fudder-Interview

Die Freiburger Musikerin Zweatlana: "Ich will berühmt werden"

Annika Vogelbacher

Die Künstlerin Zweatlana feiert am Samstag Release-Party ihrer Single "FCKN ART" im Theater Freiburg. Über den Entstehungsprozess, ihre Namensänderung und was für ein Verhältnis sie zu Orange hat, spricht sie im Interview.

Zweatlana, du bist Musikerin, komponierst und produzierst deine Stücke selbst und veröffentlichst bald deine erste EP. Verfolgst du ein bestimmtes Ziel?

Berühmt werden. Ich würde gerne von der Musik leben können. Ich nehme meine Musik jetzt schon ernst, aber so eine riesige Reichweite habe ich noch nicht. Aber das wird schon. Ich arbeite gerade nur an meiner Musik. Ich habe ein paar Gelegenheitsjobs, mit denen ich ein bisschen Geld zusammenbekomme, aber nichts Festes. Ich habe mich schon immer auf die Musik fokussiert. Ich habe versucht zu studieren, ich habe versucht eine Ausbildung zu machen – aber das war zeitlich nie machbar. Weil ich nebenbei auch immer noch gearbeitet habe, hatte ich teilweise eine 60-Stunden-Woche. Musik nimmt schon verdammt viel Zeit in Anspruch, wenn man es ernst nimmt. Es ist schwer, Musik einfach nebenher zu machen.

Du warst erst als Svéa unterwegs, jetzt hast du deine Künstleridentität in "Zweatlana" umgeändert. Warum der Wechsel?

Im April habe ich aus einem ganz praktischen Grund meinen Künstlerinnennamen gewechselt. Man hat mich nicht mehr gefunden, wenn man mich gegoogelt hat, weil es eine zweite Svea gibt und die einfach die höheren Klickzahlen hat. Das war dann ein fließender Übergang, es gab keinen klaren Cut. Die Aufnahmen für die neue EP sind letzten Winter entstanden. Die Songs gibt es teilweise schon seit ein bis zwei Jahren. Die habe ich habe über die letzten Jahre und Monate immer weiter verändert, bis zu dem heutigen Sound. Jetzt bin ich grade dabei, mein Live-Set umzustellen, damit ich genau den Sound, den ich produziert habe, auch live machen kann.

"Ich wollte nie eine Band haben, ich wollte immer alleine Musik machen."

Was steckt hinter dem Namen Zweatlana?

Das war immer so ein Nutzername, den ich mir irgendwann mal ausgedacht habe. Es ist quasi ein Wortspiel. Man hat das Wort "sweat" mit drin, damit kann man schon lustige Sachen machen. "Zweaty" ist der Spitzname. Das fand ich ganz lustig.

Auf dem Plakat zu deiner Release-Show bist du komplett in Orange und Schwarz gekleidet. Hat das einen tiefergehenden Grund?

Ich habe Synästhesie. Alle Farben sind bei mir mit einer Bedeutung belegt und Orange und Schwarz sind neutral. Ich finde die Farben ganz angenehm, weil ich damit nichts verbinde. Dass ich Synästhesie habe, habe ich irgendwann bemerkt, weil ich immer Zahlen und Buchstaben verwechselt habe. Für mich haben Zahlen und Buchstaben Farben und irgendwann habe ich gecheckt, dass das bei anderen Leuten nicht so ist. Ich kann deswegen auch nicht rechnen. Wenn ich zum Beispiel eins plus eins rechne, kommt für mich dasselbe raus, weil ich ja einfach zwei Mal die gleiche Farbe mische.
Synästhesie
Bei Synästhesie werden neuronal mehrere Sinnesorgane gleichzeitig gereizt. Manche Synästhetiker nehmen Zahlen farbig wahr, können Buchstaben fühlen oder Worte schmecken. Andere können Töne in bunten Farben oder Formen sehen. Etwa vier Prozent der Bevölkerung weist mindestens eine Form von Synästhesie auf. Billie Eilish, Jimi Hendrix und Hans Zimmer sind Synästhetiker.

Hast du auch Synästhesie, wenn es um Musik geht?

Indirekt schon, ich kann auch Farben komponieren und ich muss mir nichts aufschreiben. Ich habe die Musik als Farben im Kopf abgespeichert. Meine Musik hat nicht eine generelle Farbe. Vielleicht haben einzelne Songs mal eine Tendenz, aber für eine Grundfarbe sind da zu viele Töne.

Deine EP heißt "ORANGE". Wo hast du die Songs komponiert?

Eigentlich habe ich immer in meinem eigenen Zimmer komponiert. Aber jetzt ist das Zimmer zu klein. Momentan habe ich alle Geräte bei meinen Eltern stehen. Für die Aufnahmen der neuen EP habe ich mich letzten Dezember für sechs Monate im Keller meiner Eltern im Schwarzwald verkrochen. Dort hat man kaum Internet, ich bin die ganze Zeit im Wald rumspaziert und habe im Keller an meiner Musik gearbeitet. Das war eigentlich ganz cool. Ich war in der Zeit sehr produktiv, so komplett ohne Ablenkung. Aber jetzt bin ich schon froh, dass das vorbei ist.



Hat sich dein Musikstil durch die Isolation im Schwarzwald verändert?

Ich habe angefangen, deutsche Texte zu schreiben und zu rappen. Alles ist ein bisschen basslastiger, beatlastiger geworden; auch tanzbarer. Früher war meine Musik deutlich ruhiger. Der Stilwandel, den man online schon sehen kann – von natürlich- ruhig zu der futuristischen Zweatlana – spiegelt sich auch in der neuen Musik wider. Meine Producing-Skills haben sich entwickelt, ich kann jetzt mehr machen ich habe mehr Bock, wirklich alle Sounds miteinzubringen.

Woher kommt dein Drang, alles selber zu machen – im Studio und auf der Bühne?

Seit ich sechs Jahre alt bin, mache ich Musik. Als Kind habe ich damit angefangen, selber klassische Stücke am Klavier zu komponieren. Irgendwann habe ich dann gesungen und mich selbst dabei begleitet; ich habe mir auch das Gitarrespielen beigebracht. Das ist einfach immer mehr geworden. Ich wollte nie eine Band haben, ich wollte immer alleine Musik machen. Wegen meiner Synästhesie ist das Musizieren mit anderen Leuten schwierig, weil ich meine Musik nicht so erklären kann, dass sie es verstehen.

"Meine Producing-Skills haben sich entwickelt, ich kann jetzt mehr machen ich habe mehr Bock, wirklich alle Sounds miteinzubringen."

Was war das bisher schönste Konzert, das du gespielt hast?

Was immer sehr schön ist, ist das ZMF. Da habe ich schon vier Mal gespielt. Ich mag das Team super gerne, das macht einfach Spaß da. Mein Highlight dieses Jahr war, als ich im Oktober in der KTS gespielt habe. Da lief irgendwie einfach alles, das war ein richtig cooles Konzert.



Am Samstag feierst du den Release der Single "FCKN ART" im Theater, warum hast du diesen Ort gewählt?

Das Teaser-Video zu meiner neuen Single ist am gleichen Ort, wo die Release stattfindet, in Kooperation mit dem Theater gedreht worden. Dort werden wir eine Vernissage veranstalten. Warum, das erklärt sich aus dem Video. Ich und andere Dinge werden ausgestellt. Es gibt eine Live-Show, Sekt und ich werde Songs der EP spielen. Das Video wird sich im Laufe der Veranstaltung erklären, man muss es komplett sehen. Mehr will ich dazu erst mal nicht sagen. Meine Mutter spielt zum Beispiel in dem Video mit. Das wird bestimmt lustig. Ich werde orange sein.

  • Was: Release-Party und Konzert von Zweatlana
  • Wann: Samstag, 23. November, 20 Uhr
  • Wo: Theater Freiburg, Einlass ist über den Eingang der Kammerbühne, gegenüber der UB-Freiburg die Treppen hoch.

Veröffentlichungsdatum für die EP "ORANGE" von Zweatlana, die "seit ein paar Jahren 20 ist", ist der 1. Februar 2020. Sonst stehen im Dezember Konzerte in Straßburg und Lörrach an. Am 29. Januar 2020 spielt Zweatlana auf der Kulturbörse in Freiburg.