Die Hundeleine, die (fast) alles kann

Miriam Jaeneke

Hundebesitzer müssen gut ausgestattet sein beim Gassi gehen: Im Dunkeln tragen ihre Lieblinge blinkende Halsbänder, und sie selbst zu jeder Tageszeit Leine, Tütchen für rückwärtige Ausscheidungen und solche mit Leckerli drin, dazu einen Tennisball oder anderes Spielzeug. Um ihnen das Leben zu erleichtern, haben Johannes Vogt (18) und Lukas Mulflur (19) vom technischen Gymnasium in Waldshut die mulitfunktionale Hundeleine entwickelt.



Rocky ist ein Bolonka, ein russischer Zarenhund. Rocky gehört der Freundin von Johannes. Und manchmal hört Rocky nicht so, wie er soll. Auch Lukas weiß, "wie mühsam das zum Teil mit ihm ist, wenn man Gassi geht und es kommt zum Beispiel ein anderer Hund." Nicht nur bei Rocky ist das ein Problem, wie Johannes und er sehr bald herausgefunden hatten: "Wir haben eine Umfrage unter Hundebesitzern gemacht und gefragt, ob andere auch das Problem haben, dass der Hund nicht zurückkommt, wenn man ihn nur ruft, ohne ihn zu belohnen. Das kennt, glaube ich, jeder Hundehalter. Da sind wir dann auf die Idee gekommen." Auf die Idee, einen Leckerli-Spender in eine Automatik-Leine einzubauen.




Dabei standen ganz pragmatische Überlegungen im Vordergrund: "Man soll, ohne sich die Hände schmutzig zu machen, ein Leckerli rauslassen können. Und die Leine ist mit nur einer Hand bedienbar. Das war uns wichtig", erklärt Lukas. Den Leckerli-Spender haben Johannes und er kombiniert mit einem Rufton: Man drückt auf einen Knopf am Gehäuse der Leine, der Rufton ertönt. Danach drückt man einen zweiten Knopf, das Leckerli fällt aus dem Gehäuse. Der Effekt: Nach Kurzem verbindet der Hund den Ton mit dem Leckerli und kommt zu Herrchen oder Frauchen gehechelt, um sich die Belohnung abzuholen.

"Wir haben einen Tierpsychiater, der sich auf Hunde spezialisiert hat, kontaktiert und gefragt, ob es eine gewisse Frequenz gibt, bei der Hunde sich wohlfühlen. Aber er hat gesagt, es kommt nicht so darauf an, was für ein Ton es ist, wichtig ist, dass man den Hund auf den Ton eingewöhnt", erzählt Lukas. So haben die beiden Tüftler einen normalen Piepser aus einem Elektrofachgeschäft in die Leine eingebaut.



[Lukas Mulflur und Johannes Vogt]

Über einen zusätzlichen Knopf lässt sich eine Taschenlampe einschalten. "Wir haben eine handelsübliche, relativ helle LED-Taschenlampe genommen und so abgetrennt und dann in das Leinengehäuse eingefügt, dass sie auch gut aussieht", sagt Lukas. Mit der Taschenlampe kann man im Dunkeln sowohl den Weg ausleuchten als auch den Hund im Auge behalten. "Gerade auf dem Land gibt es ja viele Waldwege, wo man mit dem Hund auch ohne Leine läuft. Man muss natürlich auch abends raus oder nachts, und gerade im Winter ist es gut, wenn man eine Taschenlampe dabei hat, die man nicht vergessen kann, weil sie in die Leine integriert ist."

Zwei Kammern, eine links und eine rechts, haben Johannes und Lukas in das Leinengehäuse eingebaut und dabei darauf geachtet, dass die Leine immer noch gut in der Hand liegt und das Gewicht gleichmäßig verteilt ist. Auf der einen Seite ist die Elektronik für Rufton und Taschenlampe untergebracht, in der anderen Kammer befindet sich der Leckerlivorrat zusammen mit der Mechanik, mit der man die Belohnerli herauslässt. "Wir wollten von den Hundebesitzern die Größe ihrer Leckerli wissen und die Form, und so haben wir auch herausgefunden, was am meisten verwendet wird. Von dieser Standardgröße passen schon 20 bis 30 Leckerli rein", sagt Lukas.

Haben sie die multifunktionale Hundeleine auch ausprobiert? "Ja, und es klappt", versichert er. Als Probiertier hielt Rocky her, der die Verbindung Ton gleich Leckerli rasch begriffen hatte. "Nach fünf, sechs Versuchen hat Rocky schon auf den Ton reagiert. Wenn er jetzt rumtollt auf der Wiese, kann man ihn mit dem Rufton rufen, sofern er nicht allzu weit weg ist, dann kommt er und holt sich sein Leckerli ab."

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