Nach dem Ende der HKDM

Die Hochschule Macromedia hat ambitionierte Pläne

Frank Zimmermann

Sieben Jahre gab es in Freiburg die private Hochschule für Kunst, Design und populäre Musik. Jetzt ist sie in der Hochschule Macromedia aufgegangen. Und die Zahl der Studierenden steigt.

Das eine Unterrichtszimmer könnte ordentlicher nicht aussehen, das andere bildet klassisches kreatives Chaos in Perfektion ab: Beim Gang durch die Hochschule Macromedia in der Haslacher Straße 15, die bis September Hochschule für Kunst, Design und Populäre Musik, kurz HKDM, hieß, finden sich genau die beiden Elemente wider, die die meisten der Studiengänge an der privaten Hochschule in sich vereinen: Theorie und fachliches Rüstzeug auf der einen, Praxis und Kreativität auf der anderen Seite.


Die Situation für Studierende soll sich verbessern

Im Herbst 2011 wurde in Freiburg eine vielversprechende neue, künstlerisch ausgerichtete Hochschule mit Bachelor-Abschluss und staatlicher Anerkennung ins Leben gerufen. Die Anfangsjahre verliefen – bei allem Aufbruchsgeist – nicht ohne Probleme: Die Zahl der Studierenden blieb hinter den Kalkulationen zurück. Nach einer Weile wurden die Studierenden ungeduldiger, einige kritisierten die Ausstattung und Verwaltungsabläufe, die Kritik tauchte fünf Jahre nach der Gründung auch im Reakkreditierungsbericht des Wissenschaftsrates auf.

So machten sich die Gründer auf die Suche nach einem finanzstarken Geldgeber – und fanden ihn 2015 im international agierenden Bildungsriesen "Galileo Global Education", der 90 Prozent der HKDM-Anteile übernahm und unter dessen Dach damals bereits die Hochschule Macromedia angesiedelt war. Zu den drei HKDM-Studiengängen in den Fächern Bildende Kunst, Populäre Musik und Design (früher Integrierte Gestaltung) kam das Macromedia-Fach Medien- und Kommunikationsmanagement hinzu sowie mit "Culinary Arts und Food Management" auch etwas ganz Neues – mittlerweile sind 24 Studierende in dem Fach eingeschrieben.

Zudem investierte der neue Eigentümer rund eine Viertelmillion Euro in Ausstattung, Räume und Verwaltung; Buchhaltung und Verwaltung wurden an das Macromedia-Netz angedockt. Auch wenn der neue Campusdirektor Michael Wirbel ankündigt, dass es keine nach außen sichtbaren, "schlagartigen Veränderungen" gebe, haben die Studierenden Veränderungen in Gebäude und Studium registriert. Was sie noch vermissen, ist eine Mensa oder Cafeteria, der Weg zur Unimensa an der Rempartstraße ist weit. Für eine eigene Mensa sei die Hochschule aber zu klein, sagt Wirbel.
Die Hochschule Macromedia

Die Studiengebühren für Bildende Kunst, Populäre Musik und Design liegen aktuell bei 590 Euro monatlich, für Medienmanagement und Culinary Arts und Food Management bei 650 Euro monatlich. Im Wintersemester 2018/19 gibt es 95 Erstsemester sowie 21 Teilnehmer in studienvorbereitenden Kursen wie dem Vorstudium Musik, dem Vorstudium Design und dem Mappenkurs. Insgesamt studieren auf dem Freiburger Campus 291 Studierende: 24 das Fach Culinary Arts und Food Management, 55 Medienmanagement, 94 Design, 17 Informatik für Audiovisuelle Medien, 23 Bildende Kunst und 78 Populäre Musik.

Der alte Name ist seit Oktober komplett Geschichte, die HKDM formal mit der Hochschule Macromedia, bislang in Bayern und nun in Baden-Württemberg akkreditiert, verschmolzen. Baden-Württemberg sei privaten Hochschulen gegenüber offener, liberaler, unternehmerisch positiver eingestellt als die Regierungen anderen Bundesländer. "Baden-Württemberg ist da ein Traum", sagt Jobst. Die HKDM habe keine 50 Jahre alte Tradition, wohingegen der Name Macromedia ein "Schwergewicht" in der privaten Hochschullandschaft sei, begründet Wirbel die Tilgung der Freiburger Marke. Dass Studierende öffentlich Kritik an der HKDM geübt hatten, mag ein Übriges zu der Entscheidung beigetragen haben, das alte Label loszuwerden, auch wenn Wirbel sagt: "Es hat weh getan, loszulassen"; die Studierenden fühlten sich aber wohler unter dem neuen Dach. Studiendekanin und Designprofessorin Karin Jobst versichert, dass die HKDM keineswegs "glatt gebügelt" werde: "Das ist wirklich ein Zusammenwachsen."

Der Campus Freiburg ist einer von bundesweit sechs Macromedia-Standorten neben der Zentrale in München und den Campus Berlin, Hamburg, Köln und Stuttgart. Insgesamt studieren dort 3000 Studierende, die von 100 Professoren unterrichtet werden. In Freiburg kümmern sich 17 festangestellte Professoren und 60 Lehrbeauftragte um die 291 Immatrikulierten, zudem gibt es 21 Teilnehmer an studienvorbereitenden Kursen.

Ein Drittel mehr Studierende registriert die Hochschule

Der Plan scheint aufzugehen: Fast 100 neue Studentinnen und Studenten, ein Drittel der Gesamtzahl und doppelt so viele wie im Vorjahr, haben zum Wintersemester ihr Studium in Freiburg aufgenommen. "Das ist viel für uns", sagt Studiendekanin Jobst, die seit fünf Jahren an der privaten Hochschule lehrt. 300 Studierende sind zwar noch nicht genug, dass sich die ohne staatliche Förderung auskommende Macromedia finanziell alleine trägt, aber doch ordentlich. Mittelfristig werden 500 bis 600 Studierende anvisiert, dann würde sich die Hochschule ganz durch Gebühren tragen. Das Ziel sei "ambitioniert, aber nicht unrealistisch", sagt Wirbel. Eine staatliche Förderung wäre für ihn ein "Add-on", ein willkommener Zusatz: "Wir brauchen staatliche Förderung, sind aber nicht davon abhängig." Würde die Hochschule über 600 Studierende hinaus anwachsen, müsste über weitere Räume, etwa einen Anbau, nachgedacht werden.

Wichtig ist Jobst, dass die Hochschule in Stadt und Region strahlt und mit Institutionen kooperiert, so wie zum Beispiel bei Projekten mit der Verkehrs-AG, der Unikinderklinik und dem Aka-Filmclub der Universität. Im kommenden Jahr sollen die ersten beiden dreisemestrigen Masterstudiengänge Design Management und Medien- und Kommunikationsmanagement an den Start gehen. Zudem, sagt Wirbel, denke man darüber nach, einen Master in Musik einzuführen und eine Meisterklasse Bildende Kunst. Und: Von anderen Macromedia-Standorten sollen die Bachelor-Studiengänge "Fashion Management" – das Modefach wird bislang in Berlin angeboten –, "Healthcare Management" und Medien-/Musikmanagement übernommen werden. Wer ein Fach an einem Standort studiert, kann fortan auch an einen anderen wechseln, wenn es das Fach dort gibt. Dekanin Jobst beschreibt ihre Vision eines Macromedia-Studiums: ein Jahr in Berlin, ein Jahr in Freiburg und ein Jahr Köln.


Das sagen Studierende der Hochschule Macromedia

Max Lindenmann aus Ulm wollte nochmal neu anfangen: Sein BWL-Studium hatte der gelernte Banker abgebrochen, weil ihn da "nichts wirklich gepackt" habe. Der 28-Jährige hatte sich schon immer für Essen und Kochen interessiert und mehrere Jahre in einem Catering-Unternehmen gearbeitet, so lag es für ihn nahe, den neu entwickelten Studiengang "Culinary Arts and Food Management" auszuprobieren. Sein vorläufiges Fazit: "Bislang bin ich super zufrieden."

Annika Langer hatte es zunächst mit einem Anglistikstudium an der Uni Freiburg versucht. "Ich war unzufrieden." Die Perspektive damit sei "alles oder nichts" gewesen. Über eine Freundin, die schon an der HKDM Fotografie studierte, kam sie auch dorthin – und ist mittlerweile im dritten Semester Designstudentin. Sehr kreativ sei das. "Wir sind vollkommen frei in unserer Arbeit." Jedes Semester habe einen anderen Themenschwerpunkt. Sie habe im Austausch mit Studierenden anderer Hochschulen festgestellt, dass die Macromedia vom Niveau her mithalten könne. Dass die Zahl der Studierenden niedrig und das Verhältnis zu den Lehrenden dadurch persönlicher und direkter ist, findet die 21-Jährige gut. Für Felix Meyer war genau das der Grund, an der privaten Freiburger Hochschule zu studieren. Die Möglichkeit zum engen Austausch mit den Dozenten nehme ihm die Angst vor der Bachelor-Arbeit. Dass er sein Filmdesign-Studium in München zugunsten eines Medienmanagement-Studiums in Freiburg abbrach, bereut er nicht. Auch die Freiburgerin Bilge Kizil hat ihr Anglistikstudium an der Uni Würzburg aufgegeben: "Ich wusste, dass ich in dem Bereich nichts machen würde." Sie habe dann auf den Rat ihrer Familie gehört und sich für ein kreatives Fach – Design mit Schwerpunkt Fotografie und Bewegtbild – entschieden. Die 25-Jährige denkt schon über ein Masterstudium, etwa in "Art Direction", nach.

Von weit her, aus Indonesien, kommt die 21-jährige Elizabeth Audrey. In ihrer Heimat gebe es nicht viele Möglichkeiten, Musik zu studieren. So folgte sie ihrem Bruder, einem Studenten der Musikwissenschaft, nach Deutschland. Da die Pianistin und Keyboarderin nicht klassische Musik studieren wollte, kam sie an die HKDM. Ihre Wahl hat sie bislang nicht bereut.