Die Frau mit dem Funkgerät: ZMF-Pressesprecherin Brigitte Schömmel

Bernhard Amelung

Unablässig rauscht und piepst das Funkgerät von Brigitte Schömmel. Die 36-jährige Freiburgerin leitet die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Zelt-Musik-Festival. Wie sieht ein typischer Arbeitstag auf dem Festivalgelände aus? fudder-Autor Bernhard Amelung hat sie begleitet:



"Brigitte an Bene. Brigitte an Saskia. Hört ihr mich? Ich bin jetzt wieder auf der eins." Brigitte Schömmel, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Freiburger Zelt-Musik-Festival, sendet Funkspruch um Funkspruch. Unablässig rauscht und piepst ihr Funkgerät. In die wenigen Minuten der Stille klingelt ihr Telefon, bliept ihr Smartphone hinein. "Die Gästeliste? Liegt im Büro der Abendkasse. Die Wildcards? Ich schaue nach. Ich melde mich."


In wenigen Stunden tritt die deutsche Popgruppe Pur im Zirkuszelt auf. Das Konzert ist ausverkauft, und Schömmels Arbeitstag nähert sich seinem letzten Höhepunkt. Ein Rundfunkredakteur hat sich kurzfristig für ein Interview mit Pur-Frontmann Hartmut Engler angekündigt. Gewinnerinnen eines Hartmut Engler-Meet & Greet stehen bereits auf dem Platz und können es kaum erwarten, in den Backstage-Bereich des Festivals geführt zu werden. Zwei Mitarbeiter der Initiative Viva con Agua kommen zum Pressecontainer und fragen, wann sie mit ihren Müllcontainern die Pfandbecher einsammeln können. Und: "Kann die Band vor dem Konzert eine Durchsage machen und auf unsere Aktion hinweisen?"

Schömmel arbeitet die Anfragen ruhig und routiniert ab. Stets bleibt sie freundlich und gelassen, ganz egal, was dazwischenkommt. Die 36-jährige Freiburgerin, ein echtes Bobbele, ist im zwölften Jahr beim Zelt-Musik-Festival dabei.

Zuvor hat sie in Gelsenkirchen und in Aix-en-Provence Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Kultur-, Medien- und Freizeitmanagement studiert. "Die FH Gelsenkirchen war Mitte der Neunziger Jahre eine der wenigen Hochschulen, die einen solchen Studiengang angeboten hat. Diese Spezialisierung hat mich von Anfang an interessiert", sagt sie. Während des Studiums absolviert sie verschiedene Praktika bei Konzert- und Festivalagenturen, zuletzt 2001 beim Musikfestival Eurockéennes in Belfort. Besonders beeindruckt hat sie dort der Festivalleiter Jean-Paul Roland. "Er hatte ein einehmendes Auftreten. Er ist selbstbewusst, aber sehr sympathisch", erinnert sie sich.

"Früher habe ich wie eine Löwin gekämpft"

2002 bewirbt sich die Freiburgerin beim Zelt-Musik-Festival und wird sofort eingestellt. Zu ihrem Job gehört es, Pressetermine vor, während und nach dem Festival zu koordinieren. Sie kümmert sich um Pressetexte und entwickelt Maßnahmen für die Öffentlichkeitsarbeit. Sie beobachtet und vergleicht Marktaktivitäten des eigenen Betriebs und der Wettbewerber. Ihr Aufgabenbereich wächst mit der Zeit. Inzwischen unterstützt sie auch Chefbooker Dieter Bös und Festivalgründer Alexander Heisler in Bookingangelegenheiten.

Ab und zu muss sie sogar als Wutableiterin herhalten. "Bei Regen kommt es vor, dass Festivalbesucher am darauffolgenden Tag bei uns anrufen und wutschnaubend verlangen, dass wir ihnen die Kosten einer Unterbodenwäsche am Auto erstatten", erzählt sie. Dazu kommen Anrufe und E-Mails mit teils heftigen Kritiken der Programmgestaltung, den einzelnen Künstlern, der Lautstärke, und, und, und. "Früher habe ich wie eine Löwin gekämpft und vieles auch persönlich genommen. In meinem ersten Jahr beim ZMF habe ich vier Kilo abgenommen. Heute bleibe ich auch bei emotionalen Äußerungen gelassen. Das bringt die langjährige Erfahrung mit sich."

Apropos Regen: Kurz vor 18 Uhr verfinstert sich der Himmel. Dicke Regentropfen lösen sich aus den Wolken. Sie platschen auf das Zeltdach und bilden Blasen in den bereits vorhandenen Pfützen. "18 Uhr ist die Todeszeit. Wenn's dann regnet, kommen nur noch wenige Gäste, selbst wenn eine halbe Stunde später wieder die Sonne scheint."

Eine Frau klopft an die Scheibe des Pressecontainers. Sie ist so aufgeregt, dass sich ihre Stimme überschlägt. Sie kommt aus St. Blasien und hat die Karten für das Pur-Konzert zuhause vergessen. Brigitte Schömmel zögert einen kurzen Augenblick und sagt: "Ist jemand bei ihnen zuhause, der die Tickets fotografieren und uns das Bild per E-Mail schicken kann?" Die Frau telefoniert. Minuten später trifft eine E-Mail mit den Karten als Bilddatei im Anhang ein. "Ich bringe sie ins Zelt", sagt Schömmel, nimmt die sichtlich erleichterte Frau und deren Mann ins Schlepptau und übergibt sie dem Einlassdienst, den sie zuvor über Funk informiert hat. "Es gibt für alles eine Lösung. Aber wir brauchen dringend Ticketscanner am Einlass."

Wieder bliept das Smartphone. Wieder rauscht das Funkgerät. Eine Stunde vor Konzertbeginn kommt doch noch so etwas wie Hektik auf. Brigitte Schömmel gibt Fotojournalisten Anweisungen. "Die ersten drei Songs. Ohne Blitz." - "Fünf Minuten Atmo, nicht das ganze Konzert", gibt sie einer Mitarbeiterin des PH-Radios mit auf den Weg. Sie wird zum Kassenhäuschen gerufen. Dort steht ein Mann. Er sei ein Freund des Schlagzeugers und müsse auf der Gästeliste stehen. Tut er aber nicht. "Brigitte an Backstage." - "Backstage für Brigitte."

Alles ist in Ordnung.  

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[Foto: Klaus Polkowski]