"Die Leute" sind zurück – am Donnerstag spielen sie den Comeback-Gig auf dem ZMF

Simon Langemann

Mitte der Nullerjahre waren "Die Leute" eine der beliebtesten Bands in Freiburg. Vor ein paar Jahren wurde es still um sie – jetzt sind die Herren wieder da. fudder war vor dem ersten Comeback-Gig auf Proberaumbesuch.

Ein Fastnachts-Abend im Münstertal. Eine Party in einem stickigen Foyer. Zu später Stunde ruft ein Gast dem DJ zu: "Spiel doch mal was von Die Leute!" Der DJ leistet Folge, kramt seine CD raus – und nach kurzer Zeit fängt die Menge an mitzusingen. Nur einer steht da wie gefesselt und packt sein Smartphone aus.


Keine lose Wiedervereinigung, sondern eine echte Reunion

Ungefähr so muss die Szene ausgesehen haben, die Kropi, Gitarrist der Leute, so sehr rührte, dass er sie per Handy-Video festhielt, um sie mit seiner gerade erst unverbindlich wiederbelebten Band zu teilen. "Mitzubekommen, dass man uns offensichtlich noch hören will, das war schon ein gewisser Antrieb für uns."

Ein paar Monate später, an einem regnerischen Sonntagmittag, sitzen Die Leute auf Steinstufen vor dem Jugendzentrum Bad Krozingen, das sich im Keller der Realschule befindet. Hier haben sie sich zum Probenwochenende zusammengefunden, denn aus der losen Wiedervereinigung ist eine offizielle Reunion geworden: Am 20. Juli spielt die Freiburger Schrammel-Rockband auf dem ZMF ihr erstes Konzert seit Jahren, gefolgt von einem Auftritt im Bahnhof Münstertal am 4. August.

Warum Die Leute sich vor circa vier Jahren überhaupt zur Ruhe gesetzt haben, ist schwer in Worte zu fassen. "Wir waren wie eine Luftmatratze mit einem winzig kleinen Loch, die langsam und beständig leerer wurde", erinnert sich Sänger Tom. Gitarrist Hechta hatte sich bereits 2011 verabschiedet, ständig lernte die Band neue Musiker ein, um irgendwann doch festzustellen: "Wir spielen seit zehn Jahren den gleichen Rotz."

Wie’s weitergeht? Keine Ahnung! Sie wollen erstmal machen

Mit der nun vollzogenen Reunion in Originalbesetzung ändert sich daran zunächst nichts. Doch Die Leute, die sich seit Anfang des Jahres wieder wöchentlich im Proberaum treffen, stellen erleichtert fest: "Nach ein paar Jahren Pause hat man auch wieder Lust auf die alten Nummern." Und der Sound, für den die Freiburger stehen, funktioniert sowieso zeitlos: Garagenpop mit deutschsprachigen Texten, den man seinerzeit gerne mit Selig oder Echt assoziierte, und heute vielleicht eher mit Herrenmagazin oder Kettcar vergleichen würde.

Verlernt haben sie die Stücke nicht, eher stellenweise vergessen, doch meist gilt die Regel, die sich mittlerweile zum Running Gag entwickelt hat: "Die Finger wissen's noch." Kropi vergleicht es mit dem Fahrradfahren. Und so widmet sich die Band an jenem Sonntagnachmittag voller Geduld technischem Neuland – dem Bühnenkonzept In-Ear-Monitoring. Gefühlte zehnmal spielen sie denselben Song an, ehe nach vier Takten stets der Strom ausfällt. Also erst mal wieder umbauen. Die Leute behalten die Nerven. Die Reunion-Shows sollen ja gut klingen.

Die Bedeutung der zwei anstehenden Konzerte liegt auf der Hand – denn einen fixen Plan, wie es danach weitergehen soll, haben Die Leute nicht. Neue Songs sind jedenfalls nicht ausgeschlossen. "Oder wir spielen die nächsten zehn Jahre unseren alten Kram", scherzt Tom. "Das halte ich für unwahrscheinlich", erwidert Kropi. "Na ja, andere Bands hätten das besser machen sollen, denk an die Smashing Pumpkins oder die Pixies", so Toms Einwand. "Die Reunions mit den alten Sachen waren noch geil, aber dann kamen die neuen Platten – und jetzt will ich sie nicht mehr sehen."

Mit einem ähnlichen Phänomen sahen sich Die Leute schon vor ihrer zurückliegenden Schaffenspause konfrontiert, als Stücke entstanden, die den Proberaum nie verlassen haben. Am Schluss sei man falsch herangegangen, viel zu verkopft, erzählt Kropi. "Klar, wir wollten auch irgendwo besser und anspruchsvoller werden. Wir dachten halt, wir können das Rad neu erfinden. Aber das wurden leider alles Vierecke."

Eines scheint also sicher: Sollten Die Leute tatsächlich nochmal neue Musik schreiben, dann unter dem Credo "Back to Basics". Drei oder vier Akkorde, irgendwas daraus machen, und dann wird der Song entweder gut oder schlecht. Doch alles zu seiner Zeit. "Da sind wir noch nicht", sagt Tom. "Wir sind noch beim unkreativen Wiederaufgießen von alten Kaffeefiltern. Aber die schmecken noch."
  • Was: Die Leute
  • Wann: Donnerstag, 20. Juli 2017, 23 Uhr
  • Wo: Fürstenbergzelt auf dem ZMF
  • Eintritt: frei