Marktstände

Die Kartoffelmarkt-Händler sind zurück am Rotteckring

Holger Schindler

Raus aus dem Schattendasein: Die "Kartoffelmarkt-Händler" sind nach jahrelanger Baustellen-Ausquartierung wieder zurück am früheren Standplatz Rotteckring

Vier Jahre lang fristeten sie eine Art Schattendasein an der Franziskanerstraße – die "Kartoffelmarkt-Händler". Sie fallen auf mit ihren bunten Marktständen und bieten kunsthandwerkliche Ware aus aller Welt an, alternative Mode, Schmuck, Tücher, Räucherstäbchen und etliches mehr. Ursprünglich hatten sie ihre Heimat auf dem Kartoffelmarkt – daher der Name. 2003 wurden sie an den Rotteckring verbannt, 2015 dann auf Grund der Großbaustelle dort ausquartiert. Jetzt sind sie zurück – und sehr glücklich darüber.


"Viele Leute kommen vorbei und sagen uns, dass sie sich freuen, uns wieder hier zu haben." Holger Meyer, Standbetreiber
"Wir sind alle froh, dass wir wieder hier an unserem früheren Standort sind", sagt Marlene Edele. Die 66-Jährige ist seit Anfang der 1990er-Jahre als Händlerin unterwegs und verkauft Schmuck aus Silber, Holz und Muscheln, Tücher und Ethno-Textilien. Ihre vollgepackten Auslagen laden wie bei etlichen anderen ihrer Händlerkollegen zum Verweilen ein. "Hier kommen einfach mehr Menschen vorbei, das verspricht auch mehr Kundschaft", erklärt die Stegenerin, die ursprünglich einmal Erzieherin gelernt aber nach einer Kinderpause ihr Berufsleben als Marktstandbetreiberin fortgesetzt hat. "Das war damals leichter mit meinen Aufgaben als Mutter vereinbar", erinnert sie sich.

Rund 20 Händler wechseln sich ab

"Viele Leute kommen vorbei und sagen uns, dass sie sich freuen, uns wieder hier zu haben", berichtet Holger Meyer (67). Er betreibt einen Stand mit seiner Partnerin Elke Dufner (64). Die beiden sind in Oberwinden im Elztal daheim und zählen sozusagen mit zu den Gründungsmitgliedern der "Kartoffelmarkt-Händler". 1976 hatten sie mit dem Verkauf ihrer Waren begonnen.

Auch bei Meyer und Dufner steht Schmuck im Mittelpunkt. "Wir bieten aber auch selbst gefertigte Stücke, zum Bespiel Haarspangen aus Holz", sagt der Händler.

Am neuen alten Standort gibt es nach Abschluss der Bauarbeiten mehr Platz als an der Franziskanerstraße. Dort konnten jeweils acht Händler zeitgleich tätig sein, am Rotteckring sollen es wie früher wieder elf sein. "Doch so einfach ist das gar nicht", wendet Marlene Edele ein. Am gestrigen Mittwoch waren nur sechs Händler vor Ort. "Die Stadt hat uns einen Plan geschickt, wie wir hier künftig elf Stände unterbringen sollen, aber das wird fürchterlich eng, weil wir insgesamt deutlich weniger Fläche nutzen können als vor der Umgestaltung des Rotteckrings", erläutert sie.

Insgesamt gab es zuletzt rund 20 Händler, die sich um die Standplätze bemühen. Ein rollierendes System sorgt dafür, dass alle zum Zug kommen, mit entsprechenden Pausen dazwischen. "Ich bin immer zwei Wochen lang hier am Rotteckring, dann eine Woche woanders in der Region, wo es Märkte gibt", so die Unternehmerin. Ihren Schmuck kauft sie großteils persönlich in Asien. Gerade sei sie von einer Tour aus Thailand zurückgekommen, wo sie schöne Stücke beschafft habe.

Der Standplatz koste sie etwa 70 Euro Gebühren pro Woche, die sie an die Stadt bezahlen müsse. "Und wenn man seine Standmarkierungen am Boden ein paar Mal überschreitet, etwa mit Kleiderständern, kann auch mal ein Bußgeld verhängt werden."

Im April könnte noch einmal ein Umzug anstehen

Für Bedauern sorgt bei den Händlern, dass es die großen Kastanienbäume an der Stelle nicht mehr gibt – sie sind im Sommer 2017 einem Sturm zum Opfer gefallen. "Jetzt wird es hier im Sommer sicher ziemlich heiß werden", fürchtet Holger Meyer. In dieser Hinsicht sei die schattige Franziskanergasse sogar ein etwas vorteilhafterer Platz gewesen – dies sei aber auch schon der einzige Vorteil des alten Standorts.

Anfang April könnte den "Kartoffelmarkt-Händlern" ein weiterer Umzug drohen. Die Stadt habe nur eine Erlaubnis bis Ende März erteilt, bestätigt Rathaussprecherin Martina Schickle. Dann stünden im Bereich "Am Schwarzen Kloster" Abdichtungs- und Sanierungsarbeiten an.
Die Händler sind in der Regel von 10 bis 18 Uhr mit ihren Ständen vor Ort.