Fernsehshow

Die Freiburgerin Maria Bruggner war bei der Schweizer Ausgabe von "Der Bachelor" dabei

Andreas Meinzer

Maria Bruggner sucht ihren Traummann. Dafür nahm sie bei der Datingshow "Take me out" und der Schweizer Version von "Der Bachelor" teil. Dort belegte sie den sechsten Platz. In Freiburg arbeitet sie als Programmiererin.

Wer hats erfunden? Nein, diesmal nicht die Schweizer – die haben es nur erfolgreich aus den USA kopiert: das Trash-TV-Format "Der Bachelor", in dem ein vermeintlicher Traummann seine weibliche Ergänzung sucht. Beim alpenländischen Privatsender "3+" war das Ende l2018, in der nunmehr siebten Staffel, Clive Bucher aus Aargau.


Laut Sender-Angaben "erfolgreicher Geschäftsmann", muskulös, üppig tätowiert, Schlafzimmerblick, eher wortkarg und mit genau zwei Gesichtsausdrücken ausgestattet. Die Frauen: bis auf wenige Ausnahmen dick geschminkt, aufgebrezelt, an Brust und Lippen operiert, rau im Umgang untereinander, stutenbissig und um kein Schimpfwort verlegen. Eine Teilnehmerin bei der Schweizer Version der Dating-Reality-Soap stach jedoch aus der Masse der Mitbewerberinnen heraus, nicht nur optisch, auch wegen ihrer ruhigen Art und ob ihres Intellekts: Maria Bruggner, 28, gebürtige Freiburgerin, aufgewachsen in Umkirch.

Maria Bruggner arbeitet als Programmiererin

Während bei manchen der anderen anfangs 20 Damen, die um Bachelor Clive buhlten, bei der Berufsangabe oft nur "Influencerin" zu lesen war, wurde Maria von der Off-Stimme, die das Geschehen kommentierte, als "das vermeintlich hellste Köpfchen der ganzen Truppe" tituliert. Ist sie doch Programmiererin. Nach einer Ausbildung zur Elektronikerin für Betriebstechnik und sechs Jahren Berufserfahrung erwarb sie ihre Techniker-Qualifikation, programmierte Roboter und Anlagensysteme, spezialisiert auf Automatisierungstechnik, und ist heute bei der Firma Alexander Bürkle in Freiburg tätig, im Außenvertrieb zuständig für Datenbrillen.

Mathematik war in der Schule ihr Lieblingsfach. "Ich liebe Zahlen", sagt sie. Maria betont, wie wichtig es ihr war, eine gute Schul- und Berufsausbildung zu haben und wie viel Freude sie an ihrer beruflichen Tätigkeit hat. Dass sich viele ihrer Kolleginnen oder besser, Konkurrentinnen, beim Bachelor, Anwärterinnen auf den Status des D-Promis und eine etwaige Dschungelcamp-Teilnahme, ihr Leben mit Instagram-Profil, Youtube-Channel oder gesponserten Facebook-Postings finanzieren, hält Maria nicht für erstrebenswert. Gerade auch, wenn jungen Leuten damit suggeriert werde, Schule, Ausbildung oder Studium seien zweitrangig oder gar unwichtig, weil man via Social Media viel schneller Geld verdienen könne. "Vielleicht sollte es ein Influencer-Diplom geben", scherzt Maria Bruggner.

"Man weiß nie, wo man die Liebe findet." Maria Bruggner

Die Arbeit stehe für sie immer im Vordergrund, das Modeln – unter anderem für Vileda-Wischmops, Breuninger sowie den Europa-Park – und die Teilnahme bei Fernsehshows wie "Take me out!" (RTL), wo sie auch schon auf die Suche nach ihrem Traummann ging, und jetzt bei "Der Bachelor" seien für sie ein Abenteuer. "Man kommt rum und erlebt etwas action", sagt sie. Und: "Man weiß nie, wo man die Liebe findet." Vor der Ausstrahlung des Bachelors war sie viereinhalb Monate Single.

Als sie sich gerade frisch von ihrem letzten Freund getrennt hatte, erzählt sie, habe sie eine Freundin, die dort bereits Kandidatin war, überredet, sich ebenfalls dort zu bewerben. Maria hatte die Schweizer Version der Kuppelshow – die um einiges trashiger und peinlicher als die deutsche ist – zuvor zwar noch nie gesehen, ließ sich aber aus Spaß und Neugier darauf ein.

Bei keiner Sendung klappte es bisher mit der großen Liebe

Ihre Eltern – die Mutter kommt von den Philippinen, ihr Vater aus Deutschland – waren von ihrem Entschluss anfangs leicht schockiert. "Muss das sein?", sei ihre erste Reaktion gewesen, doch dann hätten sie ihr Glück gewünscht: "Hoffentlich ist es ein gescheiter Bub!" Beide sind zwar durchaus konservativ eingestellt, lassen ihrer Tochter aber alle Freiheiten und schränken sie in nichts ein. Sie sind stolz auf Maria und vertrauen ihr, dass sie sich nicht verbiegen lasse. "Ich bewundere meine Eltern sehr, dass sie nach all den Jahren noch zusammen glücklich sind. Das wünsche ich mir auch."

Der Bachelor Clive Bucher



Doch weder bei "Take me out!", noch beim "Bachelor" klappte es mit der großen Liebe. In der RTL-Single-Show wurde sie zwar von einem der Kandidaten ausgewählt und gewann das Dinner-Date, doch letztendlich scheiterte die sich daraus entwickelnde Beziehung an der Entfernung: Ihr Date kam aus Berlin. Sie versuchte zwar zeitweise, in der Hauptstadt zu wohnen, doch aufgrund eines familiären Krankheitsfalles zog es Maria wieder in die Heimat.

Ihre ruhige Art wurde ihr als Taktik ausgelegt

Für ihren Traummann sollte Familie auch sehr wichtig sein. Bei Bachelor Clive ist diese Eigenschaft zweifelhaft. Konfrontiert mit der Ansage des Sprechers aus Folge 7, die in Marokko spielte (Ansage: "Zickenkrieg im Morgenland"), "Clive sucht in Marokko die Mutter seiner ungeborenen Kinder", muss Maria laut lachen. Zwar hatte sie wirklich Gefühle für ihn entwickelt, wie Maria bestätigt, doch letztlich habe sie ihm nicht mehr vertrauen können, weil er anderen mehr glaubte als ihr.

Was war passiert? Besonders durch Kandidatin Fabienne waren Gerüchte laut geworden, Maria sei gar nicht Single, sondern habe einen Freund und nehme aus anderen Gründen an der Sendung teil: "Sie spielt ein falsches Spiel, hat zwei Gesichter". Ihre ruhige, zurückhaltende Art wurde Maria von einigen Mitkandidatinnen gar als raffinierte Taktik ausgelegt: Die anderen sollten sich durch extrovertiertes Verhalten blamieren, damit sie dann später aus der Reserve kommen könne und freie Bahn beim Bachelor habe, unkte Konkurrentin Ana. Mitbewerberin Alischa lästerte: "Maria isch ä chliis Schlitzöhrli. Sie duut gärn d' Lüt v'rorsche".

Die Freiburgerin belegte Platz 6

Den Beteuerungen Marias, der vermeintliche Freund sei nur eine Affäre gewesen, die mittlerweile ein Ende gefunden habe, wollte Clive nicht glauben. Als auch noch Konkurrentin Sanja in das klärende Gespräch zwischen ihm und Maria intervenierte und sich den Behauptungen Fabiennes anschloss, entschied sich der Bachelor nach dem Mehrheitsprinzip gegen Maria. Vom Prinzip "im Zweifel für den Angeklagten" hat Clive scheinbar noch nichts gehört. Am Ende entschied er sich für Wienerin Sanja, die Freiburgerin belegte Platz 6. Maria habe früher nach Hause gewollt von Anfang an, nach zwei Wochen schon – so stellte es Fabienne dar, die es von der Beschuldigten selbst in einem intimen Gespräch erfahren haben will.



Im Gespräch mit fudder betont Maria, sie habe, als sich bei ihr Gefühle für Clive entwickelt hatten und sie ihn näher kennenlernen wollte, extra unbezahlten Urlaub genommen – was ihr ehrliches Interesse an ihm verdeutliche. Dass aus ihr und dem Aargauer kein Paar wurde, darum ist es im Rückblick alles andere als schade. Ließ der Unternehmer doch dem Playboy in sich freien Lauf, wenn er bei einem Spiel mit verbundenen Augen anhand des Hinterteils die zugehörige Dame ertasten sollte oder mit gleich zwei der Ladies gleichzeitig im Pool knutschte. Amanda und Mia hatten Maria zuvor in der Wäschekammer eingesperrt – und das Einzel-Date, das Clive mit ihr erwartete, kurzerhand gekapert. Auch bei anderen Damen war er nicht zimperlich und ging schnell zum Kuss- und Fummel-Test über.

Aktuell übt sie Kochen

Der Traummann, den Maria sucht, sollte zwar auch "spontan sein, nicht alles so genau nehmen und das Leben genießen", wie Maria fudder zu Protokoll gibt – doch sicherlich nicht in dieser Form. Vielmehr sucht sie jemanden, der familiär orientiert ist. Die Familie ist für Maria das Wichtigste in ihrem Leben. Diese bekocht sie auch sehr gerne, am liebsten gesund und lecker. Sie übt auch schon für die VOX-Sendung "Das perfekte Dinner", an deren Casting sie teilnahm.

Nach ihrer Teilnahme beim schweizerischen "Bachelor" wurde sie vielfach von Passanten angesprochen und gibt nun schon Autogrammstunden bei verschiedenen Events. Ob wir sie bald auch in anderen Formaten auf dem Bildschirm bewundern können? Anfragen gab es durchaus. Das Angebot, bei der Trash-TV-Teilnehmer-Zweitverwertung "Bachelor in Paradise" mitzumachen, schlug sie allerdings aus. Aber wenn sie selbst die Bachelorette sein und die Auswahl unter 20 Männern treffen dürfte, würde sie nicht nein sagen. Und von diesem Format wäre es nicht mehr weit zur erfolgreichsten aller RTL-Sendungen: zum Dschungelcamp. Pürierte Rattenschwänze zu trinken oder an "Schweineanüssen" (Evelyn Burdecki) zu knabbern ist sicherlich weniger eklig, als einen Clive Bucher zu küssen.

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