Engagement

Die Freiburger "Omas gegen Rechts" setzen sich für eine offene Gesellschaft ein

Julia Littmann

Als sie vor einem halben Jahr loslegten, waren sie zu zweit, jetzt sind sie 150: Die "Omas gegen Rechts" haben viel Zulauf – und suchen im Wahlkampf den Dialog mit den Unzufriedenen.

Als sie vor einem halben Jahr loslegten, waren sie zu zweit: Gerda Liebner und Traute Hensch, zwei ältere Freiburgerinnen, die hier eine Gruppe gründeten von "Omas gegen Rechts". Der Funke war übergesprungen von der gleichnamigen Wiener Gruppe. Schon zum Auftakt im Oktober kamen 60 Frauen, inzwischen sind es 150, die sich einmal im Monat zum Plenum in der Galerie des Kommunalen Kinos treffen. Die lose Gruppe ist speziell auch jetzt in der Wahlkampfzeit gut sichtbar. Sie will offen und informell bleiben und wächst doch – und professionalisiert sich.


Seit einigen Tagen sind die Freiburger "Omas gegen Rechts" eingetragener Verein. Das wurde nötig, um Spenden entgegennehmen zu können. Oder auch Preisgelder wie die 3500 Euro, die den Freiburgerinnen schon im Dezember aus dem Bundesprogramm "Demokratie leben!" verliehen wurden. Die Ausschreibung für diesen Preis liest sich fast wie die Grundsatzerklärung der Omas gegen Rechts: Mit dem Preis werden Initiativen unterstützt, die sich für Demokratie und gegen Menschenfeindlichkeit einsetzen und sich damit auch stark machen für die Extremismusprävention.

Für den Frieden und eine offene Gesellschaft

Der Zustrom zu den Freiburger Omas gegen Rechts ist stetig und sie wollen weiter wachsen. Denn je mehr sie sind, desto mehr sind sie präsent. "Wir stehen für Menschenrechte, für demokratische Freiheitlichkeit", sagt Claire Désenfant, wie Gerda Liebner eine der Vorstandsfrauen im Verein, "und wir wollen ins Gespräch kommen mit allen, ganz besonders aber mit denen, die sich an den Rand gedrängt fühlen und die verunsichert sind." Die nämlich fühlten sich häufig angezogen von rechtsradikalen Parolen. "Wir sind die Generation, die heute sehr betroffen wahrnimmt, wie sich Parallelen auftun zum Rechtsschub in den 30er Jahren", beschreibt Gerda Liebner, was die Omas gegen Rechts auszeichnet. Manche von ihnen hätten selbst noch den Krieg als Kinder erlitten, die meisten hätten sich in den Jahrzehnten danach für Frieden, Vielfalt und eine offene Gesellschaft engagiert. Vieles am Rechtsradikalismus beunruhige sie alle – wie jeden wachen Demokraten. Die Fremdenfeindlichkeit, zum Beispiel, oder die Bestrebung, Frauen zurückzudrängen in unfreie Lebensmuster – die Liste ist viel länger.

Für die Wahlen nennen sie das Ziel eines europäischen Rechtsbündnisses gefährlich, das nämlich vorhabe, die EU abzuschaffen. Nationalistische Gesinnung und Fremdenhass aber stehen einer friedlichen und perspektivreichen Zukunft entgegen, erklären die Omas gegen Rechts derzeit fast täglich an Ständen in der Stadt, zum Beispiel auf Wochenmärkten. Sie sind da, wo die Wahlbeteiligung bislang gering war, denn die niedrige Wahlbeteiligung korreliere häufig mit vielen Stimmen für Rechtsextreme.

"Wir suchen das Gespräch", so Désenfant, "wir wollen wissen, was die Menschen bewegt. Und wir erzählen von unserer langen Erfahrung." Das Interesse daran sei groß, die Gespräche spannend, nie aggressiv. Eine gute Ausgangslage, um aufzuklären und Ursachen für Probleme zu benennen. Wie die Wohnungsnot: "Das ist das Ergebnis langer verfehlter Kommunalpolitik." Die 150 Freiburger Omas gegen Rechts sind parteipolitisch ungebunden, setzen auf Toleranz und Respekt, vernetzen sich mit anderen Omas-gegen-Rechts-Gruppen und mit anderen Initiativen, wie Fridays for Future. Auch bei der Demonstration von "Ein Europa für alle" am 19. Mai in Freiburg werden die Omas gegen Rechts dabei sein.
Kontakt und mehr Infos: omasgegenrechts-freiburg.de

Mehr zum Thema: