Die ersten acht Ehepaare des 08.08.08

Carolin Buchheim

50 Paare, so viele wie noch nie zuvor an einem Tag, heiraten heute in Freiburg. Caro hat den Vormittag im Rathaus verbracht, den ersten acht Paaren des Tages gratuliert und nachgefragt, warum sie ausgerechnet heute heiraten. Eine Standesamt-Reportage.



8:21 Uhr. Das erste Ehepaar des heutigen Tages kommt, zusammen mit ihrer winzigkleinen Hochzeitsgesellschaft – drei, vier Freundinnen sind mit dabei – aus dem Rathaus. Ihren Namen wollen die Braut und der Bräutigam nicht nennen. "Denn niemand weiß, dass wir hier sind", sagt der Bräutigam, der die fünfzig sicher schon überschritten hat. "Selbst meinem Bruder haben wir nicht erzählt, dass wir heute heiraten."



Seine Braut, mit schickem Hut, einem leuchtend roten Jäckchen und einem gemusterten Trachtenrock, strahlt auch für die kleine Hochzeitsgesellschaft. Ihr war es wichtig, am 08.08. zu heiraten. "Die acht ist eine Glückszahl", sagt sie. "Und heute fangen die Olympischen Spiele an. Da feiert die ganze Welt mit uns mit"



08:38 Uhr. Einige Freunde des zweiten Paars hetzen die Treppe vom Trauzimmer herunter, durch den Rathausinnenhof und zum Bertold-Schwarz-Brunnen. Sie bereiten den Empfang für die Hochzeitsgesellschaft vor, stellen Sektgläser dekorativ auf den Rand des Brunnens und einen Korb mit Brezeln bereit.

Dann kommt das Paar; viel zu schnell für die kleinen Blumenmädchen. Deshalb halten Mirjam und Matthias Hedinger vor dem Brunnen noch einmal ihre Köpfe hin, um sich mit Rosenblüten bewerfen zu lassen. Sie strahlen.

"Wir wollten eigentlich überhaupt nicht am 08.08.08 heiraten", erklärt die Braut, die ein langes Kleid aus einem fließenden Stoff und einen rosafarbenen Schal trägt. "Wir wollten einen Termin Ende August, aber das ging nicht, und da hat die Standesbeamtin gesagt, sie hätte noch einen Termin am 08.08.08 um 8:20 Uhr, den würde niemand wollen. Wir haben uns angeguckt und gesagt 'Den nehmen wir'. Ich hab immer drüber gelästert, wenn Leute solche Daten nehmen."

Dass eine Schnapszahl-Ehe länger hält, glaubt das Paar, das seit drei Jahren zusammen ist, nicht. "Ob eine Ehe funktioniert, hängt an der Liebe und am Vertrauen", sagt die Braut. "Und an der Erfahrung", pflichtet der Bräutigam ihr bei.

Mit seiner großen Hochzeitsgesellschaft, zum Teil aus den USA und aus England angereist, plant das Paar einen echten Festtag. "Erst machen wir einen Stadtrundgang mit einem Schwarzwaldmädel in Tracht, dann gehen wir mit den Trauzeugen im Dattler essen und heute Nachmittag ab 17 Uhr wird richtig gefeiert." Eine Hochzeitsreise gibt es auch. "Wir wandern über die Alpen", erzählt die Braut. "Von Freiburg bis nach Turin." Eine Reise mit Überraschungsfaktor.

"Wir haben hausstandsmäßig schon alles. Deswegen haben wir es uns als Hochzeitsgeschenk gewünscht, dass unsere Gäste einen Beitrag zu unserer Reise leisten. Es kann also sein, dass wir in Hotels übernachten oder in Hütten, je nachdem", sagt die Braut.  "Und wir hoffen, dass sie auch einen Teil der Wegstrecke mitgehen", sagt der Bräutigam.



09:13 Uhr. Ingrid und Thomas Basler haben nur zwei Hochzeitsgäste: Thomas' Sohn Pascal und Familienhund Sheila. Das Paar strahlt. "Ich bin supersuperglücklich. Heute ist so ein supertoller Tag. Endlich trage ich den Namen meines Mannes!", sagt die frischgebackene Frau Basler. Ihr schießen Tränen in die Augen. Es rührt an, sie so glücklich zu sehen.

"Wir wollten nur für uns heiraten und haben uns gedacht, dass wir uns ein schönes Datum aussuchen, an das wir immer denken können", sagt der zufrieden lächelnde Bräutigam. "Da sind wir Anfang des Jahres auf den 08.08. gekommen."

Was das Nur-für-sich-heiraten angeht, ist das Paar konsequent: bis auf Pascal weiß kein Angehöriger, dass heute geheiratet wird. "Wir haben uns im Mai verlobt, aber alle denken, wir heiraten erst nächstes Jahr", sagt der Bräutigam. "Wir gehen jetzt gleich zum Fotografen und danach zur Post, und verschicken unsere vorbereiteten Hochzeitsanzeigen."

'Zwei Hände, zwei Ringe, ein Versprechen' steht auf den Karten, die einen Handabdruck des Paares und ein Foto der Ringe als Briefmarken tragen. "Morgen kriegen dann unsere Verwandten die Einladungen für unsere kirchliche Hochzeit am 08.08.09" sagt die Braut, die ein schickes weißes Kostüm trägt. "Und wenn wir bei der Post waren, dann verschwinden wir zu dritt für das Wochenende auf die Bühlerhöhe, nach Baden-Baden." Das Handy wird ausgeschaltet bleiben. "Am Montag werden wir sicher mit Anrufen bombardiert!"

Und auf große Hochzeitsreise geht es auch noch: "Wir fahren im Januar in die Karibik, auf Kreuzfahrt, mit der Aida."



09:26 Uhr. Heidi Pletz und Urs Bollinger haben sich  bewusst den 08.08.08 ausgesucht.

"Das ist eine Familiensache", erklärt der Bräutigam mit kratziger Stimme und leichtem Schweizer Dialekt. "Der Großvater meiner Frau wurde am 08.08.1888 geboren." Seine brandneue Ehefrau erzählt die Geschichte weiter. "Das ist also nicht wegen der Schnapszahl, sonst hätten wir ja auch am 07.07.07 heiraten können." Viel Gutes sei in ihrer Familie am 08.08. passiert. "Das ist jetzt eine Kriegsgeschichte, das passt eigentlich nicht zu einem Tag wie heute, aber mein Vater ist an einem 8.8. aus der Kriegsgefangenschaft gekommen." An die Acht als Glückszahl glaubt die Braut aber nicht. "Mit Aberglauben habe ich nichts zu tun."

Um halb zwölf geht es für das Paar, das seit vier Jahren zusammen ist, zur kirchlichen Trauung, danach zum Mittagessen. Auf Hochzeitsreise fahren sie im September. "Wir fahren auf eine Hallig", sagt die Braut. "Da ist es schön ruhig, nach dem ganzen Trubel, den wir jetzt ja dann doch hatten."



09:51 Uhr. "So, und jetzt Blumen streuen!", dirigiert Braut Miriam Stüber in der Tür zum Rathausinnenhof stehend mit festem Ton ihre Blumenkinder. Rosenblüten werden geworfen, die Braut, die ein wunderschönes, ausladendes cremefarbenes Brautkleid mit glockigem Rockteil trägt, lächelt.

Seit 16 Jahren sind Miriam und Ralf Stübner zusammen. Heute wird geheiratet, damit nie ein Hochzeitstag vergessen wird. "Das kann man sich gut merken, und dann kriegt man nie Ärger", sagt der Bräutigam mit Blick zu seiner Braut. "Und der 08.08.08 ist natürlich auch ein schönes Datum."

Um halb zwölf geht es auch für sie heute zur kirchlichen Trauung in die Kirche, danach wird im Glottertal gefeiert. "Und zwar Open End", sagt die Braut.



10:04 Uhr. Karan und Bernd Beer haben sich bei der Wahl des Hochzeitstags ebenfalls von praktischen Gedanken leiten lassen. "Eine Bedeutung hat der Tag für uns nicht", sagt Karan, die ein Minikleid aus glänzendem Jacquard-Stoff trägt. "Aber man kann ihn sich halt gut merken, finde ich." "Und das ist dann gut für mich", sagt ihr Bräutigam lächelnd.

Heute ist das Programm entspannt. "Wir gehen noch feiern und was essen, und lassen es uns gut gehen." Samstag in einer Woche heiratet das Paar, das seit fünf Jahren zusammen ist, dann kirchlich. "Da haben wir heute nicht so einen Stress."



10:17 Uhr. Drum prüfe wer sich ewig bindet, Barbara und Gerhard Ott haben sich geprüft. Und zwar 25 Jahre lang. "Wir hätten auch am 07.07.07 heiraten können", sagt der Bräutigam. "Aber da waren wir noch nicht so weit, und der 09.09.09 wär' zu weit weg gewesen. Da ist es halt der 08.08.08 geworden."

Mit ihrer kleinen Hochzeitsgesellschaft steht das Paar im Innenhof des Rathauses und trinkt Sekt, der winzigkleine Hund des Paares, der bei der Trauung im Tragekorb dabei war, tollt mit zwei kleinen Jungen umher.

Ein Gast erzählt einen Witz über die Ehe. "Am Tag vor dem 25. Hochzeitstag kommt eine Frau zu ihrem Mann ins Wohnzimmer. Er sitzt depressiv herum. 'Freust Du Dich nicht, dass wir morgen Hochzeitstag haben? Bist Du nicht glücklich, dass wir so lange zusammen sind?' 'Ach weißt Du,' antwortet der Mann. 'Als wir zehn Jahre verheiratet waren, da bin ich zu einem Anwalt gegangen und habe ihn gefragt, welche Strafe ich kriegen würde, wenn ich Dich umbringen würde. Morgen wäre ich frei.' "



10:52 Uhr. Elisabeth und Frederic Elskamp sind das achte Paar des 08.08.08 in Freiburg. Und das passt gut.

"Wir sind acht Jahre zusammen", sagt der Bräutigam. "Und acht ist auch die chinesische Glückszahl", sagt seine Braut. Aber es hat noch mehr Gründe gegeben, warum das Paar sich für den 08.08 entschieden hat. "Unsere Familien kommen von weither angereist, da passte der Freitag auch ganz gut", sagt Elisabeth.

Heute Nachmittag wird in Tiengen kirchlich geheiratet; in der kommenden Woche geht es zur Hochzeitsreise. "Nach Wien."

Mehr dazu:

fudder.de: 7.7.7 - Die Verheiraterin

Foto-Galerie

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.