Die Helden des 'Trotzdem'

Carolin Buchheim

In den Neunzigern wurden sie als One-Hit-Wonder abgestempelt, von ihrer Plattenfirma geschasst und machten danach - von der breiten Masse so gut wie unbemerkt - mit Let go eine der besten Indiepop-Platten dieses Jahrtausends, ach was: ever.Am Montag sind sie in Freiburg, die 3 New Yorker Herrenvon Nada Surf. Hingehen! Es war die Strafe des MTV-Hits. Das Jahr war 1996, alle Bands klangen wie Weezer, das Nerd- und Außenseitertum war plötzlich cool und Nada Surf's 'Popular' war das zynisch-fluffige Stückchen melodischer Sommerpop, in dem alles kulminierte.Es folgte die Dauerrotation auf MTV; 'Popular' war der richtige Song im richtigen Moment. Aber eben auch: nur für den Moment. Was ganz wunderbar in den Moment passt, das passt im nächsten Moment eben gerade nicht mehr.Nachdem aus Nada Surfs ersten Album High/Low keine zweite Single wie 'Popular' herauszuholen war, und das Folge-Album The Proximity Effect (1998) in Europa eher unterkühlt empfangen wurde, wurde das Album in den USA gar nicht erst veröffentlicht, und die Band von ihrer Major Label Elektra unter 'Z' wie 'Zukunftsloses One-Hit-Wonder' einsortiert und gefeuert. Aber Nada Surf - und jetzt kommt der Satz, der in eigentlich in jeder Bandgeschichte vorkommt - gaben nicht auf. Sie warteten zwei Jahre bis Elektra ihr Album herausrückte, sie finanzierten Dauer-Tourneen mit Merchandise Verkäufen und ihren Kreditkarten und kündigten ihrem Management, nachdem dieses ihnen vorgeschlagen hatte, einfach den Bandnamen zu ändern, damit niemand mehr 'Popular' mit ihnen assoziieren würde.Die Band brachte im Jahr 2000 The Proximity Effect noch einmal im Eigenverlag heraus und nahm im Anschluss daran das mittlerweile kultisch verehrte, legendäre Album Let go auf, das nach den schlechten Erfahrungen bei einem Major-Label auf dem Seattler Indie Label Barzuk veröffentlich wurde.'Let go': 13 melodisches Songs zwischen Introspektion, Erinnerung, Einsamkeit und Emotion, getragen von Matthew Caws Stimme und seiner schrammeligen Gitarre. 13 großartige Songs über Fruchtfliegen in Sandwichtüten, Schneestürme in der Kindheit, Vergänglichkeit, Bob Dylan's 'Blonde on Blonde' und die Sehnsucht nach der großen Liebe. Ein wunderschönes Album, das aus dem Nichts gekommen zu sein schien, und Nada Surf auf ein Level mit Amerikanischen Indie-Größen wie Deatch Cab for Cutie, The Shins und Spoon brachte und mit dem sie den Beweis lieferten, dass Bands ihren Höhepunkt auch lang nach dem Ende der MTV-gesteuerten Massenaufmerksamkeit erreichen können.Im Herbst letzten Jahres veröffentlichten Nada Surf dann mit The Weight is a Gift ein Album, dass beim ersten Hören beinah irritierend leicht und oberflächlich erscheint.Ein typisches Schrammel-West-Coast-Pop-von-der-East-Coast über Good Times, könnte man meinen, aber es ist genau das Gegenteil, ein Album das unter drei Lagen Kryptik von kaum auszuhaltendem Betrug und Verletzung und Schmerz erzählt, von dem schweren Gewicht, das dein Herz herunterzieht.Mitten in den Aufnahmen zum 'Let go' Nachfolge-Album erlebte Matthew Caws ein vollkommen unvorhergesehenen privates Drama, das wohl weit über die üblichen 'Ich komm' von meiner Freundin nicht los'-Probleme, die Singer/Songwriter sonst schon mal so haben, hinausgegangen sein muss. Die Aufnahmen für das Album wurden für mehrere Monate unterbrochen, und als man sich wieder im Studio zusammenfand, da stellte Matthew Caws fest, dass er schon vor dem privaten Super GAU Songs über das geschrieben hatte, was später passieren sollte.Aber das Gewicht das Dein Herz herunterzieht ist eben ein Geschenk. "Maybe this weight was a gift like i had to see what I could lift" singt Matthew Caws in 'Do it again', dem ersten Song des Albums.Ziemlich lahme Weisheit, aber: jedes Drama macht einen eben stärker und schlauer, und danach ist vielleicht noch nicht wieder alles sofort gut, aber doch ganz bestimmt besser."Fuck it, I'm gonna have a party" heisst es dann eben auch in 'Blankest Year', einem 2 Minuten Rocksong darüber, sich von jemandem ganz bewusst nicht das Leben verderben zu lassen, und auch das ist die Botschaft dieses schönen Albums.Die privaten Dramen ungekannten Ausmaßes hat man jetzt also hinter sich gelassen, und getreu dem Motto per aspera ad astra haben die Herren Caws, Lorca und Elliott sie in einem schönen, tröstenden, melodischen, rockenden Album vebraten, und jetzt wird ausgiebig getourt, und das können sie gut.Auf dass jetzt erst mal alles gut läuft, für die Herren Nada Surf. Ich wünsch' es ihnen von Herzen.Nada Surf haben natürlich eine Website, sind bei MySpaceund alle Songs von 'The Weight is a Gift' kann man in einer eCardanhören. Aussedem verschenken sie mp3s von

 
und
 
.Vorbands am Montag sind Goldrush (Website/MySpace) und Clovis (Website).Was: Nada SurfWann: Montag, 10. April, 20 UhrWo: Jazzhaus, Freiburg