Die Frau im Hintergrund: Als Komparsin beim Film

Josepha Schweizer

In der Regio wird gerade der Film "Jesus loves me" gedreht, mit Jessica Schwarz, Florian David Fitz und anderen deutschen Filmstars. Außerdem mit dabei: Die 22-jährige Komparsin Vanessa Bitterer aus Waltershofen. fudder-Autorin Josepha hat sie am Filmset besucht und gefragt, ob ihr in den langen Pausen zwischen den Drehs nicht langweilig wird.



Zwischen Weinreben und Wald gelegen ist der Schönberg ein Ort der Idylle und Ruhe. Um die Berghauser Kapelle bei Ebringen ist es allerdings seit neuestem alles andere als ruhig. Auf der Anhöhe stehen zahlreiche Autos, Wohn- und Lastwägen. Grüppchen von Frauen und Männer stehen und sitzen überall, wo ein wenig Schatten hinfällt. Gitarrenklänge und Gelächter. Und mittendrin Vanessa.


Es ist Freitag, der 3. Juni, und hier wird gerade der Film "Jesus loves me" gedreht, bei dem sie als Komparsin mitspielt. Vanessa hatte schon mehrere Komparsenrollen. "Ich habe auf eine Anzeige der Vermittlerin Maria Wiesler in der Zypresse geantwortet und bin seitdem in ihrer Kartei", sagt sie.

Bei "Jesus liebt mich", der im Juni an mehreren Orten in der Region gedreht wird, handelt es sich um eine Verfilmung, die frei auf Motiven des gleichnamigen Bestsellers von David Safier basiert. Darin verliebt sich Marie (Jessica Schwarz) in Jeshua aus Palästina, der ihr aber fast schon zu perfekt erscheint, weil er selbstlos ist, gut zuhören kann und dazu noch gut aussieht. Er verhält sich manchmal extrem seltsam: Er wäscht beispielsweise wildfremden Menschen die Füße und weiß nicht, was eine Tomate ist. Schließlich erfährt sie, dass Jeshua eine Mission hat: Er soll den Weltuntergang vorbereiten. Zwar nicht sofort, aber bis nächsten Dienstag.



Die männliche Hauptrolle wird von Florian David Fitz gespielt, der zuletzt mit dem Deutschen Filmpreis für ''Vincent will Meer'' ausgezeichnet wurde. Er hat auch das Drehbuch zu "Jesus loves me" geschrieben, und er führt gleichzeitig - zum ersten Mal - Regie. Zur hochkarätigen Besetzung gehören außerdem Hannelore Elsner, Henry Hübchen und Peter Prager. "Es hat besonders Spaß gemacht, mit Florian David Fitz zu drehen, da er total nett ist und durch kleine Witze eine lockere Stimmung erzeugt hat", sagt Vanessa. "Mit ihm hatten wir Komparsen auch am meisten zutun."

Ihre Rolle als Filmkomparsin besteht darin, Teil einer religiösen Spinnergemeinde zu sein, die aus Protest vor einem Priester vor der Berghauser Kapelle zeltet. In jener Szene singt sie ein Lied und tanzt trommelnd im Kreis herum. Besonders interessant war für sie auch zu sehen, wie lang teilweise nur für ein einzelnes Bild gedreht wird. "Mittlerweile sehe ich einen Film mit ganz anderen Augen, da ich weiß, wie viel Arbeit meistens auch in einer kurzen Szene steckt. Da fallen mir nun ganz neue Sachen auf."

Die Aufgabe eines Komparsen ist meist, eine lebendige Atmosphäre im Hintergrund zu schaffen oder wie hier, Teil einer Gruppe zu sein. Das wichtigste ist, dass man Zeit und Geduld mitbringt, da zwischen zwei Drehs auch schon mal eine ziemlich lange Pause sein kann. "Unseren ersten Dreh hatten wir heute Mittag, den zweiten Teil erst bei Beginn der Dämmerung. Das waren insgesamt 14 Stunden, da noch bis 23 Uhr gedreht wurde", sagt Vanessa. Doch das macht ihr nichts aus: "Die Zeit vergeht Dank der netten Leute meist sehr schnell. Gerade hier oben ist die Stimmung super, und wir Komparsen untereinander verstehen uns auch sehr gut."



Ihre bislang schwierigste Komparsenrolle war, als Vanessa für den Ludwigshafener Tatort, der in Freiburg gedreht wurde, so tun musste, als sei Winter, obwohl das Thermometer 30 Grad anzeigte. Dennoch haben ihr bis jetzt eigentlich alle Rollen Spaß gemacht, beispielsweise auch die Kinderserie "Tiere bis unters Dach", die im Glottertal gedreht wurde. Ein Highlight des Drehs war, als sie in der Dämmerung mit einem Schauspieler und vier weiteren Komparsen um ein Feuer tanzte. "Dabei gab es auch ein paar kleine Pannen, die aber eher lustig waren. Mal sehen, ob davon welche ins Making-of kommen."

Im richtigen Leben ist Vanessa zwar Sachbearbeiterin in Bad Krozingen; sie könnte sich aber durchaus vorstellen, irgendwann einmal eine Schauspielschule zu besuchen. Am Komparsen-Job gefällt ihr, in andere Rollen zu schlüpfen, dass die Arbeit abwechslungsreich ist und dass man immer neue und interessante Menschen kennenlernt. "Spannend ist auch, immer wieder hinter die Kulissen eines Film zu schauen und seine Entstehung mitzuerleben", sagt sie. Wenn "Jesus loves me" voraussichtlich 2012 in die Kinos kommt, wird Vanessa sicherlich eine der ersten sein, die den Film anschaut. Der ja auch ein bisschen ihr Film ist.

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