Die Grüne Welle: Zufall oder Planung?

Ingemar Peise

Eine Autofahrt durch Freiburg ist meist eine zähe, nervenaufreibende Angelegenheit. Oft fährt man von der einen roten Ampel los, um an der nächsten wieder anzuhalten. So zumindest kommt es einem vor. Täuscht der Eindruck? Oder gibt es etwa vielleicht doch eine "Grüne Welle" in Freiburg? Und wenn ja, warum funktioniert sie nicht? Ingemar hat sich auf die Suche nach der perfekten Welle gemacht.



Grüne Welle, so nennt man die zeitlich abgestimmte Schaltung der Ampeln, die es Autofahrern ermöglicht, mehrere Kreuzungen zu überfahren, ohne anhalten zu müssen. Voraussetzung der Grünen Welle ist das Einhalten der vorgebenen Geschwindigkeit. Ist dies nicht der Fall, so gerät der Verkehr ins Stocken.


Um eine Grüne Welle zu ermöglichen, müssen verschiedene Faktoren beachtet werden. Dazu gehören die Weglänge zwischen den Kreuzungen und die Zeit, die benötigt wird, um diese zurückzulegen. Daraufhin wird eine Festgeschwindigkeit festgelegt und die Grünphasen der Ampeln koordiniert.



Auch wenn man es manchmal nicht merkt: Es gibt die Grüne Welle in Freiburg, und zwar auf einigen Hauptverkehrsstraßen. Konkret sind das beispielsweise:

  • Lembergallee
  • Mooswaldallee
  • Besanconallee
  • B31
  • Schwarzwaldstraße
  • Leopoldring
  • Schlossbergring
  • Friedrichring
  • Bahnhofsachse
  • Baslerstraße
  • Eschholzstraße
  • Berliner Allee
  • Hermann-Mitsch-Straße
Durch die Grüne Welle soll an an diesen Knotenpunkten möglichst vielen Verkehrsteilnehmern eine möglichst kurze Wartezeit und im besten Fall eine anhaltefreie Fahrt geboten werden.
Dabei ist wahrscheinlich jedem Fahrer, sei es zwei- oder vierrädrig, bereits aufgefallen, dass es jedoch gewisse Einschränkungen gibt. Horst Groth, im Garten- und Tiefbauamt der Stadt für die Verkehrssteuerung tätig, erklärt: "Bei der grünen Welle stößt man an die Grenzen der Geometrie. Eine optimale grüne Welle in beide Fahrtrichtungen ist nur dann möglich, wenn zwei Knotenpunkte einen ganz bestimmten Abstand zueinander haben. Beispielsweise wäre zwischen 2 Knotenpunkten bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h und einer Ampel-Programm-Umlaufzeit von einer Minute der perfekte Abstand 400 Meter."

Naturgemäß ist dies in den häufigsten Fällen nicht möglich, somit kann nur eine Verkehrsrichtung optimiert werden. In den meisten Großstädten, so auch in Freiburg, wird auf diese Problematik eingegangen. Da morgens der Verkehr stadteinwärts stärker als auswärts ist, werden die Ampeln so geschaltet, dass diese Richtung störungsfreier zu fahren ist. Wenn abends der Verkehr dann umschwingt, wird wieder gewechselt.



Grundsätzlich wird in allen Städten Wert auf aufeinander abgestimmte Ampeln gelegt. Nur gibt es meist unterschiedliche Prioritäten. "Hier in Freiburg wird der ÖPNV (Öffentliche Personennahverkehr) zum Beispiel durch einen Gemeinderatsbeschluss bevorzugt", erklärt Hort Groth. "Das heißt im Klartext: Straßenbahnen oder Busse haben an speziellen Knotenpunkten Vorrecht vor dem sogenannten Individualverkehr." (Siehe Bild unten)

Auch wenn keine Straßenbahn im Spiel ist, kommt es trotzdem meist zu Wartezeiten. Denn jeder Knotenpunkt hat eine bestimmte Leistungsfähigkeit, denn in einer bestimmten Zeit kann nur eine bestimmte Anzahl von Autos passieren.

Ein reibungsloser Ablauf ist nur dann gewährleistet, wenn diese Auslastung unter 85-90 % liegt. Wird diese Grenze überschritten, so kommt es zu Störungen, weil einzelne Fahrzeuge es nicht über die Kreuzung schaffen, und dahinter ein Stau entsteht. Der Gedanke "Das staut sich wieder, weil die grüne Welle nicht stimmt!" ist also unangebracht, vielmehr ist es oft umgekehrt, weil die Geschwindigkeit nicht eingehalten wird, oder einfach zu viel Verkehr ist.



In manchen Städten ist es Fahrern von Feuerwehr, Polizei und Krankenwagen möglich, Ampeln manuell umzuschalten, was ein schnelles und gefahrenfreies Durchkommen erleichtert. In Freiburg wird diese Technik jedoch nicht angewendet. "Dieses Verfahren bedarf eines sehr hohen Planungsaufwandes. Soll gewährleistet werden, dass ein Einsatzfahrzeug auf jeden Fall auf eine grüne Ampel an der nächsten Kreuzung trifft, so müsste schon früh die Route bekannt sein", erklärt Horst Groth. "Diese ist aber meist nur bedingt planbar."

In Freiburg ist die Einführung dieses Verfahrens auch nicht absehbar. Einzige Ausnahme ist die Feuerwehrausfahrt in der Eschholzstraße, dort kann der Verkehr konkret beeinflusst werden, damit die Einsatzfahrzeuge schnell hinauszukommen.