Die lange Nacht der aufgeschobenen Doktorarbeiten: Gemeinsam denkt sich's besser

Christian Engel

Die Promovierendenvertretung "ProDoc" lud am vergangenen Freitag zur "Langen Nacht der aufgeschobenen Doktorarbeiten". In die "PhD-Lounge" in der Erbprinzenstraße durften all diejenigen kommen, die eine Nacht lang an ihrer Dissertation arbeiten wollten.



Kaffee und Cola standen schon zu Beginn bereit – ganz wichtig, denn am Ende der Studienzeit lechzt beinahe jeder Studierendenkörper nach Koffein. Der eine mehr, der andere weniger. Für den finalen Endspurt soll er noch einmal den letzten Push bekommen. Auf die Zielgerade der Studienzeit sind in Freiburg knapp 2500 Studierende eingebogen. Sie haben Magister, Diplome, Master oder Staatsexamen in der Tasche und wollen nun noch das Sahnehäubchen auf der Schwarzwälder Kirschtorte: die Doktorwürde.


ProDoc, gegründet von Doktoranden der Uni Freiburg, will diese Unterfangen in Freiburg unterstützen und wie eine Fachschaft die vielen Promovierenden vertreten. "Wir wollen die Rechte der Promovierenden langfristig stärken", sagt Teresa Jakob und betont, dass die Promotionsbedingungen für viele sehr schlecht seien. Da fehle es oft an Kommunikation, Austausch und Unterstützung.

Als erste große Veranstaltung im neuen Jahr hat ProDoc am Freitag die "Lange Nacht der aufgeschobenen Doktorarbeiten" veranstaltet, zu der alle kommen durften, die etwas an ihrer Dissertation machen wollten. 14 Promovierende stiefelten am frühen Abend mit Laptop in der einen und Kaffeebecher in der anderen Hand in die PhD-Lounge der Universität Freiburg. Dort warteten Knabbersachen, Kuchen und Koffein – und viele Schreibtische auf sie.

Unter ihnen waren zahlreiche Psychologen und Literaturwissenschaftler, dazu gesellten sich Neurologen, Chemiker und Ingenieure. "Schön, dass so viele gekommen sind", freute sich Pro-Doc-Mitglied Judith Praßer. "Wichtig ist uns, dass die Promovierenden heute Nacht an ihrer Dissertation arbeiten können oder neuen Schwung dafür bekommen." Auch der Austausch untereinander über allgemeine oder fachliche Themen sei ein großes Anliegen.



Nachdem sich die Promovierenden vorgestellt hatten und geklärt wurde, welche Pizzen später bestellt werden sollten, betonte Praßer, dass es in der Küche selbstverständlich Kaffee gebe. Und dann ging’s los. Laptops wurden aufgeklappt, die Bildschirme erhellten die Gesichter, die Texte und Aufsätze den Geist. Es wurde mucksmäuschenstill. Nur das Klackern der Tastaturen war zu hören und das ferne Gejaule der feierwütigen Studierenden aus der Innenstadt. Während manche sich dort die Birne matschig tranken, saßen andere bis spät nachts vor ihrer Doktorarbeit, feilten, schrieben, dachten nach und korrigierten.

"Die Idee finde ich lustig und genial", flüsterte Liridon Karcaj, der im Fach Psychologie promoviert. "Die Atmosphäre ist locker, animiert aber zugleich, etwas zu tun." Es sei wie im Fitnessstudio: "Da hast du einen gesunden Druck und hörst nicht so schnell auf." Noch bis tief in die Nacht saßen die Promovierenden fleißig beisammen.

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[Fotos: Michael Bamberger]