Die Freiburgerin Sara Däbritz wechselt zum FC Bayern - und fliegt davor zur Nationalmannschaft

Tamara Keller

Vom kleinen SC Freiburg zum großen FC Bayern München: Diesen Wechsel wird das Fußballtalent Sara Däbritz vollziehen. Doch zuvor fliegt sie mit der Frauennationalmannschaft erstmals zur WM nach Kanada. Woran man sie dort erkennen wird, wieso sie den Dialekt hier witzig findet und was sie an Freiburg vermissen wird:



In ihren Gedanken betritt Sara Däbritz noch einmal den kanadischen Kunstrasen. Unter den Stollen der Fußballschuhe knirscht noch einmal das Granulat. Der Atem geht schneller. Im gleichen Moment ist da wieder dieser unbändige Willen. 21.000 Zuschauer jubeln ihr zu. Es ist das Viertelfinale gegen den Gastgeber Kanada bei der U20-WM im vergangenen Jahr. Sara Däbritz erinnert sich gerne. Am Ende des Turniers war sie Weltmeisterin.


Ein Jahr später steht Sarah Däbritz in ihrem Zimmer in Freiburg. Hinter ihr stapeln sich die Umzugskartons, sonst ist das Zimmer leer geräumt. Sie wird Freiburg verlassen, der Vertrag mit dem FC Bayern München ist längst unterschrieben. Bald ist Sara Däbritz weg.

Nun erzählt sie aber noch einmal vom Weltmeisterschaftstitel. "Vor diesen WM-Spielen bleibt einem kurz der Atem stehen, weil man sich denkt: Oh mein Gott darf ich da jetzt echt gleich Fußball spielen?", erzählt sie. Es sind vermehrt diese Gedanken, die sich bei der 20-Jährigen bei so einem wichtigen Spiel in den Vordergrund drängen. "Das sind Spiele, die jeder Fußballer einmal erleben will. Und wenn man dann sieht wie viele Leute im Stadion sind, dass einen die Familie und Freunde daheim unterstützten, ist das dann einfach pure Freude was da aufkommt."

Wenn die junge Nationalspielerin von ihren Erlebnissen im letzten Jahr erzählt, ist etwas nicht zu überhören: das rollende R. Denn Sara Däbritz stammt ursprünglich aus der bayrischen Gemeinde Ebermannsdorf, wo auch ihre Fußballkarriere begann. Mit fünf Jahren spielte sie dort, mit den Jungs auf der Straße Fußball, bis sie einer mit ins Training beim SpVgg Erbermannsdorf nahm.

Der erste große Schritt in der Fußballvita folgte knapp 12 Jahre später - mit dem Wechsel zum SC Freiburg und damit auch in die erste reine Mädchenmannschaft. „Das war für mich damals die absolut richtige und auch eine sehr gute Entscheidung. Ich hätte wirklich nichts besseres machen können. Freiburg bietet einfach top Vorraussetzungen für junge Spielerinnen.“

Die Voraussetzungen sind das eine - ob man sie nutzt das Andere. Und Sara Däbritz hat sie optimal genutzt. So gut, dass der deutsche Meister, der FC Bayern München, sie nun haben will. Es ist die Suche nach neuen Herausforderungen, die die Mittelfeldspielerin antreibt - um auch den nächstmöglichen Schritt nach vorne in der Karriere zu machen. „Das ist jetzt der Versuch, sich in so einem Team durchzusetzen und es bringt mich fußballerisch nochmal weiter.“

Für Däbritz ist der Wechsel auch der Wechsel nach hause - nach Bayern. Das 'R' rollt sie dort unter Gleichgesinnten. "Ich mochte aber auch den Freiburger Dialekt sehr", gibt sie lachend zu, "besonders das 'sch'. Was machsch? Was isch? Das klingt sehr schön."

Alles richtig gemacht

Als sie am letzten Spieltag erfuhr, dass ihr neuer Verein der deutsche Meister ist, war Däbritz natürlich doppelt glücklich. Sie übermittelte sofort Glückwünsche an Caroline Abbé und Melanie Leupolz, die sie noch aus ihrer beim SC kennt und auf die sie nächste Saison nun wieder trifft. Vor ihrer Entscheidung hörte sich Sara auch gerne an, was die Beiden zum Verein zu erzählen hatten, doch den Entschluss zum Wechsel fällte sie alleine: „Ich denke, dass ich bis jetzt alles richtig gemacht habe. Es war der absolut richtige Schritt mit Anfang 17 nach Freiburg zu gehen und es ist jetzt der richtige Schritt nach Bayern zu gehen.“

Sara sagt das aus tiefster Überzeugung. „Man hört auch auf sein Bauchgefühl, aber der Kopf entscheidet letzten Endes. Man führt viele Gespräche mit den Verantwortlichen und mit den Eltern. Und irgendwann, wenn man sich alle Meinungen angehört und sich ein Bild gemacht hat, entscheidet man.“

Wie sich Sara während ihrer Zeit beim SC zu einem der vielversprechendsten Nachwuchstalenten des deutschen Frauenfußballs entwickelte, zeigt auch ihr Trophäenschrank: Nach ihrem Wechsel Anfang 2012 bekam sie Mitte des Jahres die Fritz-Walter-Medaille in Bronze verliehen. Dieser Preis wird vom deutschen Fußball-Bund an die Nachwuchsspieler des Jahres vergeben. In den zwei darauffolgenden Jahren folgte dieselbe Auszeichnung in Silber und Gold. Für die Nachwuchsauswahl des DFB wurde sie erstmals 2010 einberufen. Seither ist sie 2012 U17-Europameisterin geworden, 2013 gab sie bereits ihr Debüt in der A-Nationalmannschaft und wurde kurz danach für den EM-Kader in Schweden nachberufen und gewann dort mit der Mannschaft den Titel. Im vergangenen Jahr wurde sie mit der U20-Auswahl sogar Weltmeisterin. Jetzt fast 10 Monate später, könnte ein weiterer Titel auf der Liste hinzukommen.

Mit neuer Fußball-Frise zur A-Nationalmannschaft

Denn Sara macht momentan nicht nur einen nächsten Schritt. Sie rennt gleich mehrere Fußballfelder auf und ab. Seit vergangener Woche zum Beispiel in Feusisberg in der Schweiz nahe am Zürichsee. Dort findet nämlich der finale Lehrgang der Frauennationalmannschaft statt, bevor es am 31. Mai zur WM Richtung Kanada geht. Nach den dort absolvierten Leistungen wird entschieden, aus welchen 23 Spielerinnen der endgültige Kader besteht. „Man muss stets Gas geben und sich versuchen in jedem Training zu zeigen. Das ist aber das Ziel von jeder Spielerin die dort ist.“

Das klingt nach ganz viel Leistungsdruck. Doch Sara ist besonders eine gute Mischung wichtig: „Man macht sich ein bisschen Druck, aber auch mit einer gewissen Lockerheit. Weil man weiß, dass es Spaß macht. Fußball ist ja unser Hobby, unsere Leidenschaft und das wäre ja quatsch, wenn man sich da übertrieben unter Druck setzt.“ Nach diesem Prinzip scheint es bei der Ex-Freiburgerin wohl gut zu funktionieren: Am vergangenen Sonntag verkündete Bundestrainerin Silvia Neid den Kader und auch der Name Däbritz steht auf dem Zettel.

An einem Merkmal wird Sara sowohl in Kanada, als auch zu Hause vorm Fernseher sofort zu erkennen sein: Seit kurzem bindet sie ihre langen Haare bei jedem Spiel zu einem geflochtenen Pferdeschwanz zusammen. „Ich hab meine Frisur jetzt geändert, weil beim Dutt ist es nämlich so, wenn der Ball komisch drauf fliegt dann wackelt der ganze Kopf mit und das finde ich unbequem“, erklärt Sara wiederum lachend. Mit den sämtlichen Veränderungen, kommen aber auch viele Abschiede auf die 20-Jährige zu. Auf die Frage was sie am meisten an Freiburg vermissen wird, weiß sie sofort eine Antwort: „Die Dreisam. Da bin ich regelmäßig um mich zu sonnen oder um im Sommer mit meinen Freunden dort zu grillen.“ Doch bevor es zum endgültigen Abschied kommt, steigt sie jetzt erst einmal in den Flieger nach Kanada. Vielleicht wird ihr dort schon bald für einen kurzen Moment wieder der Atem fehlen. Nur um sich dann fragen zu können „Oh mein Gott, darf ich da jetzt gleich Fußball spielen?“

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  [Foto: dpa picture alliance]