fudder-Interview

Die Freiburger Band Atole Loco veröffentlicht ihr erstes Album

Fabian Thomas

Die Freiburger Latino-Rockband Atole Loco veröffentlicht mit "Radio Caravana" ihr erstes Album. Am Freitag feiern sie Release-Party im Jazzhaus und fudder verlost Tickets. Sänger Andreas Eitel und Lead-Gitarrist Oier Mees über Stereotype über lateinamerikanische Musik.

Wie ist eurer Album "Radio Caravana" entstanden?

Oier: Die Band gibt es seit drei Jahren. Am Anfang haben wir Cover gespielt. Vor anderthalb Jahren haben wir angefangen, eigene Lieder zu komponieren, nach einer Weile haben sich einige Lieder gesammelt, und dann haben wir gedacht, dass ist jetzt ein guter Zeitpunkt das mal festzuhalten. Es ist auch nicht so einfach, eine CD aufzunehmen, das kostet was. Mit den Konzerten, die wir im letzten Sommer gespielt haben, haben wir etwas Geld gespart und haben zusätzlich noch eine Crowdfunding Kampagne gestartet.

Und das Album habt ihr in Freiburg aufgenommen?

Andreas: Genau. Wir waren für ein verlängertes Wochenende im Studio, in die Amps Factory in Freiburg. Das Songmaterial hatten wir schon vorher vorbereitet.

Wie läuft das Liedschreiben bei einer Band mit sieben Musikern?

Oier: Unterschiedlich. Typischerweise gibt es erstmal eine kleinere Gruppe, zwei oder drei Leute, die an einem Song arbeiten, bis man das dem Rest der Band präsentieren kann, sodass die anderen sagen können "ah ok cool" oder "mmh, den Teil müsste man vielleicht nochmal verbessern". Es gibt auch Lieder die nur von einer Person entworfen worden sind, aber das ist selten.

Um was geht es in dem Song "Las Alemanas" (dt.: Deutsche Frauen)?

Andreas: Den Song haben wir umbenannt, er heißt jetzt "Linda Señora". Den Song hat unser Pianist Oskar geschrieben, und Oskar ist jemand, der sehr viel Humor hat. Er kommt aus Mexiko, dort versucht man immer auch ein bisschen lustig zu sein in den Texten. Der Song handelt davon, dass verschiedene Leute, die aus verschiedenen Ländern kommen, eine eigene Art haben zu tanzen, und wie sie sich das vorstellen zu tanzen. Das geht von ziemlich stur – das muss alles so gemacht werden, wie das gelernt wurde…
Oier: …in der Tanzschule…
Andreas:… bis hin zu wir machen es einfach so wie wir gerade Lust haben, und Oskar hat das ein bisschen lustig verpackt.



Was erwartet die Hörer noch so auf eurem neuen Album?

Oier: Musikalisch ist es eine Mischung aus verschiedenen Stilen, wir nehmen viele lateinamerikanische Rhythmen wie Cumbia und mischen es mit Elementen wie Ska oder Rock. Es ist eine Art Fusion, weil jeder etwas von seinem Land oder Stil mitbringt.

Andreas: Was für die Leute hier interessant ist, ist dass wir die lateinamerikanischen Rhythmen fusionieren, die man hier nicht kennt, das klingt dann nach was Neuem. Das was man hier als lateinamerikanische Musik kennt, ist vor allem Salsa wahrscheinlich. Es gibt in Südamerika unglaublich viele Rhythmen. Die Leute, die auf unsere Konzerte gehen, sind nicht unbedingt Leute, die nur Salsa hören. Wir spielen Musik zu der man recht frei tanzen kann.

Tanzen die Leute bei euch auf den Konzerten?

Andreas: Paartanz-mäßig nicht so viel, mehr bewegen, hüpfen, springen. Wenn wir sagen, dass wir lateinamerikanische Musik spielen, sagen manche, dass man das gelernt haben muss, aber das ist überhaupt nicht der Fall bei uns.

Oier: Das ist es, was wir versuchen. Wir versuchen diese Stereotypen zu brechen, dass lateinamerikanische Musik entweder Salsa oder Santana oder Reggaeton ist. Um zu zeigen, dass es in Lateinamerika alternative Musik gibt, die hier nicht Mainstream ist. Das zeigen wir auch auf unserem CD-Cover. Wir haben versucht, graphisch diese Message darzustellen, mit so einem typischem Kleinbus aus Lateinamerika, der voller Instrumente und Musik aus Lateinamerika nach Freiburg kommt.

Wer sitzt denn da vorne im Bus?

Andreas: Das ist Anthony, unser Percussion-Spieler, und daneben sitzt seine Oma. Wir haben zwei Songs auf dem Album, die auch die Oma mit ins Spiel bringen. Im Prinzip verkörpert die Oma das, was man zurück gelassen hat, wo man herkommt. Wir greifen in mehreren Songs dieses Bild auf. Im ersten Song verabschiedet man sich von seiner Familie, von der Oma, beruhigt sie, dass alles gut sein wird im ungewissen Land. Und wir haben noch einen anderen Song: "Quiero ser modelo" – Ich will ein Vorbild, will ganz toll sein. Das erzählt die Geschichte, dass der Protagonist ins neue Land gekommen ist, und heutzutage soziale Medien und Selbstdarstellung ganz wichtig geworden ist, und deswegen kritisiert der Song das auf humoristische Art. Unser Protagonist in dem Song versucht in dem neuem Land gut auf Facebook und Instagram auszusehen, und das führt er so weit, dass die Oma ihn nicht mehr erkennt, als er wieder zurück kommt. Er hat sich so sehr an das neue Land und die neuen sozialen Normen angepasst.

Wie habt ihr euch als Band gefunden?

Andreas: Zwei von den Jungs hab’ ich kennen gelernt über Hausparties mit lateinamerikanischen Freunden, und Oier und ich kannten uns von der Uni, und so haben wir zu fünft angefangen. Die anderen sind über den erweiterten Freundeskreis dazugekommen oder weil sie uns mal beim Konzert gehört haben.
Verlosung

fudder verlost unter allen Mitgliedern im Club der Freunde 3x2 Tickets für das Release-Konzert von Atole Loco am Freitag, 5. April im Jazzhaus.

Mitglied in fudders Club der Freunde kannst Du hier werden. Um zu gewinnen, schicke eine E-Mail mit deinem Namen und dem Betreff "Atole" an gewinnen@fudder.de.

Sollten keine Club-Mitglieder an der Verlosung teilnehmen, werden die Karten unter den restlichen Einsendungen verlost. Teilnahme ab 18 Jahren, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Einsendeschluss ist am Donnerstag, 4. April um 12 Uhr. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt.

Wo findet man die lateinamerikanische Szene in Freiburg?

Andreas: Es gibt schon ein paar Orte, wo man viele Leute trifft, die den Background haben, es gibt ein paar Salsaclubs wie das Mamita.
Oier: Oder unser Konzert am 5.April im Jazzhaus, da werden viele Leute mit lateinamerikanischem Background kommen.
Andreas: Es stimmt. Unsere Konzerte verbinden diejenigen, die irgendeinen Bezug zu spanischsprachiger Musik haben. Das ist so, dass sich die Leute auf unseren Konzerten kennenlernen.

Was sind eure musikalischen Vorbilder?

Oier: Für Cumbia Chico Trujillo aus Chile, für Ska-Lieder Panteón Rococó aus Mexiko und dann ist auch Los Fabulosos Cadillacs aus Argentinien ein Einfluss, das ist mehr Richtung Rock, Funk.

Ihr beschreibt euch auch als Brücke zwischen Lateinamerika und Deutschland. Habt ihr auch deutsche Einflüsse?

Oier: Musikalisch von deutschen Bands nicht unbedingt.
Andreas: Der Fakt, dass wir so gemischt sind, dass wir halb deutsch, halb von woanders kommen. Ich glaub, dass ist etwas,was man in Deutschland vermehrt sieht.
Oier: Das ist auch für mich der Fall. Ich hab auch einen deutschen Papa, aber ich bin in Spanien aufgewachsen.

Was waren die Höhepunkte eures Bandlebens?

Oier: Das letzte Jahr hat uns viele Höhepunkte beschert. Das hat damit angefangen, dass wir bei dem Bandcontest "Rampe" zweiter geworden sind und den Publikumspreis gewonnen haben, das war schon sehr erstaunlich. Damals war es schon ein absoluter Höhepunkt, mal eine halbe Stunde im Jazzhaus zu spielen. Dadurch haben sich mehr Möglichkeiten ergeben. Wir haben dann auch letzten Sommer beim ZMF gespielt, was als Freiburger Band ein Höhepunkt war.

Was sind eure Ziele für die Zukunft?

Andreas: Vielleicht wollen wir noch ein Video zu einem der Songs auf dem Album machen. Wir haben das Gefühl, in Freiburg kommt unser Projekt ganz gut voran, und wir planen langsam auch ein bisschen die Umgebung um Freiburg zu erforschen, damit wir da diese Musik verbreiten können.
Oier: Wir haben schon ein paar Konzerte geplant. Am 16. Mai in Frankfurt ein Doppelkonzert mit Flecha Negra, am 1. Juni ein Konzert in Darmstadt.
Andreas: Und wir haben noch ein Sommerkonzert in Ulm, und der Rest ist noch in Planung. Es kommt noch ein bisschen was dazu.
Was: Atole Loco Release-Party
Wo: Jazzhaus Freiburg
Wann: Freitag, 5.4., 20 Uhr
Preis: ab 12,95 Euro
Tickets: bz-ticket.de