Die Gute Musik ist aus

Dennis Wiesch

Schlechte Musik gibt es genug. Das dachten sich auch Jan Obri und Tom Lissy vor genau fünf Jahren und riefen die Partyreihe "Gute Musik" ins Leben, die schnell zu einer Freiburger Institution in Sachen Indierock und Britpop wurde. Am kommenden Samstag, 7. Mai 2011, findet nun im Ruefetto die letzte "Gute Musik" statt. Gemeinsam mit den beiden Gründern der Veranstaltungsreihe blickt fudder-Autor Dennis Wiesch auf ein halbes Jahrzehnt guter Musik zurück.



Alles fing mit einem kleinen Schreibfehler an: Während eines Besuchs der damaligen Party „High Fidelity“ im Ruefetto kam Jan mit dem Organisator, Alex Viol, ins Gespräch und zeigte Interesse, an der Veranstaltung mitzuwirken. E-Mail-Adressen wurden ausgetauscht und eine E-Mail geschrieben - allerdings kam lediglich eine Fehlermeldung zurück. „Das war für mich die Initialzündung, einfach was Eigenes zu versuchen,“ sagt Jan. "Ich hab daraufhin Tom von meiner Idee erzählt, und kurze Zeit später hatten wir auch schon einen Termin für unsere erste Party im Ruefetto ausgemacht“ - den 30. April 2006.

Über eigene Erfahrung in Sachen Auflegen und Organisation einer Veranstaltung verfügten beide bis dahin gar nicht. Tom durfte in der Vergangenheit zumindest auf diversen WG-Partys mal an den Reglern stehen; der eigene Antrieb bestand vor allem im Aufkommen des „Indie-Rock 2.0“, wie Jan, als DJ unter dem Namen Mr. Brightside bekannt, ihren Sound treffend nennt.

„Brit Pop war zu jenem Zeitpunkt schon lange am Ende, und Anfang der Nullerjahre war gerade in der gitarrenlastigen Musikrichtig Ebbe angesagt.“ Das sollte sich aber schlagartig ändern, als haufenweise neue Bands, die mit "The" begannen, aber auch innovative Gruppen wie Franz Ferdinand und Maximo Park wie Pilze aus dem Boden schossen.

An eine regelmäßig stattfindende Partyreihe haben die beiden damals noch keinen Gedanken verschwendet. Das Vorhaben war eher, einem größeren Publikum mal die eigenen Lieblingsplatten vorzuspielen. „Gerade in jenem musikalischen Bereich, in dem wir uns nach wie vor aufhalten, gab und gibt es hier in Freiburg viel zu wenige Möglichkeiten, wegzugehen," sagt Tom, der unter dem Pseudonym La Breeze, nach dem gleichnamigen Song von Simian, auflegt (Bild rechts).

"Durch diverse Gespräche im Freundeskreis hatten wir aber absolut das Gefühl, dass es vielen Leuten ähnlich ging, und so war es auf jeden Fall einen Versuch wert.“ Dieses Gefühl sollte sich als zutreffend erweisen, gab es doch direkt bei der ersten Party einen Einlassstopp.

Beide Räume des Ruefetto nutzen die Organisatoren erst seit 2009, zu diesem Zeitpunkt hatte die Party auch endlich seinen bis heute fest etablierten Termin am ersten Samstag im Monat. Zum dreijährigen Geburtstag wurden Jan Wennekers alias „Cohen“ und Jule Markwald alias „A Noisy Mod“ zum festen Bestandteil des Teams und unterstützen seitdem die beiden Gründer bei der Flyergestaltung, Organisation und musikalischen Unterhaltung.

„Dass wir vor zwei Jahren den zweiten Raum mit dazu genommen haben, war absolut sinnvoll“, sagt Tom. „Jan und ich haben zu diesem Zeitpunkt gerne auch mal elektronisch produzierte Songs – Indietronic – in unseren Sets gespielt, während die beiden Neuen nach wie vor eher den klassischen Gitarrenrock-Sound, angereichert durch eine gehörige Portion Folk und Pop, auflegen.“

„Irgendwie haben wir es geschafft, Narrenfreiheit bei unserer Musikauswahl zu haben“, fährt Tom fort. „Wir konnten viele Experimente wagen und viele neue, in dem Moment eher unbekannte Lieder einstreuen, die sich nach einiger Zeit zu wahren Gute-Musik-Hits entwickelten," so Jan. Hin und wieder hätten sie auch ganz offensichtliche Hits sowie Motown-, Beatles- und Stones-Klassiker gespielt.

„Jan und ich hatten auf jeder Party einen roten Faden, aber ich glaube, dass den manchmal auch nur wir beide tatsächlich erkannt haben“, sagt Tom und lacht. „Es schadet bestimmt nicht, einen Sinn für Humor zu haben, wenn man unsere Partys besucht.“

Über all die Jahre hat sich das Team natürlich eine ordentliche Fanbase aufgebaut, aber zu jeder Party, auf denen der Einlassstopp mittlerweile schon zur Normalität geworden ist und die Schlange teilweise bis zum benachbarten Café Atlantik reicht, tauchen auch immer wieder neue Gesichter auf. „Man spürt deutlich, dass unsere Gäste kommen, weil sie tanzen und Spaß haben wollen und auch immer mal lauthals eine Rock-Hymne mitgesungen werden kann“, sagt Jan (Bild links).

Neben vielen auffälligen und mit Liebe gestalteten Flyern hat sich die Party noch durch ein weiteres Gimmick einen Namen gemacht: Akribisch haben beide DJs auf jeder einzelnen Party bis heute während des Auflegens die Playlist mitgeschrieben und im Nachhinein veröffentlicht. Ein toller und ungewöhnlicher Service, der es leicht möglich gemacht hat, die Party am nächsten Tag noch einmal zu rekapitulieren.

Betrachtet man die Playlists, sticht eine Sache direkt ins Auge: der letzte Song. Viel wurde schon über den gebührenden Abschluss einer Party sinniert und diskutiert. Die beiden bekennenden Oasis-Fans haben sich direkt am Ende der ersten Nacht für deren Hymne „Don’t Look Back In Anger“ entschieden, die bis heute den endgültigen Schluss einer jeden Party verkündet. Jan und Tom sind sich ziemlich sicher, dass sie sich Anfang Mai, wenn die Akkorde dieses 90er-Klassikers erklingen, zumindest heimlich eine Träne aus dem Auge wegwischen müssen. „Ohne diesen Song geht bei uns mittlerweile keiner mehr nach Hause“, sagt Jan wehmütig.

Man spürt beim Gespräch mit den beiden ganz deutlich, dass sie diese Party mit viel Leidenschaft zur Musik veranstaltet haben. „Unsere Ambition war von damals bis heute immer die Gleiche“, da sind sich beide sofort einig. „Wir haben fünf Jahre lang das Freiburger Nachtleben relativ erfolgreich mitgestaltet, darauf können wir wirklich stolz sein“, sagt Tom. „Jan und ich haben uns sowohl organisatorisch als auch als DJs richtig gut ergänzt und waren in vielen Handlungen einfach sehr eingespielt, was garantiert zum Erfolg unserer Party beigetragen hat“.



„Klar war es gelegentlich auch sehr stressig und während der Vorbereitungen etwas nervig, aber letzten Endes hat jeder von uns diesen Stress immer gerne in Kauf genommen. Vor allem, weil wir immer ein richtig gutes Team um uns herum hatten, dass mit genauso viel Herzblut bei der Sache war wie wir selbst“.

Bei den meisten Teammitgliedern stehen in den kommenden Monaten berufliche Veränderungen, Refendariat, Umzug und Uni-Abschluss an, so dass der fünfte Geburtstag als der perfekte und gebührende Abschluss von Gute Musik angesehen wird. „Besser als momentan kann es einfach nicht mehr laufen. Und warum nicht einfach aufhören, wenn es am schönsten ist", sagt Jan. "Wir hatten fünf Jahre lang enorm viel Spaß, unzählige schöne und unvergessliche Momente erlebt und haben viele neue Freunde gefunden und Kontakte geknüpft. Wie soll man das noch überbieten?“

Vielleicht gibt es irgendwann in der Zukunft noch mal eine gemeinsame Party unter diesem Namen, aber daran wird die nächsten Monate definitiv nicht zu denken sein. „Im Sommer wird es noch eine „Die kleine Tanzbar meets Gute Musik“ im Waldsee geben, mehr aber auch nicht.
So wird es also am 7. Mai 2011 zum letzten Mal die Gute Musik im Ruefetto geben, und man darf sicher sein, dass auch diesmal derselbe letzte Song gespielt wird wie immer. Zorniger Rückblick? Auf keinen Fall.

Gute Musik Anniversary Trailer

Quelle: Vimeo


Mehr dazu:

Was: Gute Musik
Wann: 7. Mai 2011, 23 Uhr
Wo: Ruefetto
Eintritt: 4 Euro

Foto-Galerie: Gute Musik

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