Die Göttin des Zorns und das Massensterben

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, warum die Dinosaurier ausgestorben sind? Nach der gängigsten und plausibelsten Theorie war der Grund ein Kometeneinschlag in der Nähe der mexikanischen Halbinsel Yucatan, der verheerende und langwierige klimatische Auswirkungen hatte. Doch das war nicht das erste Mal, dass so ein Massenaussterben auf der Erde stattfand. Diese Regelmäßigkeit brachte Forscher auf die Idee eines kleinen braunen Begleiters der Sonne.

An diesen vermehrt auftretenden Kometeneinschlägen gibt es einen, bisher nur theoretisch existenten, Schuldigen, nämlich Nemesis. Das ist nicht der zehnte und schlechteste Star-Trek-Film, sondern ein nach der griechischen Göttin des Zorns benannter brauner Zwerg, der etwa so groß wie Jupiter ist, aber ungefähr vierzigmal schwerer.


Dieser umkreist die Sonne in einem elyptischen Abstand von einem bis drei Lichtjahren und ist wegen dieser Distanz und seiner geringen Leuchtkraft bisher nicht zu beobachten. Was man aber beobachten kann und weshalb man seine Existenz annimmt, ist sein Einfluss auf die Oortsche Wolke. Diese Ansammlung von Brocken, Eis und Staub  befindet sich ganz weit draußen im Sonnensystem, etwa 3oo bis 100.000mal so weit von der Sonne entfernt wie die Erde.

Die Anziehungskraft des hypothetischen Nemesis bewirkt nun in regelmäßigen Abständen, dass sich kleinere und größere Brocken aus dieser Oortschen Wolke lösen und zu Kometen werden, die ins Innere des Sonnensystems eindringen. (Dass dieses Loslösen am Lagrangepunkt L1 passiert, sei hier nur für interessierte Mathematiker erwähnt.)

Diese regelmäßigen Abstände betragen um die 27 Millionen Jahre, was der Umlaufzeit von Nemesis entspräche und in denen auf der Erde mit einem gehäuften Auftreten von Kometen zu rechnen ist. Natürlich hat nicht jedes Mal ein Komet in ausreichender Größe die Erde getroffen, um ein Massensterben zu verursachen. Aber die fünf großen in der Geologie bekannten Massensterben passen alle in diese Periodizität rein.

Doch bei so großen Raum- und Zeitabständen ist der Schätzfehler, der unweigerlich eintritt, nicht zu missachten. Deshalb gilt die Existenz von Nemesis zwar als viel erklärende Theorie, jedoch sind noch keineswegs sämtliche Zweifel daran beseitigt. Im Jahr 2009 ist eine NASA-Mission geplant, die Nemesis erstmals beobachten könnte.