Neben all dem persönlichen Kram der sie verbindet, der Freundschaft, den Trennungen, den Geburten, den Abstürzen, da sind sie in der Bandgeschichte vereint, all die Rites of Passage, die man als Freiburger Band so hinter sich bringt:

Ein Sieg beim Bandcontest des Regio Jam Open Air (2001), Konzerte als Warm-Up von diversen (Halb)Größen wie Vivid und Fools Garden, kleine, winzigkleine und auch saugroße Konzerte zwischen Münstertal, Wismar, Berlin und Zürich, das erste Album Garagenpop (2003), ein Zweiter Platz bei Rampe 04, der Titel der ZMF-Tourband (2004), ein Track auf Freiburg Tapes Volume 2 (2004) und schließlich 2005 das im Take One Studio unter anderem mit Zeus B.Held aufgenommene zweite Album.
Aber es gibt da auch Außergewöhnlichkeiten, die eben nicht jede Freiburger Band erlebt. Wie die Geschichte des wirklich sogarnichttoll formulierten Promobriefs, der dafür sorgte, dass sich [Die Leute] letztes Jahr in der Promo-Schandecke der Intro wiederfanden. Oder das Konzert als Warm-Up von Dieter Thomas Kuhn bei seiner Comeback Tour im Bodenseestadion in Konstanz, vor 24.000 Zuschauern.


Kennt man das Album 'Wie wir sind' und hört [Die Leute] heute in ihrem hübsch versifften Proberaum mit lauter nackten Mädels an den Wänden, dann fragt man sich, was diese fünf Herren wohl im letzten Jahr passiert ist, denn man erkennt sie kaum wieder.
Ja, man singt immer noch Deutsch, die Besetzung ist immer noch die gleiche, aber diese Herren, sie rocken heutzutage, und zwar so richtig, und das tun sie ganz wunderbar. [Die Leute] 2006 sind edgier, härter als früher; immer noch melodiegetrieben, gitarrig und total zeitgemäß, vollkommen von den Fesseln der Hamburger Schule, immer noch Maßstab aller Gitarrenbands mit deutschen Texten, befreit.
Aber da ist nichts Schlimmes passiert, dass diese Veränderung angetrieben hätte. "Irgendwie erfinden wir uns einfach immer wieder neu, nach jeder Aufnahme", erzählt Gitarrist Hechta.

An diesem Abend proben [Die Leute] einen neuen Song, 'Konjunktiv', und die Riffs zu denen Hechta, Schnubie und Kropi ihre Köpfe schütteln sollen, sie hören sich crisp und klar an, so als kämen [Die Leute] nicht aus Freiburg und den umliegenden Käffern, sondern aus Brighton oder Newcastle. Alles rather british und totally fresh.
"Na klar haben wir Einflüsse", erzählt Sänger Tom später, "Ich find' es bescheuert, zu behaupten, man hätte keine. Die Musik die man mag, spiegelt sich in der Musik die man macht." Im Moment mögen die Herren tatsächlich viel Britisches, wie zum Beispiel die Arctic Monkeys, die Dirty Pretty Things und immer noch Bloc Party, aber auch Louis XIV und Placebo, ohne sich jedoch anzuhören wie eine dieser Bands. Eine Kopie sein, das haben [Die Leute] schließlich auch nicht nötig.

"Irgendwo hat mal jemand geschrieben, wir machten Musik zwischen den Sportfreunden Stiller und den Ärzten", erzählt Bonzo, "aber ich hab uns eigentlich immer mehr zwischen Echt und Selig einsortiert." Das einzige, was an [Die Leute] vielleicht an die Ärzte erinnern könnte, ist das plakative an den Songs, sind unsere dummen Sprüche zwischen den Songs, aber die Herren sind einfach nicht Fun-Pop-Punk, oder wieauchimmer man die Ärzte heutzutage einsortieren will. [Die Leute] haben schon auch Emotionen im Gepäck, in Texten verpackt, die weder platt sind, noch zu bemüht; Texte, die man sich anhören kann, ohne sich für Sänger Tom Fremdschämen zu müssen, und von denen man sich in manchen Momenten sogar ertappt fühlen kann ('Nie alleine', 'Wie wir sind').

"Jemand anderes hat mal geschrieben wir würden uns anhören, wie Echt nachts um halb fünf im Proberaum, und das fanden wir viel passender" ergänzt Tom, und darauf folgt ein allseits vernichtendes Urteil über das neue Sportfreunde Album und eine herrlich einmütige Unterhaltung über das tolle Echt Konzert beim ZMF 2000 und das Niels Frevert Cover, das sie damals gespielt haben, und was für ein unterbewertetes Album 'Rekorder' ist.

Der Rest des Abends wird schließlich, in ähnlicher Einigkeit, in der Gesellschaft eines sich immer weiter leerenden Kasten Füpis und mit lauten Gitarren in den Ohren verbracht, und irgendwann, beim letzten Versuch, da klappt es dann doch noch, das synchrone Kopfschütteln von Schnubie, Hechta und Kropi zu 'Konjunktiv'.

Denn so ein bisschen Show schadet ja nie. Selbst wenn man Musik machen kann.

Mehr dazu:

[Die Leute] : Website

Was: Konzert & Video Release Party von [Die Leute], Warm-Up: Fonzo Foundation
Wann: Freitag, 02.06.2006, 20 Uhr
Wo: Stusie, Freiburg
Eintritt: 3 €

Ab nächster Woche gibt es das Video von [Die Leute] exklusiv bei fudder zu sehen!