Porträt

Die Freiburger von Gemukktes Hack möchten mit ihrer Musik ein Lebensgefühl vertonen

Luisa Joa

Was passiert, wenn ein paar musikbegeisterte Jungs aus Freiburg nach einer halbjährigen Reise nach Hause kommen und gemeinsam unter dem Namen "Gemukktes Hack" Musik machen? fudder hat die Jungs getroffen.

Der Mond scheint hell über dem Rieselfeld im Freiburger Westen, elektrische Töne erklingen, der Wind zerzaust die schwarzen Baumkronen, die Kamera schwenkt und fünf Jungs erscheinen auf dem Bild. Sie laufen tanzend durch die Nacht und ab und zu – als wären sie im Loop gefangen- springt das Bild zurück. Das sind die ersten Eindrücke aus dem Musikvideo zu "Loop": So heißt der erste Song, den die junge Rap-Gruppe mit dem Namen "Gemukktes Hack" mittlerweile auf Spotify veröffentlicht hat.


Mitten in Hochdorf zwischen Häusern mit blumigen Gärten steht das Elternhaus von Joshua Nüsing. Jetzt sitzen Niklas Jessat, Joshua Nüsing und Pascal Kaiser in Joshuas Kellerzimmer. In der Ecke steht ein Schlagzeug, an der Wand hängen Urkunden des Wentzinger Musikgymnasiums sowie eine große Weltkarte. Über dem Bett ist eine Autohaube befestigt von der ein Bild von Mr. Bean schelmisch herabgrinst.

"Unsere Musik hat immer etwas mit einer aktuellen Situation zu tun, die wir erlebt haben."

"Auf die Idee für das Musikvideo sind wir bei einem unserer Spaziergänge über das Rieselfeld gekommen", sagt Niklas. "Während wir mit Musik unter dem Vollmond so unsere Runde drehten, hat sich das wie ein Loop angefühlt, der nie aufhört." "Meistens entstehen unsere Ideen aus dem Moment und haben mit einer aktuellen Situation zu tun, die wir gerade erlebt haben", fügt Pascal hinzu. Auch Joshua zählt mit zum harten Kern der Band.



"Wir sind alle schon seit der 5. Klasse befreundet und verbringen seitdem die meiste Zeit miteinander. Die Musik war immer dabei", sagt er. Der Bandname ist durch eine Mischung aus eigenem Sprachgebrauch und Zeitdruck entstanden. "Wir machen jetzt Gemukkte, heißt es, wenn wir uns zum Musikmachen treffen und als wir unsere ersten Songs zu Vertrieben schicken wollten, hatten wir nur fünf Minuten Zeit uns einen geeigneten Namen auszudenken." Ihre bisher erschienenen Songs verwaltet "Gemukktes Hack" selbstständig. Um diese über Musikvertriebe an Spotify zu schicken, zahlen sie knapp zehn Euro pro Single.

"Auch die Musik aus den 80er Jahren – wie die von Pink Floyd – hören wir gerne."

Was die Musikrichtung angeht, kommen die Drei meistens auf einen gemeinsamen Nenner. "Das Coole ist, dass wir von Beginn an so ziemlich den gleichen Musikgeschmack hatten", sagt Pascal. "Natürlich hat sich der auch verändert. Früher haben wir klassischen Deutsch-Rap gehört. Jetzt hören wir immer mehr Musik aus den 80er Jahren - Pink Floyd zum Beispiel. Aber auch aktuelle Künstler, wie den Rapper Acep Rocky oder das neue Album von den Orsons."

Schon in der Schulzeit spielte Musik eine große Rolle für die drei 19-Jährigen. Zusammen traten sie mit der Big-Band des Wentzinger Gymnasiums auf. Niklas an der Trompete, Pascal und Joshua am Schlagzeug. Wie das ist, zusammen Live-Musik zu machen, haben sie nicht vergessen. "Mit unserer eigenen Musik irgendwann einmal selber auftreten zu können, das wäre natürlich ein Traum", sagt Pascal.

"Nach der Reise durch Südamerika war klar: Wir wollen gemeinsam Musik machen."

Als Auslöser für die Entscheidung, was Eigenes zu starten nennen alle drei ihre gemeinsame Reise nach dem Abi durch Südamerika. "Während der Reise hat sich so ein Gefühl gebildet und drei Tage nachdem wir wieder zu Hause waren, war allen klar: Wir wollen gemeinsam eigene Musik machen", sagt Niklas. "So ist letztendlich unser erster Song ’Loop’ entstanden. Nach der Reise war Deutschland wieder so kalt und normal. Nichts hatte sich verändert. Dieses Gefühl haben wir in dem Lied verarbeitet."



Nicht lange nach der Reise durch Südamerika entstand der zweite Song mit dem Titel "Welt gesehen". Joshua blickt nachdenklich auf die Weltkarte an der Wand. "Auf der Reise haben wir so viel gelernt. Unter anderem auch, wie gut wir es doch in Freiburg haben."

Die Songs von Gemukktes Hack sind immer ein Gemeinschaftswerk

"Jedes unserer Lieder ist sehr eigen. Der Grundbaustein auf den wir uns beziehen ist jedoch der Text. Dabei sind Aussage und Lyrik am wichtigsten", bemerkt Niklas. Er ist der Texter der Gruppe. Mit 13 Jahren hat er angefangen eigene Texte zu schreiben. Der Schaffensprozess verläuft immer gemeinschaftlich. Joshua schätzt das sehr: "In der Gruppe gewinnt man viel mehr. Man kann sich besser ergänzen oder auch in Schranken halten." Die drei müssen lachen. "Auch das ist wichtig", sagt Pascal. "Es ist uns schon mal passiert, dass wir drei Stunden für zwei Takte mit komischen Ideen verbracht haben."

"Unser Musikstil ist ein Mix von Allem."

Fragt man die drei nach ihrem persönlichen Musikstil, entsteht eine kurze Pause. "Gemukktes Hack trifft es eigentlich schon ganz gut", lacht Pascal. "Dadurch, dass wir uns nicht festlegen erhalten unsere Songs alle möglichen Einflüsse. Dazu gehört der Elektrosound, es kann aber auch akustisch sein,oder wie bei ’Loop’ durch den Trap-Rhytmus geprägt. Hauptsache besonders. Letztendlich wollen wir ein Lebensgefühl einfangen, welches uns gerade beschäftigt."

Ihr neuer Song "Tralsund" ist mittlerweile auch auf Spotify verfügbar

Nach einer Weile stellt Gemukktes Hack ihre zwei neuen Lieder vor. Sobald die Musik angeht, bewegt Niklas die Lippen zum Text, Joshua und Pascal wippen mit dem Kopf, die Augen halb geschlossen. Sobald der letzte Ton verklungen ist, schreckt Niklas hoch. "Wisst ihr, was uns passiert ist? Wir haben das Lied an Spotify geschickt und vergessen das Ende ausfaden zu lassen." Die Anderen stöhnen, zucken dann aber mit den Schultern. "Passiert", sagt Pascal. "Wir haben auf jeden Fall noch ein paar Dinge zu lernen."