Die Höchste Eisenbahn im Jazzhaus: Jammen und Jammern auf hohem Niveau

Alexander Ochs

Zwei Stunden dauert das Konzert von Die Höchste Eisenbahn. Das Quartett beschert den Zuschauern im angenehm gefüllten Jazzhaus einen vergnüglichen Abend. Für Misstöne sorgte das Publikum selber.

Die Höchste Eisenbahn macht Halt in Freiburg, wäre aber – wie es schon mehrfach Lokführern passiert ist – um ein Haar durchgerauscht. Die Ansage, die Sänger Francesco Wilking zu Beginn macht, kann eindeutiger nicht sein: "Ich weiß, die Woche war voll und ihr habt viel erlebt. Aber jetzt ist Schluss! Die Naima habt ihr ja ganz schön kaputtgesabbelt", schreibt er dem Publikum streng ins Stammbuch, das beim Support-Act tatsächlich die Klappe nicht halten konnte. Um aber in seiner unnachahmlich selbstironischen Art gleich freudig hinzuzufügen: "Geil, dass ich gleich so aggro einsteige!"


Zum musikalischen Einstieg greift das Quartett aus Berlin einfach auf den Opener vom kürzlich erschienenen zweiten Album zurück mit der knackigen, ähem, Kurzformel "Wir haben so lange nachgedacht bis wir wütend waren". Lang der Titel, und langsam erschließen sich die natürlich auch weniger bekannten neuen Lieder der "Singer/Songwriter-Supergroup" um Moritz Krämer und Francesco Wilking, die beide in Südbaden aufgewachsen und schon lange nach Berlin abgewandert sind. Routiniert wechseln die Beiden die Positionen, sowohl beim Gesang als auch an Gitarre – sieben stehen bereit – oder an den Tasten, am Rhodes-E-Piano oder am Yamaha DX7. Multiinstrumentalist Felix Weigt sorgt vor allem für Basspower, während Ex-Makatsch-Mann Max Schröder sich ums Schlagwerk kümmert.

Comedy und Poesie

Verglichen mit den sonstigen Auftritten der Jungs plätschert es musikalisch an diesem Abend phasenweise etwas vor sich hin. Liegt es vielleicht an der aufgekratzten Stimmung? Auch hat man die Band schon wesentlich entspannter erlebt, zumal bei einem Quasi-Heimspiel. Und das bedeutet natürlich Jammen und Jammern auf hohem Niveau, denn die Songs sind fein ausziseliert und auch komplexer geworden. Und die Kracher vom Debütalbum ziehen und zünden bestens, egal ob das afrikanisch angehauchte "Schau in den Lauf Hase", die hingebungsvoll geschmachtete Ballade "Isi" oder das straight nach vorne gehende "Was machst du dann" als letzte Zugabe.

Die poetischen Texte wie auch die comedyhaften Ansagen sorgen für den typisch hohen Unterhaltungswert. Wenn Moritz Krämer zum Beispiel bei "Wer bringt mich jetzt zu den anderen" nach der ersten (!) Zeile abbricht und erstmal Francesco fragen muss, wie es weitergeht. Wenn Letzterer den Zuschauern, weil kein Zäpfle da ist, zuraunt: "Ihr trinkt Beck’s! Was für ’ne Demütigung!" Wenn Wilking in den Text von "Woher denn" unauffällig den Blumfeld-Klassiker "Draußen auf Kaution" einbaut. Oder wenn einfach mal eines der Weingläser, vom pulsierenden Bass forciert, minutenlang auf dem Bühnenvorbau neben der Monitorbox tanzt.