Die Gefahr der Unverlierbarkeit

Dirk Philippi

Beinahe einen Monat liegt der Bowlingabend zurück, der die Wende gebracht und aus dahin dümpelnden Wölfen die "Unverlierbaren" gemacht haben soll. Seit nunmehr neun Spielen in Folge haben Freiburgs Eishockeyaner keinen einzigen Punkt mehr abgegeben und stehen nach dem gestrigen 4:2-Heimsieg gegen Peiting nun auf dem zweiten Tabellenplatz. Mit den Siegen wächst in der Oberliga-Mannschaft der Stunde allerdings auch eine Gefahr (Mit Audiomitschnitt der Pressekonferenz).



Wer gestern Abend unter den 1200 Zuschauern in der Franz-Siegel-Halle weilte, konnte sich dem Eindruck nicht verwehren, dass im Team von Erfolgstrainer Peter Salmik mittlerweile die Mechanismen Einzug gehalten haben, die sich so oft im Falle einer sportlichen Siegesserie einzunisten wissen: Die Mannschaft gewinnt, begeistert, gewinnt wieder und gewinnt erneut – so weit, so wunderbar! Doch plötzlich verlässt sich ein Großteil des Teams auf das Gesetz der Serie bzw. ist so vollgepumpt mit Selbstvertrauen, dass es die kleinen Dinge vergisst, die für solch einen Siegeszug erst von Nöten waren, oder manche ihre gestalterischen Fähigkeiten überschätzen. Das Ergebnis: Das Zusammenspiel leidet und Fehler schleichen sich ein, die von einigen wenigen ausgebügelt werden müssen, was glücklicherweise bis jetzt (noch) gut geht.


Bereits im Heimspiel gegen Deggendorf konnte man beobachten, dass vor allen Dingen die Defensive – Salmiks Lieblingskind – wackelte. So auch gestern, als die Wölfe nur ein Drittel für sich entscheiden konnten. Aktuelle Beispiele: Daniel Ketter lud Peitings Orr zur Gästeführung ein, Manuel Neumann war bei mehr als einem Konter der Bajuwaren schlicht überfordert und Turo Virta, ja was ist aus dem letztjährigen Top-Verteidiger nur geworden? Virta scheint beim Schöpfen aus der Selbstvertrauen-Suppe keinen Löffel mehr abbekommen haben. Der Finne wirkt indisponiert, spielt schneller Fehlpässe als er rückwärts skatet und sorgt dabei für weit mehr Gefahr als mit seinen Schüssen, die entweder das Plexiglas testen oder auf dem Weg zum Tor verhungern.

So tritt mit andauernder Siegesserie das Phänomen auf, dass sich die Last der Verantwortung immer stärker auf einzelne Spieler verteilt, die die Fehler der leichtsinnig gewordenen Kollegen ausbügeln müssen. Alle anderen überragend erscheint dabei die Sturmreihe um Tomas Kucharchik, Josef Kottmair und Petr Mares. Bei acht der letzten neun Siege erzielte ein Spieler dieser Formation das Game-Winning-Goal und spielerisch hat sich mit dem ideenreichen und umsichtigen Kucharchik, dem rackernden Kottmair sowie dem treffsicheren Mares ein überragendes Trio gefunden.

Auch wenn natürlich das Team als solches für die momentane Euphorie verantwortlich ist, der Anlass zur Kritik ja lediglich mahnender Natur ist und auch Spieler wie Antii Karhula, Chris Billich und langsam auch Kapitän Patrick Vozar die Fahnen hoch halten, so dürfte es eine der Hauptaufgaben von Coach Peter Salmik sein, alle zusammen daran zu erinnern, wie man es vom drittletzten Platz aus nun auf Rang 2 schaffen konnte und genau diese Arbeit schnellstens wieder von all seinen Akteuren einzufordern.

Gelingt dies, dann kann es auch in den folgenden Partien heißen: Die Unverlierbaren siegen weiter!

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