1917

Die Immoralisten bringen die Russische Revolution als Gameshow auf die Bühne

Gina Kutkat

Sieben führende Köpfe der Russischen Revolution zocken gegeneinander – und am Ende wird einer sterben. Das Stück "1917 – Russisches Roulette" ist eine Geschichtsstunde, die man so nie gehabt hat. Am Donnerstag ist Premiere im Theater der Immoralisten.

Darauf muss man erst einmal kommen: Die Russische Revolution anhand einer Gameshow zu erzählen. Inklusive Moderator, Assistentin, Spielen, Applaus vom Band und natürlich Kandidaten, die gegeneinander antreten. Mit Fragerunden, Sachpreisen, Publikum und den obligatorischen Verlierern. Doch stehen im neuen Stück der Immoralisten keine gewöhnlichen Menschen hinter ihren Pollern. Die sieben führenden Köpfe der Russischen Revolution zocken hier gegeneinander: Zar Nikolaus II, Lenin, Miljukow, Trotzki, Kerenski, Kornilow und Alexander Parvus. Und weil das Stück "1917 – Russisches Roulette" heißt, kann man sich denken, dass am Ende jemand sterben wird.


fudder-Porträt: Das sind die Immoralisten


Fünf Runden dauert das Spiel bei den Immoralisten – und in jeder fliegt einer raus. "Weil sie es aus den unterschiedlichsten Gründen einfach vermasseln", sagt Regisseur Manuel Kreitmeier. Da ist zum Beispiel der russische Politiker Miljukow (Markus Schlüter), der 1917 für kurze Zeit Minister für Auswärtige Angelegenheiten der provisorischen Regierung in Russland war. Weil er die Friedensforderungen der hungernden Bevölkerung ablehnte, fliegt er bei den Immoralisten aus der Show. So ergeht es auch Zar Nikolaus (Jochen Kruß) oder dem Schwarzmarktkönig Alexander Parvus (Daniel Leers). Nur einer bleibt durch seinen bloßen Durchhaltewillen in jeder Runde im Spiel: Lenin (Florian Wetter). "Er hat die Russische Revolution erzwungen. Unterstützt durch das Versagen aller anderen", erklärt Florian Wetter.

Eine Geschichtsstunde, die man so nie erlebt hat

Wetter und Kreitmeier haben "1917" gemeinsam geschrieben und dafür stapelweise Bücher über die Russische Revolution verschlungen. Bei der Recherche fiel ihnen auf, dass diese in unterschiedlichen Schüben erfolgte. "Weshalb sich auch die Rundenbasis einer Gameshow als Setup anbot", sagt Wetter. Eigentlich wollten die beiden Theaterleiter ein Stück über die Zugfahrt von Lenin nach Petrograd schreiben, merkten dann aber, dass sie das Drumherum viel spannender fanden. "Mich ärgerte allerdings die spröde Kommunistensprache", sagt Kreitmeier. Also haben sie historische Fakten zusammengesucht und ein Stück in ihrer eigenen Sprache geschrieben. "1917" ist dadurch eine Geschichtsstunde, die man so selten gehabt hat: Spielerisch, interessant, lehrreich.

"1917" ist nach "1914" der zweite Teil von Kreitmeiers und Wetters Weltkriegstrilogie, die sich mit den Jahren 1914 bis 1918 beschäftigt und Themen aufgreift, die auch 100 Jahre später noch aktuell sind. Das Erstarken des rechten und linken Randes, sobald in Gesellschaften die politische Mitte zu inaktiv ist, beispielsweise. "Wir schauen zurück und fragen uns, was wir daraus lernen können", sagt Wetter.

Im Zentrum des künstlerischen Strebens der Immoralisten steht seit jeher der Gedanke, durch ihre Kunst verändert zu werden und auch in andern etwas zu verändern. Das gelingt ihnen in "1917" mit ihrem besonderen Blick auf einzelne Figuren, gepaart mit Polemik, subtilem Humor und der Vermittlung von Wissen. Man muss keine Geschichtsbücher wälzen, um das Stück zu verstehen. Aber man wird es spätestens hinterher tun.
  • Was: Premiere "1917 – Russisches Roulette"
  • Wann: Donnerstag, 11. Oktober, 20 Uhr, weitere Termine: Samstag, 13. Oktober, Donnerstag, 18. Oktober, Freitag, 19. Oktober, Samstag, 20. Oktober und weitere unter immoralisten.de
  • Wo: Theater der Immoralisten, Ferdinand-Weiß-Straße 9-11, 79106 Freiburg
  • Eintritt: 20 Euro, 13 Euro ermäßigt

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